Zwischen Hightech, Pferdekoppeln und Umweltauflagen: Bastrop ringt mit dem Musk-Effekt
Im ländlichen Texas, rund 30 Minuten östlich von Austin, schreibt Elon Musk an seinem nächsten Kapitel: Ein Industrie- und Innovationscampus mitten im Nirgendwo – genauer gesagt in Bastrop, einer Kleinstadt mit knapp 12.000 Einwohnern. Zwischen Pferdeweiden, Blechhallen und Barbecue-Romantik siedeln sich die Musk-Unternehmen SpaceX, The Boring Company und X (ehemals Twitter) an – doch nicht alle in Bastrop begrüßen den neuen Nachbarn mit offenen Armen.
Die neue Firmenzentrale von X soll in einer neu errichteten Halle an der FM Road 1209 entstehen. Gleich gegenüber arbeitet SpaceX an der Produktion von Starlink-Satelliten, während The Boring Company weiter Tunnelvisionen pflegt – nicht nur symbolisch, sondern auch ganz konkret unter der texanischen Erde.
Doch neben großen Visionen bringt Musk auch Kontroversen mit. Der Umzug aus Kalifornien war politisch motiviert: Nach einem Gesetz, das Lehrkräften das Informieren von Eltern über Geschlechtsidentitätsänderungen untersagte, kehrte Musk dem Westküstenstaat den Rücken. Texas, mit wirtschaftsfreundlichen Gesetzen und republikanischem Klima, schien die perfekte Spielwiese – inklusive Subventionen: 17,3 Millionen US-Dollar vom texanischen Staat sollen über 400 Jobs schaffen.
Nicht alles läuft reibungslos: The Boring Company wurde bereits mit einer Geldstrafe wegen Wasserverschmutzung belegt. Die geplante Ableitung von Abwasser in den Colorado River wurde gestoppt – stattdessen geht’s nun zur städtischen Kläranlage. Auch der Bau geplanter Mitarbeiterwohnungen verzögert sich. Aktuell leben einige Mitarbeiter in Containern hinter dem firmeneigenen Bodega-Shop, der zwischen Kaffee, T-Shirts und Xbox-Konsolen an eine sehr spezielle Startup-Oase erinnert.
Die Stadtverwaltung reagiert mit gemischten Gefühlen. City Managerin Sylvia Carrillo sieht Chancen für Jobs und Wirtschaft, aber auch Risiken durch steigende Immobilienpreise und schwindende Natur. Bastrop hat kürzlich Gesetze zum Schutz von Grünflächen und zur Begrenzung der Bebauungsdichte erlassen – eine Art städtischer Verteidigungswall gegen ungebremstes Wachstum.
Die Bevölkerung? Gespalten. Online schimpfen manche, Musk würde „alles zerstören“. Vor Ort hingegen bleibt man höflich – Texas eben. Immobilienmakler loben den Boom, Geschichtsexperten erinnern an den Trubel von Camp Swift im Zweiten Weltkrieg und sagen lakonisch: „Damals war mehr los als jetzt mit Musk.“
Bastrop jedenfalls ist kein Silicon Valley. Noch nicht.