Menschen lernen nicht nur allein, sondern vor allem auch voneinander. Wie wichtig diese soziale Komponente ist, zeigt ein neues Experiment des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin – und zwar mit Hilfe des beliebten Videospiels Minecraft.
Das Forschungsteam um Ralf Kurvers ließ Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer Minecraft-Welt auf Nahrungssuche gehen: Ihre Avatare mussten 3D-Blöcke zerstören, um Wassermelonen und Kürbisse zu finden. Entdeckte Nahrungsmittel gaben Hinweise auf weitere Fundorte.
Getestet wurde in zwei Umgebungen: In „regelmäßigen“ Welten lagen die Nahrungsmittel gruppiert – soziale Informationen waren hier besonders nützlich. In „zufälligen“ Welten dagegen waren Melonen und Kürbisse verstreut, und Hinweise halfen wenig.
Vor Beginn jeder Runde erfuhren die Spielenden, ob sie allein oder in einer Vierergruppe unterwegs waren. Ihr Ziel: möglichst viele Belohnungen sammeln. Dabei mussten sie ständig abwägen, ob sie auf eigene Faust suchen oder von anderen lernen sollten.
„Minecraft ist ideal für solche Studien“, erklärt Kurvers. „Wie in der realen Welt sieht man nur einen kleinen Ausschnitt und muss entscheiden: Eigenständig suchen oder anderen folgen?“
Die Forschenden analysierten nicht nur die Entscheidungen der Teilnehmenden, sondern auch deren Blickbewegungen im Spiel – also, worauf sie achteten. Das Ergebnis: Erfolgreiche Spieler kombinierten eigenes Erkunden geschickt mit dem Beobachten anderer. Sie wechselten flexibel zwischen individuellem und sozialem Lernen, je nach Situation.
„Unsere Studie zeigt, dass Anpassungsfähigkeit entscheidend für den Lernerfolg ist“, betont Studienmitautor Charley Wu von der Universität Tübingen. Wer stur nur auf eigene Intuition setzt oder blind andere imitiert, lernt weniger effektiv. Der Erfolg liegt im klugen Balanceakt zwischen Selbstständigkeit und Teamwork.