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Interview mit Rechtsanwalt Reime: ETF-Anlage in unsicheren Zeiten – Alternativen zum MSCI World und was Anleger wissen müssen
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Interview mit Rechtsanwalt Reime: ETF-Anlage in unsicheren Zeiten – Alternativen zum MSCI World und was Anleger wissen müssen

Tumisu (CC0), Pixabay

Interviewer
Herr Reime, der MSCI World gilt für viele als Grundbaustein ihrer ETF-Anlage. Doch angesichts politischer Unsicherheiten und wirtschaftlicher Spannungen – zuletzt verstärkt durch Donald Trumps Zollpolitik – geraten besonders US-Aktien unter Druck. Viele Anlegerinnen und Anleger fragen sich jetzt: Gibt es sinnvolle Alternativen?

Rechtsanwalt Reime
Diese Frage ist absolut berechtigt. Der MSCI World wird oft als weltweiter Index verkauft, aber in der Realität steckt darin eine starke USA-Lastigkeit: Rund 72 Prozent der enthaltenen Unternehmen kommen aus den Vereinigten Staaten. Solange US-Aktien gut laufen, profitieren die Anleger – doch in Krisenzeiten offenbart sich hier ein Klumpenrisiko. Die politische Entwicklung, wirtschaftliche Rückschläge oder eine schwächelnde Währung wie aktuell der US-Dollar können dann massive Auswirkungen auf das Depot haben. Genau hier setzt auch der Anlegerschutz an: Anleger müssen klar verstehen, worin sie investieren und welche Risiken das mit sich bringt.

Interviewer
Sie sprechen den Anlegerschutz an – wird der Ihrer Meinung nach bei ETF-Investments ausreichend berücksichtigt?

Rechtsanwalt Reime
Formal ja, praktisch oft nicht ausreichend. Wer beispielsweise über eine Bank oder einen digitalen Broker einen ETF-Sparplan abschließt, erhält in der Regel ein Informationsblatt mit den wichtigsten Eckdaten – aber die Gewichtung innerhalb des Index oder der Einfluss einzelner Länder wird selten so hervorgehoben, dass der Durchschnittsanleger die Tragweite erkennt. Gerade bei vermeintlich einfachen Produkten wie ETFs braucht es mehr Aufklärung. Viele glauben, mit dem MSCI World weltweit zu streuen, obwohl sie in Wahrheit stark auf den US-Markt setzen. Eine bessere Risikodarstellung wäre hier im Sinne des Anlegerschutzes notwendig.

Interviewer
Welche Alternativen zum MSCI World sehen Sie für Anleger, die bewusster diversifizieren möchten?

Rechtsanwalt Reime
Da gibt es verschiedene Optionen, je nach Risikobereitschaft und Ziel. Der MSCI World Equal Weighted etwa enthält die gleichen Unternehmen wie der klassische MSCI World, gewichtet sie jedoch gleichmäßig – dadurch sinkt der US-Anteil auf etwa 42 Prozent. Wer auch Schwellenländer abdecken möchte, kann auf den MSCI All Countries World Index (ACWI) setzen oder den FTSE All World, der noch breiter aufgestellt ist. Eine weitere Möglichkeit ist, den klassischen MSCI World mit regionalen ETFs zu kombinieren – etwa durch einen ETF auf den Stoxx Europe 600 für europäische Aktien oder den MSCI Emerging Markets für Schwellenländer. So lässt sich die Gewichtung individuell anpassen.

Interviewer
Viele Anlegerinnen und Anleger nutzen ETF-Sparpläne langfristig zur Altersvorsorge. Sollte man angesichts der aktuellen Marktturbulenzen überhaupt umschichten?

Rechtsanwalt Reime
Ein ETF-Sparplan ist grundsätzlich ein Instrument für langfristige Anlageziele – zehn Jahre oder mehr. Wer diesen Horizont beibehält, kann Kursschwankungen in der Regel gut aussitzen. Dennoch ist es sinnvoll, regelmäßig zu überprüfen, ob die gewählte Strategie noch zum eigenen Risikoprofil passt. Wer sich mit der aktuellen US-Dominanz unwohl fühlt, sollte nachjustieren – aber nicht hektisch. Diversifikation bleibt der wichtigste Schutzmechanismus. Und auch die Berücksichtigung von Währungsrisiken, wie der derzeit schwächelnde US-Dollar, sollte in die persönliche Anlagestrategie einfließen.

Interviewer
Braucht es aus Ihrer Sicht regulatorische Nachbesserungen?

Rechtsanwalt Reime
In Teilen ja. Die Regulierung durch MiFID II schreibt zwar vor, dass Anleger verständlich über Produkte informiert werden müssen, aber gerade bei Indizes mit komplexen Gewichtungen ist das nicht immer gegeben. Es sollte verpflichtend sein, Klumpenrisiken und geografische Schwerpunkte noch klarer auszuweisen. Anleger brauchen einfache, aber präzise Informationen – auch über politische Einflussfaktoren, wie wir sie aktuell in den USA sehen.

Interviewer
Was würden Sie Anlegerinnen und Anlegern mit auf den Weg geben?

Rechtsanwalt Reime
Wer ETFs nutzt, sollte nicht nur in Produkte, sondern auch in Wissen investieren. Es ist wichtig, die eigene Anlage regelmäßig zu reflektieren und nicht blind auf vergangene Renditen zu schauen. Produkte wie der MSCI World bleiben wertvoll – aber nur, wenn man versteht, was dahintersteckt. Und wer auf Alternativen setzt, kann heute dank der Vielfalt am Markt sehr gezielt diversifizieren, ohne auf die Vorteile von ETFs verzichten zu müssen. Aufklärung, Selbstverantwortung und eine kritische Haltung sind die beste Absicherung – besonders in bewegten Börsenzeiten.

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