Dark Mode Light Mode

Bethmann HAL Classic Quality Growth XT: Starkes Jahr, aber die Rendite kam fast nur aus Kursgewinnen

Die Hauck & Aufhäuser Fund Services S.A. mit Sitz in Munsbach legt mit diesem Bericht als Verwaltungsgesellschaft des Fonds Bethmann HAL Classic Quality Growth XT einen Jahresabschluss vor, der für Anleger vor allem eines zeigt: Das Aktien- und Mischportfolio hat im Geschäftsjahr deutlich zugelegt. Gleichzeitig bleibt der Fonds ein Produkt mit spürbaren Markt-, Währungs- und Zielfondsrisiken sowie Kosten, die trotz überschaubarer laufender Gebühren in einem Jahr mit solidem Ertrag relativ gut zu den laufenden Erträgen passen.

Aus Anlegersicht wichtig ist auch die organisatorische Neuordnung im Berichtsjahr: Bis 14. Juni 2026 war Lampe Asset Management GmbH aus Düsseldorf Fondsmanager; seit 15. Juni 2026 übernimmt die ABN AMRO Bank N.V. Frankfurt Branch aus Frankfurt am Main die Funktion als Vertriebsstelle und Anlageberater. Die Verwahrstelle wechselte ebenfalls im Juni 2026 auf die ABN AMRO Bank N.V. Frankfurt Branch. Der Bericht wurde zum Stichtag 30. Juni 2026 erstellt und am 22. Oktober 2026 veröffentlicht.

Vermögen und Wertentwicklung

Das Fondsvermögen stieg im Geschäftsjahr von 7,63 Mio. Euro auf 10,52 Mio. Euro. Der Anteilwert der Anteilklasse XT erhöhte sich von 101,67 Euro auf 118,11 Euro; damit erreichte der Fonds auf Jahressicht eine Wertentwicklung von 16,17 Prozent. Dass das Vermögen stärker als der reine Marktgewinn zunahm, liegt auch an Nettozuflüssen von 1,39 Mio. Euro. Zusätzlich kamen 31.317 Euro aus dem Ertrags- und Aufwandsausgleich hinzu. Für Anleger ist das ein Hinweis auf wachsende Nachfrage und eine höhere Größe des Fonds, was die handelbare Breite verbessert, aber nicht automatisch das Risiko senkt.

Das Ergebnis des Geschäftsjahres belief sich auf 1,46 Mio. Euro. Der wesentliche Treiber war dabei nicht der laufende Ertrag, sondern die Bewertung der Positionen: Der ordentliche Nettoertrag betrug 67.372 Euro, das Veräußerungsergebnis war mit minus 19.001 Euro leicht negativ, und die nicht realisierten Gewinne legten um 1,37 Mio. Euro zu. Die Wertentwicklung beruhte also vor allem auf Kurs- und Bewertungsgewinnen der gehaltenen Anlagen. Für Anleger bedeutet das: Der gute Jahreserfolg war vor allem marktabhängig und weniger von stetigen laufenden Ausschüttungserträgen getragen.

Kosten

Die laufenden Kosten sind mit einer Gesamtkostenquote von 0,38 Prozent moderat. In der Gewinn- und Verlustrechnung standen Erträge von 97.905 Euro Aufwendungen von 30.533 Euro gegenüber. Der ordentliche Nettoertrag überstieg die laufenden Kosten damit deutlich, was positiv ist. Auf Einzelposten entfielen 5.826 Euro auf die Verwaltungsvergütung, 3.992 Euro auf die Verwahrstellenvergütung sowie 16.469 Euro auf Prüfungs- und Veröffentlichungskosten. Weitere 3.958 Euro entfielen auf sonstige Aufwendungen, darunter 2.079 Euro Depotgebühren und 1.237 Euro Gebühren für Aufsichtsbehörden.

Aus Anlegersicht auffällig ist, dass der Fonds trotz der überschaubaren Gesamtkostenquote im Verhältnis zum Ergebnis nicht extrem kostenschwach aufgestellt ist: Die laufenden Aufwendungen zehren einen merklichen Teil der Erträge auf, werden aber durch Dividenden, Zinsen und Erträge aus Zielfonds derzeit noch klar gedeckt. Eine Anlageberatungsvergütung fällt laut Bericht nicht an; ebenso gibt es keine Performance Fee. Die Transaktionskosten lagen bei 16.009 Euro und damit zusätzlich über den laufenden Fondskosten, auch wenn sie nicht in der Gesamtkostenquote enthalten sind.

