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Interview mit Rechtsanwältin Kerstin Bontschev über die Risiken bei Windpark-Beteiligungen

Clker-Free-Vector-Images (CC0), Pixabay

Interviewer: Frau Bontschev, die Bürger können sich an einem geplanten Windpark in Jesenwang beteiligen. Was halten Sie von diesem Angebot?

Kerstin Bontschev: Auf den ersten Blick klingt das nach einer tollen Gelegenheit: Man investiert in erneuerbare Energien und erhält eine jährliche Verzinsung von fünf Prozent. Doch wie so oft steckt der Teufel im Detail. Es gibt einige Risiken, die Anleger unbedingt kennen sollten.

Interviewer: Was ist das größte Risiko bei diesem Investment?

Kerstin Bontschev: Das größte Risiko besteht darin, dass es sich um ein Nachrangdarlehen handelt. Das bedeutet: Sollte die Betreibergesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten geraten, müssen zuerst die Bankdarlehen bedient werden. Die Nachrangdarlehen – also die Investments der Bürger – werden nachrangig behandelt. Im schlimmsten Fall kann das bedeuten: Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Interviewer: Das klingt bedrohlich. Was bedeutet das konkret für die Anleger?

Kerstin Bontschev: Wenn die Betreibergesellschaft pleitegeht, bleiben die Bürger möglicherweise auf ihren Investitionen sitzen. Auch wenn die Anlage zehn Jahre tilgungsfrei ist, heißt das nicht, dass nach dieser Zeit alles problemlos läuft. Wenn die Windkraftanlagen nicht den erhofften Ertrag bringen oder unerwartete Kosten auftreten, könnten die Rückzahlungen ausfallen.

Interviewer: Wie sieht es mit der Verzinsung von fünf Prozent aus? Ist das sicher?

Kerstin Bontschev: Nein, keineswegs. Die fünf Prozent sind lediglich eine geplante Verzinsung. Ob die tatsächlich gezahlt wird, hängt davon ab, ob die Betreibergesellschaft die finanziellen Mittel hat. Bei Zahlungsschwierigkeiten werden die Zinsen zunächst ausgesetzt. Anleger sollten sich also nicht auf die Rendite verlassen.

Interviewer: Gibt es noch weitere Punkte, die Anleger beachten sollten?

Kerstin Bontschev: Ja, um überhaupt Anteile zeichnen zu können, muss man Mitglied in einer Genossenschaft werden. Das bedeutet zusätzliche Kosten: Bei der BEG-FS sind das 250 Euro, bei den Sonnenseglern sogar 600 Euro. Diese Beträge sind unabhängig von der eigentlichen Investition. Es besteht also die Gefahr, dass man doppelt Geld verliert: einmal durch die Genossenschaftsbeteiligung und dann durch das Nachrangdarlehen.

Interviewer: Was raten Sie Bürgern, die sich beteiligen wollen?

Kerstin Bontschev: Anleger sollten sich bewusst sein, dass dieses Investment kein sicherer Sparvertrag ist. Es handelt sich um eine unternehmerische Beteiligung mit hohem Risiko. Bevor man investiert, sollte man sich folgende Fragen stellen:

  1. Kann ich mir einen Totalverlust leisten?

  2. Verstehe ich die Vertragsbedingungen vollständig?

  3. Habe ich mich unabhängig beraten lassen?

Außerdem sollte man die Wirtschaftspläne und die Risikobewertung des Projekts genau prüfen. Oft werden in solchen Präsentationen optimistische Szenarien gezeigt, die die tatsächlichen Risiken verschleiern.

Interviewer: Gibt es etwas, das Anleger im Vorfeld unbedingt tun sollten?

Kerstin Bontschev: Unbedingt! Lassen Sie den Vertrag von einem unabhängigen Anwalt oder Finanzexperten prüfen. Es ist wichtig, nicht nur auf die Zahlen und Versprechen zu schauen, sondern auch auf die rechtlichen Feinheiten. Oft werden Risiken in den Vertragsdetails versteckt.

Interviewer: Einige Bürger hoffen, auch vom günstigeren Strompreis zu profitieren. Ist das ein gutes Argument für die Beteiligung?

Kerstin Bontschev: Auch das ist mit Vorsicht zu genießen. Es wird zwar gesagt, dass die Strompreise bei der BEG-FS stabiler seien, aber eine Preisgarantie gibt es nicht. Gerade im Energiesektor können die Preise starken Schwankungen unterliegen. Man sollte also nicht nur wegen des Strompreises investieren.

Interviewer: Frau Bontschev, was ist Ihr Fazit zu dieser Windpark-Beteiligung?

Kerstin Bontschev: Erneuerbare Energien sind grundsätzlich eine gute Sache, aber man sollte sich nicht von grünen Versprechen blenden lassen. Bürgerbeteiligungen an Windparks bergen erhebliche Risiken, die man sorgfältig abwägen sollte. Ein gesundes Maß an Skepsis ist hier durchaus angebracht.

Interviewer: Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Frau Bontschev.

Kerstin Bontschev: Gern geschehen. Anleger sollten immer genau prüfen, bevor sie investieren – vor allem bei Angeboten, die auf den ersten Blick zu gut klingen.

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