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Cannabis-Plantage in Bad Lauterberg: Wie sie unbemerkt in der Fußgängerzone florierte

Erin_Hinterland (CC0), Pixabay

Im Zeitraum zwischen Mitte und Ende April entdeckte die Polizei drei Plantagen in leerstehenden Gebäuden in Bad Lauterberg, Hattorf und Wulften (Landkreis Göttingen). Insgesamt fanden die Ermittler rund 4.000 Cannabispflanzen. Laut Staatsanwaltschaft hätte das beschlagnahmte Cannabis auf dem Schwarzmarkt einen Wert von etwa einer Million Euro. „Das ist keine alltägliche Menge“, erklärte Andreas Buick, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die überraschende Entdeckung in Bad Lauterberg

Besonders die Plantage in Bad Lauterberg erregte großes Staunen bei den Ermittlern: Sie befand sich in einer ehemaligen Fleischerei mitten in der Fußgängerzone der Stadt. Dass dort seit mindestens einem Jahr Cannabis angebaut wurde, blieb den Nachbarn verborgen. Die Anwohner bestätigten gegenüber dem NDR in Niedersachsen, dass sie nichts von der illegalen Plantage bemerkt hatten.

Zufall führt zur Entdeckung

Die Kriminalisten stießen auf den Fall durch einen „Diebstahlversuch im Drogenmilieu“, wie Buick erklärte. Drei Verdächtige versuchten, Cannabispflanzen aus der Plantage in Bad Lauterberg zu stehlen, wurden jedoch von den zwei für die Pflanze verantwortlichen Gärtnern erwischt. Die darauffolgende nächtliche Auseinandersetzung zog die Aufmerksamkeit der Nachbarn auf sich, woraufhin die Polizei alarmiert wurde. Dank Unterstützung aus benachbarten Wachen und einem Hubschrauber konnten fünf Verdächtige festgenommen werden.

Die illegale Anbaufläche im Detail

Im Zuge der Festnahmen offenbarte sich das Ausmaß der illegalen Plantage. Die Innenräume des dreistöckigen Hauses waren nahezu vollständig umgebaut. Es wurden Leichtbauwände errichtet, und es gab eine eigene Wasser-, Strom- und Frischluftversorgung. Um Gerüche zu minimieren, hatten die Kriminellen das Gebäude mit Bauschaum abgedichtet und mit Alufolie versiegelt, sodass keinerlei Licht nach außen dringen konnte. Laut Buick richteten die Täter Schlafplätze ein – wohl für die beiden Gärtner, die an der Auseinandersetzung beteiligt waren.

Waffen und kriminelle Energie

„Dass ein solches Drogenunternehmen mitten in einer belebten Fußgängerzone so lange unbemerkt bleibt, hätten wir nicht erwartet“, sagte Guido Schwarze, Leiter des Bad Lauterberger Polizeikommissariats. Besonders erschreckend sei, dass im Gebäude auch zwei scharfe Schusswaffen gefunden wurden. „Das lässt auf eine erhebliche kriminelle Energie der Täter schließen“, so Schwarze.

Weitere Plantagen entdeckt

Wenige Tage nach der Entdeckung in Bad Lauterberg wurden zwei weitere Plantagen in Wulften und Hattorf aufgefunden. Diese waren ebenso professionell betrieben worden. Ein 56-Jähriger aus dem Altkreis Osterode, der mit allen drei Objekten in Verbindung stehen soll, wurde festgenommen. Zu seiner Rolle wollten sich die Ermittler jedoch nicht äußern.

Unklare Hintergründe

Ein Fleischer aus Wernigerode, auf den mehrere Aushänge am Gebäude in Bad Lauterberg hinwiesen, bestreitet jegliche Beteiligung. Er habe mit der Immobilie schon lange nichts mehr zu tun, so sein Anwalt. Der Eigentümer oder ein ehemaliger Vermieter habe die Aushänge gegen seinen Willen angebracht.

Staatsanwalt äußert Kritik an Legalisierung

Die Staatsanwaltschaft ist sich über viele Hintergründe noch im Unklaren. „Es ist durchaus möglich, dass es sich um Clankriminalität handelt, aber das können wir derzeit noch nicht mit Sicherheit sagen“, sagte Buick. Gleichzeitig äußerte er Bedenken hinsichtlich der Teillegalisierung von Cannabis: Trotz der Gesetzesänderungen gedeihe der Schwarzmarkt weiterhin, was die Strafverfolgung erschwere.

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