Das Land Rheinland-Pfalz will das Bestattungsrecht grundlegend reformieren und nach eigenen Angaben „das modernste in ganz Deutschland“ schaffen. Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) stellte die Pläne am Dienstag vor und kündigte weitreichende Änderungen an, die den Umgang mit Tod und Trauer individueller und zeitgemäßer gestalten sollen.
Sargpflicht wird abgeschafft – Bestattung im Tuch möglich
Einer der zentralen Punkte der Reform ist die Abschaffung der Sargpflicht. Künftig sollen Menschen in Rheinland-Pfalz frei wählen können, ob sie sich in einem Sarg oder in einem Tuch bestatten lassen möchten – etwa im Sinne religiöser oder kultureller Traditionen. „Damit ermöglichen wir mehr persönliche Gestaltungsspielräume bei der letzten Reise“, sagte Hoch.
Flussbestattungen und Teilung der Asche künftig erlaubt
Besonders weitreichend ist die geplante Erlaubnis von Flussbestattungen. Damit wäre es erstmals in Rheinland-Pfalz möglich, die Asche eines Verstorbenen auf einem Fluss wie dem Rhein beizusetzen – unter bestimmten Voraussetzungen und in speziell vorgesehenen Zonen. Bislang sind solche Bestattungsformen in Deutschland nur sehr eingeschränkt oder im Ausland möglich.
Darüber hinaus soll es künftig erlaubt sein, die Asche eines Verstorbenen in mehreren Teilen aufzubewahren – etwa, um sie unter mehreren Angehörigen aufzuteilen. Auch die Verarbeitung zu Erinnerungsdiamanten, bei der ein Teil der Asche in einem Hochdruckverfahren zu einem synthetischen Edelstein umgewandelt wird, soll ausdrücklich gestattet werden.
Mehr Selbstbestimmung und Trauerkultur im Wandel
Minister Hoch betonte, dass die Novelle das Ziel verfolge, „mehr Selbstbestimmung und neue Formen der Trauerbewältigung“ zu ermöglichen. Die bisher teils starren Vorgaben entsprächen nicht mehr den heutigen Bedürfnissen vieler Menschen. Rheinland-Pfalz wolle daher bewusst neue Wege gehen – ohne jedoch den Würdegedanken aus den Augen zu verlieren.
Reaktionen auf die Pläne gemischt
Während viele Angehörige und Vertreter liberaler Trauerkultur die geplante Reform begrüßen, gibt es auch kritische Stimmen. Manche Kirchen und konservative Verbände äußerten Bedenken, dass durch die zunehmende Individualisierung ein würdevoller gesellschaftlicher Rahmen für Abschied und Erinnerung verloren gehen könnte.
Das neue Bestattungsgesetz soll noch in diesem Jahr im Landtag beraten werden. Wenn das Vorhaben wie geplant umgesetzt wird, könnte Rheinland-Pfalz künftig bundesweit eine Vorreiterrolle in der Bestattungsrechtsentwicklung einnehmen.