Im Skandal um die illegale Behandlung von Mineralwasser durch den Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé erhebt ein Bericht des französischen Senats nun schwere Vorwürfe gegen Staat und Industrie. Die zentrale Anschuldigung: Es habe eine gezielte Vertuschung gegeben – mit Wissen und Beteiligung höchster staatlicher Stellen, darunter sogar der Élysée-Palast.
Der Bericht, erstellt vom Senatsausschuss zur Aufklärung des Falls, zeichnet ein alarmierendes Bild:
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Nestlé Waters hatte bereits Ende 2020 festgestellt, dass an mehreren Standorten – darunter Perrier, Hépar und Contrex – verbotene Verfahren zur Wasseraufbereitung eingesetzt wurden.
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Statt das öffentlich zu machen, wandte sich das Unternehmen 2021 diskret an die Regierung – mit Erfolg: Die Behörden erlaubten 2022 eine alternative Mikrofiltration, obwohl diese laut Expert*innen nicht mit der EU-Definition von natürlichem Mineralwasser vereinbar ist.
Eingriffe in Gesundheitsberichte
Noch brisanter: 2023 sollen französische Gesundheitsbehörden auf Drängen von Nestlé Hinweise auf bakterielle Verunreinigungen in der Perrier-Quelle bei Vergèze aus einem offiziellen Bericht entfernt haben – und stattdessen lobende Formulierungen eingefügt. Laut Senat wurden dabei regionale Behörden politisch unter Druck gesetzt, um das Image des Konzerns zu schützen.
Kritik an Nestlé – und an der französischen Regierung
Senatsberichterstatter Alexandre Ouizille wirft Nestlé Intransparenz vor: Die Unternehmensleitung habe Fragen nicht beantwortet, Informationen verweigert – und gleichzeitig Bedingungen gestellt. So habe Nestlé die Genehmigung der neuen Aufbereitungsmethode zur Voraussetzung für den Stopp der illegalen Praktiken gemacht. Der Bericht spricht von einem „besorgniserregenden Machtungleichgewicht“ zwischen Staat und Konzern.
Trotz der aufgedeckten Verstöße und des offensichtlichen Betrugs an Verbraucherinnen und Verbrauchern sei es bis heute zu keinen juristischen Konsequenzen gekommen – weder gegen Verantwortliche im Unternehmen noch gegen involvierte Behörden.
Fazit:
Der Fall Nestlé-Waters in Frankreich ist längst mehr als ein Lebensmittelskandal – er ist ein politisches Erdbeben, das Fragen nach Staatsversagen, industrieller Einflussnahme und Verbraucherschutz aufwirft. Die Tatsache, dass über Jahre hinweg unzulässige Verfahren gedeckt, beschönigt und legitimiert wurden, ist nicht nur ein französisches Problem – sondern ein europäisches. Es bleibt die Frage: Wer schützt eigentlich die Verbraucher – wenn selbst die Aufsicht mitspielt?