Die traditionsreiche Hamburger Modekette Peek & Cloppenburg steht offenbar zum Verkauf. Nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ liegt potenziellen Investoren bereits eine Verkaufspräsentation vor. Betroffen wären insgesamt 42 Filialen, darunter das traditionsreiche Haus an der Mönckebergstraße – ein fester Bestandteil der Hamburger Innenstadt seit über einem Jahrhundert.
113 Jahre Modegeschichte in Hamburg
Seit 1911 bietet das Unternehmen in Hamburg Mode für verschiedenste Anlässe: Von festlicher Garderobe für Konfirmationen, Abibälle und Hochzeiten bis hin zu sportlich-legerer Alltagskleidung. Inzwischen betreibt Peek & Cloppenburg sechs Filialen in der Hansestadt. Neben dem stationären Handel ist das Unternehmen auch international unter der Marke Van Graaf tätig – mit sechs Filialen in fünf europäischen Ländern – sowie einem profitablen Onlineshop.
Corona-Folgen drücken Ergebnis
Auch wenn das Kerngeschäft zuletzt noch als „befriedigend“ beschrieben wurde, belasten finanzielle Altlasten das Ergebnis. Insbesondere die Rückzahlung von Corona-Hilfen habe laut Bericht zu einem veranschlagten Verlust von rund sieben Millionen Euro im vergangenen Jahr geführt. Angesichts der angespannten Lage im stationären Einzelhandel dürfte dies den Druck auf die Eigentümer erhöht haben, einen Verkauf ernsthaft zu prüfen.
Düsseldorfer Peek & Cloppenburg als Käufer?
Brisant: Offenbar ist ausgerechnet die gleichnamige Peek & Cloppenburg-Kette mit Sitz in Düsseldorf, mit der die Hamburger Filialen gemeinsame historische Wurzeln teilen, an einem Aufkauf interessiert. Beide Unternehmen sind rechtlich und wirtschaftlich unabhängig voneinander. Doch während die Düsseldorfer P&C-Gruppe zuletzt mit harten Sanierungsmaßnahmen Schlagzeilen machte, wäre ein Zusammenschluss ein symbolträchtiger Schritt – und möglicherweise auch ein Weg, Synergien zu nutzen.
Keine Schließungen geplant – aber Unruhe bei Mitarbeitern
Wie der NDR erfuhr, kam die Nachricht für das Hamburger Management überraschend. Von Verkaufsabsichten sei intern bis dahin keine Rede gewesen. Die Führungskräfte seien überrumpelt worden, ebenso wie viele der rund 1.200 Beschäftigten. Immerhin: Von einer Schließung von Filialen ist laut Informationen nicht die Rede. Es gehe offenbar ausschließlich um die Suche nach einem strategischen Käufer, der den Betrieb fortführen solle.
Unternehmen äußert sich nicht
Auf Nachfrage erklärten beide Peek & Cloppenburg-Unternehmen:
„Bitte haben Sie Verständnis, dass wir über geschäftliche Entwicklungen unseres Unternehmens keine Auskünfte geben und Gerüchte nicht kommentieren.“
Fazit:
Ein Verkauf von Peek & Cloppenburg Hamburg wäre ein tiefer Einschnitt – nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für Hamburgs Einzelhandel. Noch ist vieles unklar, doch aus Investorensicht dürfte das Unternehmen mit seinen gut gelegenen Standorten, internationalen Aktivitäten und etablierten Markenwerten durchaus attraktiv sein. Entscheidend wird sein, ob ein Käufer gefunden wird, der den Charakter der Marke wahrt – und die Arbeitsplätze erhält.