Technik für die Energiewende – doch zu welchem Preis?
Der Ausbau intelligenter Stromzähler, sogenannter Smart Meter, gilt als Schlüssel für eine effizientere Energienutzung im privaten Haushalt. Doch was eigentlich ein Schritt in Richtung Zukunft sein soll, entwickelt sich für viele Verbraucher zur Kostenfalle: Mancherorts wird der Einbau zu Preisen angeboten, die das gesetzlich erlaubte Maß um ein Vielfaches übersteigen.
Die Verbraucherzentrale Sachsen schlägt Alarm – und zieht erste Konsequenzen.
Gesetz: Smart Meter dürfen maximal 100 Euro kosten
Seit Januar 2025 dürfen private Haushalte mit einem Stromverbrauch von bis zu 6.000 Kilowattstunden höchstens 100 Euro für den Einbau eines Smart Meters zahlen – so schreibt es die überarbeitete Gesetzeslage vor. Der Einbau soll innerhalb von vier Monaten erfolgen, wenn der Verbraucher dies beim Messstellenbetreiber beantragt. Ziel ist es, dynamische Stromtarife und Energiesparen für alle zugänglich zu machen.
Realität: Bis zu 800 Euro verlangt – trotz klarer Obergrenze
Doch in der Praxis zeigt sich ein anderes Bild: Bis zu 800 Euro sollten Verbraucherinnen und Verbraucher laut einer Untersuchung der Verbraucherzentrale Sachsen in einzelnen Regionen zahlen – achtmal so viel wie erlaubt. „Das ist weder fair noch nachvollziehbar“, kritisiert Lorenz Bücklein, Energie-Referent der Verbraucherzentrale. Es gehe hier nicht nur um Geld, sondern auch um Zugang zur Energiewende für alle.
Abmahnungen gegen drei Netzbetreiber – erste Einsicht, aber nicht überall
Abgemahnt wurden drei regionale Anbieter:
- Versorgungsbetriebe Hoyerswerda
- Plauen Netz
- Stadtwerke Olbernhau
Während Hoyerswerda und Plauen auf die Abmahnungen reagierten, die Preise auf das gesetzliche Niveau senkten und Unterlassungserklärungen abgaben, verweigern sich die Stadtwerke Olbernhau der Einsicht. Die Verbraucherzentrale hat deshalb Klage eingereicht.
Verbraucherschützer fordern faire Beteiligung
„Digitaler Fortschritt funktioniert nur, wenn er sozialverträglich und gesetzeskonform gestaltet wird“, so Bücklein. Die überhöhten Preise seien nicht nur rechtlich fragwürdig, sondern auch ein Hindernis für die notwendige Modernisierung der Stromnetze. Insbesondere Menschen mit geringerem Einkommen würden durch solche Praktiken benachteiligt – obwohl sie durch Smart Meter eigentlich Strom sparen könnten.
Was Verbraucher tun können:
✅ Beim Anbieter nach dem gesetzlich festgelegten Höchstbetrag von 100 € fragen
✅ Bei überzogenen Preisen: Verbraucherzentrale informieren
✅ Angebot genau prüfen – besonders bei freiwilligem Einbau
✅ Sich unabhängig beraten lassen
Kontakt zur Verbraucherzentrale Sachsen:
www.verbraucherzentrale-sachsen.de
Tel.: 0341 – 6962929
Fazit:
Smart Meter sind ein wichtiger Baustein für ein nachhaltigeres Energiesystem – aber nicht um jeden Preis. Die aktuelle Auseinandersetzung zeigt: Auch im digitalen Zeitalter braucht es kritische Kontrolle, Verbraucherschutz und klare Regeln, die nicht nur auf dem Papier gelten.