Am bundesweiten Tag gegen den Schlaganfall, der jährlich am 10. Mai begangen wird, rücken Fachleute 2025 ein bislang wenig beachtetes Thema in den Mittelpunkt: Schlaganfälle bei Neugeborenen. Während die Erkrankung gemeinhin mit älteren Menschen in Verbindung gebracht wird, zeigen aktuelle medizinische Erkenntnisse, dass auch Säuglinge – teils unmittelbar nach der Geburt – davon betroffen sein können.
Nach Angaben der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden jährlich rund 300 Neugeborene in Deutschland einen sogenannten perinatalen Schlaganfall. Expertinnen und Experten gehen jedoch von einer erheblich höheren Dunkelziffer aus, da viele Fälle erst spät erkannt werden – mit teils gravierenden Folgen für die Entwicklung des Kindes.
Symptome oft unauffällig – Diagnosen zu spät
Ein Schlaganfall im Säuglingsalter bleibt oft lange unbemerkt. Frühwarnzeichen wie schwaches Trinkverhalten, einseitige Muskelsteifigkeit oder ungewöhnlich geringe Reaktionen werden häufig nicht sofort als neurologische Notfälle erkannt. Die Diagnosestellung erfolgt oft erst im Kleinkindalter, wenn sich auffällige Bewegungsmuster oder Entwicklungsverzögerungen zeigen.
„Je früher ein Schlaganfall erkannt wird, desto besser sind die Chancen, spätere Schäden zu minimieren“, betont Professorin Dr. Nina Richter, Neuropädiaterin an der Universitätsmedizin Greifswald. Moderne Bildgebungsverfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) bieten heute die Möglichkeit, schon bei Verdacht gezielt zu untersuchen. Das Problem: Diese Untersuchungen gehören bislang nicht zur Standardversorgung in der Neugeborenenmedizin.
Vielversprechende Therapien bei früher Förderung
Ist die Diagnose gestellt, beginnt meist ein langwieriger, aber chancenreicher Weg der Förderung. Die Therapie zielt weniger auf eine Heilung ab – denn das geschädigte Hirngewebe kann nicht wiederhergestellt werden –, sondern darauf, durch gezieltes Training benachbarte Hirnareale zur Übernahme verlorener Funktionen zu aktivieren.
Physio- und Ergotherapie, Logopädie und frühpädagogische Förderung sind zentrale Bestandteile der langfristigen Betreuung. Auch die Eltern werden eng eingebunden – sie tragen wesentlich dazu bei, eine stabile Umgebung für das Kind zu schaffen.
Tag gegen den Schlaganfall 2025: Bewusstsein schaffen – Leben retten
Unter dem diesjährigen Motto „Schlaganfall kann jeden treffen – auch die Kleinsten“ will die Deutsche Schlaganfall-Hilfe die Öffentlichkeit sensibilisieren. Während bei Erwachsenen die Symptome – wie halbseitige Lähmung, Sprachstörungen oder Gesichtsfeldausfälle – weithin bekannt sind, fehlt es bei Kindern und Säuglingen häufig am Problembewusstsein.
„Viele wissen schlicht nicht, dass auch Neugeborene einen Schlaganfall erleiden können – und das macht die Erkrankung bei dieser Altersgruppe so gefährlich“, so Dr. Richter. Es brauche daher mehr Aufklärung in der Geburtshilfe, Kinderheilkunde und bei jungen Familien.
Forschung steckt noch in den Anfängen
Noch steckt die Forschung zum perinatalen Schlaganfall in den Kinderschuhen. Kliniken wie in Greifswald, Hamburg und Berlin arbeiten derzeit an Langzeitstudien zur Entwicklung betroffener Kinder, um bessere Prognosemodelle und Therapiekonzepte zu entwickeln. Ziel ist es, künftig noch früher eingreifen und individuell unterstützen zu können.
Fazit: Der Blick auf die Kleinsten lohnt sich
Der Tag gegen den Schlaganfall erinnert 2025 nicht nur an die Notwendigkeit, Menschenleben zu retten – er lenkt den Blick auf eine Patientengruppe, die bislang kaum öffentliche Beachtung findet. Schlaganfälle bei Neugeborenen sind selten, aber folgenreich. Früh erkannt und richtig behandelt, haben betroffene Kinder heute dank moderner Medizin und intensiver Förderung gute Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben.