Ein schwerwiegender Sicherheitsfall erschüttert derzeit die Gemeinde Zeithain im sächsischen Landkreis Meißen. Wie das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) mitteilt, wird gegen einen 16-jährigen Jugendlichen ermittelt, der mutmaßlich den hochgiftigen biologischen Kampfstoff Rizin in einem privaten Labor selbst hergestellt und gelagert haben soll.
Am frühen Morgen rückten Spezialkräfte zu einer Durchsuchung im Wohnhaus des Jugendlichen an. Die Ermittler fanden das Labor im Dachgeschoss des elterlichen Hauses, wo sich laut ersten Erkenntnissen mehrere Ampullen mit dem gefährlichen Giftstoff befanden. Das Gelände wurde großräumig abgesperrt, Spezialisten der Polizei und des Katastrophenschutzes sind vor Ort im Einsatz.
Ermittlungen wegen Kriegswaffenkontrollgesetz
Gegen den Jugendlichen wird wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ermittelt – ein Tatbestand, der in Deutschland zu den schwersten Sicherheitsvergehen zählt. Rizin gehört zu den weltweit gefährlichsten natürlichen Giften und ist als potenzieller biologischer Kampfstoff eingestuft. Schon winzige Mengen können beim Menschen tödlich wirken, es gibt kein Gegengift.
Noch ist unklar, wie der Jugendliche an die notwendigen Grundstoffe gelangte und ob er beabsichtigte, das Gift einzusetzen oder weiterzugeben. Auch ein extremistischer oder ideologischer Hintergrund der Tat wird derzeit geprüft.
Experten im Einsatz – Gefahrenlage unter Kontrolle
Spezialisten für biologische Gefahrenstoffe haben die sichergestellten Substanzen bereits untersucht. Nach Angaben des LKA ist die akute Gefahrenlage inzwischen unter Kontrolle. Das betroffene Wohngebiet wurde vorübergehend abgesperrt, die Anwohner wurden vorsorglich informiert.
Brisanz für Sicherheitsbehörden und Gesellschaft
Der Fall zeigt auf dramatische Weise, wie zugänglich gefährliches Wissen und Materialien mittlerweile sein können – selbst für Minderjährige. Er wirft auch erneut die Frage auf, wie derartige Aktivitäten frühzeitig erkannt und verhindert werden können.
Die Ermittlungen dauern an. Es ist davon auszugehen, dass neben dem LKA auch Bundesbehörden und das Bundesamt für Verfassungsschutz eingebunden werden, um mögliche weitergehende Gefährdungen auszuschließen.