Die Meere der Welt tragen immer größere Mengen an hochgiftigem Quecksilber. Laut einer aktuellen Studie der Tulane University in New Orleans gelangen heute rund zweieinhalb Mal so viel von dem gefährlichen Schwermetall in die Ozeane wie noch im Jahr 1850 – ein Anstieg, der vor allem auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Die Ergebnisse der Forscher wurden in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht und zeichnen ein alarmierendes Bild.
Die Hauptquellen der Quecksilberbelastung sind vielfältig, doch sie alle haben eines gemeinsam: Sie stammen aus den Folgen der Industrialisierung. Industrieprozesse, Metall- und Kleinbergbau – insbesondere bei der Goldgewinnung – sowie die anhaltende Verbrennung von Kohle setzen große Mengen Quecksilber frei, das schließlich über Flüsse und andere Gewässer in die Meere gelangt.
Besonders problematisch ist Quecksilber deshalb, weil es sich in der Nahrungskette anreichert. „Quecksilber-Verbindungen sind starke Nervengifte, die die menschliche Gesundheit gefährden, vor allem durch den Verzehr von Fisch“, warnen die Forscher. Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch oder Hai enthalten besonders hohe Konzentrationen, die für den Menschen beim regelmäßigen Konsum gesundheitsschädlich sein können. Vor allem Schwangere, Kleinkinder und stillende Mütter gelten als besonders gefährdete Gruppen.
Die Wissenschaftler mahnen deshalb zu verstärkten globalen Anstrengungen, um die Emission von Quecksilber weiter zu reduzieren. Internationale Abkommen wie das Minamata-Übereinkommen, das 2013 in Kraft trat, sollen den weltweiten Quecksilberausstoß begrenzen. Doch trotz erster Erfolge zeigt die aktuelle Studie: Die jahrzehntelange Umweltbelastung wirkt weiter nach – mit Folgen für Meeresökosysteme und die Gesundheit von Millionen Menschen weltweit.