Start Politik Deutschland Wasserwirtschaft kritisiert Verzögerungen beim Düngegesetz: EU-Nitratverordnung weiterhin nicht umgesetzt

Wasserwirtschaft kritisiert Verzögerungen beim Düngegesetz: EU-Nitratverordnung weiterhin nicht umgesetzt

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thommas68 (CC0), Pixabay

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat die jüngste Entscheidung des Bundesrates, das neue Düngegesetz abzulehnen, scharf kritisiert. Hauptgeschäftsführer Martin Weyand äußerte gegenüber MDR AKTUELL seine Enttäuschung und Frustration über die langwierige Problematik. „Seit mehr als 30 Jahren versucht Deutschland, die EU-Nitratverordnung umzusetzen. Es war genügend Zeit, um Lösungen zu finden“, betonte Weyand.

Trotz jahrzehntelanger Bemühungen überschreiten immer noch rund ein Viertel der deutschen Grundwässer die zulässigen Nitratwerte. Diese alarmierende Tatsache unterstreicht die Dringlichkeit, Düngemaßnahmen nachhaltig zu reduzieren und effektive Schritte zur Verbesserung der Wasserqualität zu unternehmen. Der BDEW-Hauptgeschäftsführer betonte, dass nur durch eine deutliche Reduzierung der Düngemittelverwendung langfristig eine Verbesserung der Grundwasserqualität erreicht werden könne.

Das vom Bundestag beschlossene Gesetz sah vor, dass mehr landwirtschaftliche Betriebe ihre Düngeeinträge detailliert dokumentieren sollten. Diese Maßnahme sollte dazu beitragen, eine bessere Kontrolle und Nachvollziehbarkeit der Düngemittelverwendung zu gewährleisten und somit die Belastung der Grundwässer mit Nitraten zu reduzieren. Doch die Bundesländer lehnten das Gesetz mit der Begründung ab, es verursache unnötige Bürokratie und stelle eine zusätzliche Belastung für die Landwirte dar.

Diese Entscheidung stößt bei Umwelt- und Wasserwirtschaftsverbänden auf Unverständnis und Kritik. Sie argumentieren, dass der Schutz der Wasserressourcen oberste Priorität haben müsse und die zusätzliche Dokumentation ein notwendiger Schritt zur Einhaltung der EU-Nitratverordnung sei. Weyand betonte, dass es ohne solche Maßnahmen nahezu unmöglich sei, die Nitratbelastung in den Griff zu bekommen und die Qualität des Grundwassers nachhaltig zu verbessern.

Die anhaltende Überschreitung der Nitratwerte hat nicht nur ökologische, sondern auch gesundheitliche Folgen. Hohe Nitratkonzentrationen im Trinkwasser können zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern. Dies macht die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Reduzierung der Nitratbelastung umso dringlicher.

Der BDEW fordert die Politik auf, die Blockadehaltung aufzugeben und konstruktive Lösungen zu finden, die sowohl den Schutz der Umwelt als auch die Belange der Landwirte berücksichtigen. „Es ist höchste Zeit, dass wir gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um unsere Wasserressourcen zu schützen und die EU-Nitratverordnung endlich vollständig umzusetzen“, appellierte Weyand abschließend.

Die Diskussion um das Düngegesetz und die Umsetzung der EU-Nitratverordnung wird in den kommenden Monaten sicherlich weitergehen. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen auf Bundes- und Länderebene bald zu einer Einigung kommen, die den Schutz der Umwelt und der Wasserressourcen sicherstellt, ohne die landwirtschaftlichen Betriebe unverhältnismäßig zu belasten.

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