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Was Nachbarn in El Salvador über Kilmar Abrego Garcia erzählen – und was sie nicht erzählen wollen

camellia_sasanqua (CC0), Pixabay

Kilmar Abrego Garcia, der Mann aus Maryland, der laut US-Gericht niemals hätte abgeschoben werden dürfen, wurde 2023 dennoch unter der Trump-Regierung nach El Salvador deportiert – und sitzt nun im Zentrum einer politischen Kontroverse. CNN hat sich in seinem früheren Wohnviertel in El Salvador umgehört.

Ein stilles Viertel – mit bewegter Geschichte

Abrego Garcia wuchs in Los Nogales auf, einem ruhigen, bürgerlichen Viertel im Südosten von San Salvador, der Hauptstadt El Salvadors. Hier reihen sich Backsteinhäuser entlang kleiner Seitenstraßen. Die Familie betrieb einst ein kleines Tortilla-Geschäft direkt aus dem Wohnhaus heraus.

Sechs Nachbarinnen und Nachbarn, mit denen CNN vor Ort sprach, gaben an, die Familie Abrego Garcia zu kennen. Doch kaum jemand erinnerte sich klar an Kilmar selbst. Nur zwei Personen beschrieben ihn als „etwas ungestüm“ in seiner Jugend – er habe sich gelegentlich mit anderen Teenagern gestritten oder geprügelt. Gangzugehörigkeit? Fehlanzeige. Alle Befragten betonten, dass sie ihn nie in einem kriminellen Kontext wahrgenommen hätten. Vielmehr erinnere man sich an Fußball- und Basketballspiele auf dem kleinen Betonplatz am Ende der Straße.

Abschied ohne Abschiedsgründe

Die Familie Abrego Garcia zog irgendwann in den 2000er-Jahren weg – warum, weiß heute niemand mehr so genau. Kilmar selbst verließ El Salvador laut US-Gerichtsunterlagen um 2011, als Teenager. Über seine Zeit danach – insbesondere die Umstände seines Aufenthalts in den USA – wusste im Viertel niemand etwas Genaues. Man habe nur durch Medienberichte von seiner Abschiebung und der politischen Debatte erfahren, so die Nachbarn.

Angst vor der Öffentlichkeit

Alle sechs Nachbarn baten darum, anonym zu bleiben. Die Causa Abrego Garcia sei ihnen zu heikel – niemand wolle „hineingezogen werden“, wie eine Anwohnerin es ausdrückte. In einem Land, in dem das Thema Bandenkriminalität hochsensibel ist und politische Themen schnell gefährlich werden können, ist das nicht überraschend.

Ein Mensch zwischen den Fronten

Abrego Garcia ist zu einem Symbol geworden: Für die Gegner der harten Migrationspolitik unter Donald Trump ist er das Gesicht eines Systems, das selbst gerichtliche Schutzanordnungen ignoriert. Für Trump und seine Unterstützer hingegen ist er eine Projektionsfläche – trotz des gerichtlichen Schutzes wird er öffentlich als gefährlicher Straftäter dargestellt.

Dabei hat ein US-Richter bereits 2019 entschieden, dass Kilmar Abrego Garcia nicht abgeschoben werden dürfe – zu groß sei die Gefahr, dass er in El Salvador von Gangs verfolgt werde. Trotzdem wurde er 2023 abgeschoben – laut Regierung durch einen „Verwaltungsfehler“.

In El Salvador wurde er zunächst in das berüchtigte Hochsicherheitsgefängnis CECOT gebracht, wo er laut Berichten aus der Zivilgesellschaft misshandelt worden sein soll. Inzwischen wurde er verlegt.

Politisches Nachspiel

US-Senator Chris Van Hollen reiste vergangene Woche persönlich nach El Salvador, um Abrego Garcia zu besuchen. Nach seiner Rückkehr kritisierte er die Abschiebung scharf – und forderte seine Rückholung. Die Trump-Regierung jedoch lehnt dies kategorisch ab. Präsident Trump sagte: „Er wird nie wieder US-Boden betreten.“

Fazit: Erinnerung und Schweigen

In Los Nogales erinnert man sich nur vage an den Jungen von damals – aber man schweigt lieber. Die politische Sprengkraft seines Falls reicht weit über die engen Straßen des Viertels hinaus. Doch für viele dort ist er vor allem eines: ein Name aus der Vergangenheit, der heute für Schlagzeilen sorgt – in einer Geschichte, die sie selbst nicht mehr mitschreiben wollen.

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