Das Unwort des Jahres 2024 lautet „biodeutsch“. Die Jury verkündete stolz, dass dieser Begriff vor allem in den sozialen Medien verwendet wird, um rassistische und nationalistische Weltbilder zu verbreiten. Denn was könnte zeitgemäßer sein, als die Debatte über Identität und Herkunft mit einem Wort zu führen, das klingt, als würde es auf dem Wochenmarkt für regionale Äpfel beworben?
„Echt deutsch“ oder einfach echt daneben?
„Biodeutsch“ teilt die Menschen in angeblich echte und unechte Deutsche – eine charmante Rückbesinnung auf Denkmuster, die wir eigentlich für verstaubt hielten. Die Jury kritisiert diese Form des Alltags-Rassismus scharf, denn offenbar brauchen wir dringend ein Etikett, um unsere Mitmenschen zu sortieren. Vielleicht sollte man in den sozialen Medien direkt nachfragen: „Bist du biozertifiziert oder nur ein Importprodukt?“
Platz zwei: Das Heizungschaos
Doch damit nicht genug. Auf Platz zwei der Unworte schaffte es der Begriff „Heizungsverbot“. Laut der Jury diskreditiert dieses Wort die ehrbaren Klimaschutz-Maßnahmen der Politik. Schließlich wissen wir alle, dass nichts den Planeten so effizient rettet wie Vorschriften, die Chaos und Wut hervorrufen. Vielleicht sollten wir die Debatte einfach in „Heizungsoptimierung durch Verbot von Gas und Öl“ umbenennen – klingt doch gleich viel freundlicher!
Das jährliche Sprachdrama
Man fragt sich allerdings, ob die Auswahl des Unworts inzwischen mehr über die Jury selbst aussagt als über die Sprache. Die alljährliche Kür mutet an wie eine Liste der Wörter, die die Gesellschaft spalten, während die Jury versucht, die moralische Deutungshoheit zurückzuerlangen. Wenn das so weitergeht, könnte das nächste Unwort „Volksentscheider“ oder „Meinungsfreiheit“ lauten – man weiß ja nie, wohin sich die Diskussion entwickelt.
Fazit: Ein Spiegel der Gesellschaft – oder der Jury?
Ob „biodeutsch“ oder „Heizungsverbot“: Die Wahl der Unwörter zeigt, dass Sprache immer noch ein Spiegel gesellschaftlicher Konflikte ist. Doch manchmal fragt man sich, ob wir uns mehr über die Begriffe oder über deren Bedeutung aufregen sollten. Vielleicht wäre es an der Zeit, das nächste Unwort des Jahres direkt als „Sprachpessimismus“ zu küren – das würde doch irgendwie passen.