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NFL verliert eine Ausnahmepersönlichkeit: Jim Irsay stirbt im Alter von 65 Jahren

Myriams-Fotos (CC0), Pixabay

Jim Irsay, langjähriger Eigentümer der Indianapolis Colts und prominenter Kämpfer gegen Sucht und Stigmatisierung psychischer Erkrankungen, ist am 21. Mai im Schlaf verstorben. Er wurde 65 Jahre alt. Die genaue Todesursache wurde bisher nicht bekannt gegeben – doch angesichts seiner langjährigen gesundheitlichen Herausforderungen und seines offenen Umgangs mit Suchtproblemen ist die Anteilnahme groß.

Ein Leben zwischen NFL, Musik und innerem Kampf

Irsay war nicht der typische NFL-Teambesitzer. Er war laut, emotional, exzentrisch – und zutiefst menschlich. Jahrzehntelang kämpfte er öffentlich mit Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, absolvierte nach eigener Aussage mindestens 15 Entzugsbehandlungen. 2014 sorgte eine Festnahme unter Alkoholeinfluss und im Besitz verschreibungspflichtiger Medikamente für einen öffentlichen Tiefpunkt. Doch Irsay übernahm Verantwortung – und nutzte seine Erfahrungen, um anderen zu helfen.

Mit der 2021 gegründeten „Kicking The Stigma“-Initiative setzte er sich für die Enttabuisierung von psychischer Gesundheit ein. Über 31 Millionen Dollar stellte er für Projekte und Organisationen zur Verfügung, die sich der Aufklärung und Unterstützung von Menschen mit psychischen Erkrankungen widmen.

„Es ist keine Charakterschwäche – es ist eine Krankheit“

In Interviews betonte Irsay immer wieder, dass Sucht nicht moralisches Versagen sei, sondern eine Krankheit wie jede andere. „Es gibt Millionen von Totenscheinen, auf denen nicht ‘Alkoholismus’ steht, sondern ‘Herzinfarkt’ oder ‘Leberversagen’. Dabei war es genau das“, sagte er 2014 in einem Gespräch mit USA TODAY.

Ein Sammler mit Herz und Geschichte

Neben dem Football war Irsays große Leidenschaft die Musik und das Sammeln historischer Objekte. Seine „Jim Irsay Collection“ umfasst über 500 Stücke – von Elvis’ Gitarre bis zur Schreibmaschine von John Lennon, von Briefen George Washingtons bis zum Originalmanuskript des „Big Book“ der Anonymen Alkoholiker. Letzteres ersteigerte Irsay für 2,4 Millionen Dollar – in Gedenken an die Alkoholsucht seines Vaters und Großvaters.

Spielernähe, Emotionen, Familie

Irsay war bekannt dafür, Spielern auf Augenhöhe zu begegnen. Er weinte bei der Abschiedspressekonferenz von Peyton Manning, schenkte Edgerrin James nachträglich einen Super Bowl-Ring und sprach persönlich mit Pat McAfee, als dieser seine Karriere beendete – inklusive eines spontanen Vertragsangebots und lebenslanger Jobgarantie im Klub.

Für viele in der NFL war er kein Boss, sondern ein Freund.

Letzter Tweet als stiller Abschied

Am Morgen seines Todestags meldete sich Irsay noch einmal auf X (ehemals Twitter) zu Wort – mit einem Gruß an die Indiana Pacers vor dem ersten Spiel der NBA-Ostfinals:
„Go PACERS. Viel Glück an Herb [Simon], die gesamte Pacers-Organisation und unsere Stadt.“

Wenige Stunden später war es sein Abschiedspost.


Ein Vermächtnis mit Herz

Jim Irsay wird als umstrittener, aber zutiefst engagierter Mensch in Erinnerung bleiben – als jemand, der seine Schwächen öffentlich machte, um anderen Mut zu geben. Als jemand, der in einer oft zynischen Welt Mitgefühl lebte. Und als jemand, der wusste, dass echter Einfluss nicht nur auf dem Spielfeld, sondern im Leben beginnt.

Ruhe in Frieden, Jim Irsay.


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