TOPOS-Redaktion: Herr Reime, in der vergangenen Woche wurden mehrere Insolvenzverfahren rund um die DEGAG-Objektgesellschaften mit dem Namen „BEVO“ eröffnet. Welche Reaktionen erleben Sie in Ihrer Interessengemeinschaft?
RA Reime: Die Mitglieder unserer IG reagieren natürlich sehr aufmerksam auf solche Entwicklungen. Viele haben lange auf ein Signal gewartet, dass in diesen Fällen endlich Bewegung reinkommt. Jetzt, da Insolvenzverfahren laufen, hoffen viele darauf, dass nun auch verwertbare Masse zur Verfügung steht – sei es durch Verkäufe oder durch Verpachtung. Aber es ist komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint.
TOPOS-Redaktion: Inwiefern?
RA Reime: Die betroffenen Immobilien müssen zunächst professionell verwaltet werden. Schon allein die Verwaltungskosten liegen realistisch betrachtet bei rund 40 Euro monatlich pro Einheit – ohne Instandhaltung. Und wir wissen, dass in den vergangenen Jahren kaum in die Instandhaltung investiert wurde. Das bedeutet: Der Verwalter steht vor erheblichen Herausforderungen.
TOPOS-Redaktion: Wird das aus der Insolvenzmasse bezahlt?
RA Reime: Nein, das ist genau der Punkt. Eine Hausverwaltung wird kaum bereit sein, in finanzielle Vorleistung zu treten. Kein seriöses Unternehmen verwaltet solche Immobilien „auf Rechnung“ in der Hoffnung, irgendwann bezahlt zu werden. Hier wird Vorkasse verlangt – aus nachvollziehbaren Gründen.
TOPOS-Redaktion: Was bedeutet das konkret?
RA Reime: Wenn man überschlägt, was für die Immobilienbewirtschaftung nötig wäre, kommen wir schnell auf einen Kapitalbedarf von über zwei Millionen Euro pro Jahr – allein für Verwaltung und Grundfunktionen. Den potenziellen Mieteinnahmen stehen erhebliche Leerstände und teils desolate Zustände gegenüber. Die tatsächlichen Einnahmen sind derzeit nicht einmal zuverlässig bezifferbar.
TOPOS-Redaktion: Eine große Herausforderung für den Insolvenzverwalter?
RA Reime: Absolut. Herr Eckert aus Hannover, der mit dem Verfahren betraut wurde, steht vor einem Berg an Aufgaben. Ich bezweifle, dass ihn das Verfahren derzeit glücklich macht. Was er dringend braucht, ist ein sogenannter Massekredit – also eine Vorfinanzierung durch eine Bank, um die dringendsten Ausgaben überhaupt tätigen zu können.
TOPOS-Redaktion: Wie realistisch ist ein solcher Kredit?
RA Reime: Das hängt von vielen Faktoren ab – etwa dem Zustand der Immobilien, den realistischen Verkaufserlösen, aber auch davon, wie schnell man zahlungswillige Käufer findet. Eckert wird sicher versuchen, die Immobilien in einem geregelten Ausschreibungsverfahren zu verkaufen, um den besten Preis zu erzielen. Ein freihändiger Verkauf wäre riskant – und würde in der aktuellen Gemengelage schnell den Verdacht eines „Geschmäckles“ nach sich ziehen.
TOPOS-Redaktion: Gibt es Hinweise darauf, dass Herr Eckert selbst als Projektentwickler auftreten könnte?
RA Reime: Diese Idee halte ich für vollkommen abwegig. Seine Rolle ist klar: Er ist Insolvenzverwalter, nicht Immobilienentwickler. Er wird – da bin ich sicher – alles tun, um zügig Käufer zu finden und eine geordnete Abwicklung sicherzustellen.
TOPOS-Redaktion: Herr Reime, vielen Dank für das Gespräch.