Portfolio und größte Positionen

Das Portfolio ist klar aktienorientiert, aber nicht reinrassig. Zum 30. Juni 2026 entfielen 54,88 Prozent des Fondsvermögens auf Aktien, 31,41 Prozent auf Investmentanteile, 6,98 Prozent auf Zertifikate und 6,33 Prozent auf Anleihen; Bankguthaben machten nur 0,41 Prozent aus. Damit ist der Fonds zwar breit über mehrere Anlageklassen aufgestellt, bleibt aber in seiner Gesamtwirkung deutlich vom Aktienmarkt geprägt. Der Liquiditätspuffer ist sehr klein, was die Renditechancen erhöht, aber bei stärkeren Mittelabflüssen die Flexibilität einschränken kann.

Regional dominieren vor allem die USA und Europa, ergänzt um kleinere Positionen in Deutschland, Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Spanien, der Schweiz und weiteren Märkten. Unter den größten Einzelpositionen finden sich vor allem Index- und Themenbausteine sowie liquide Aktienwerte: Xtr.(IE) – MSCI USA mit 12,58 Prozent, DWS ESG Euro Money Market Fund mit 6,51 Prozent, iShares Core MSCI Europe U. ETF mit 4,40 Prozent, Boerse Stuttgart Commodities EUWAX Gold II mit 3,67 Prozent und Microsoft mit 3,51 Prozent des Fondsvermögens. Daneben gehören unter anderem NVIDIA, ASML, Alphabet, Amazon, Apple und Broadcom zu den größeren Aktienpositionen. Das spricht für einen qualitäts- und wachstumsorientierten, aber über Zielfonds und Einzelaktien recht konzentrierten Ansatz.

Die strategische Zielstruktur sieht 75 Prozent Aktien, 12,5 Prozent Renten, 7,5 Prozent Gold und 5 Prozent Cash vor. Im Berichtsjahr wurden Aktien gegenüber Renten und Liquidität im Durchschnitt übergewichtet; regional wechselte die Gewichtung zwischen Nordamerika und Europa. Gold blieb nahe der Zielquote. Aus Anlegersicht ist diese aktive Allokation ein wesentliches Renditeelement, erhöht aber auch das Timing-Risiko, falls regionale Schwerpunkte oder Faktorwetten nicht aufgehen.

Risiken und Auffälligkeiten

Der Bericht nennt die üblichen, für den Fonds aber real relevanten Risiken: Aktienkursschwankungen, Zinsänderungsrisiken bei Anleihen, Währungsrisiken, Emittenten- und Kontrahentenrisiken, Liquiditätsrisiken sowie Risiken aus Zielfonds und Zertifikaten. Hinzu kommen Nachhaltigkeitsrisiken, obwohl der Fonds keine ökologischen oder sozialen Merkmale bewirbt und keine bindenden ESG-Kriterien verfolgt. Besonders relevant für Anleger ist außerdem, dass der Fonds 31,41 Prozent in Investmentanteilen hält. Dadurch hängt ein Teil des Ergebnisses von der Entwicklung und dem Management anderer Fonds ab, die der Fonds selbst nur begrenzt steuern kann.

Im Berichtsjahr gab es zudem organisatorische Veränderungen: Namensänderungen des Fonds, Anpassungen des Verkaufsprospekts und der Anlagebedingungen sowie den Wechsel im Fondsmanagement und bei der Vertriebsstelle. Solche Änderungen sind nicht automatisch negativ, erhöhen aber den Erklärungsbedarf für Anleger, weil sie auf eine neue Struktur im Hintergrund hindeuten. Auffällig ist außerdem, dass das Veräußerungsergebnis mit minus 19.001 Euro leicht negativ ausfiel. Das zeigt, dass nicht jede umgesetzte Umschichtung im Jahr zum Gewinn beitrug.

Fazit für Anleger

Für Anleger fällt der Bericht insgesamt freundlich aus: Der Fonds hat mit 16,17 Prozent eine klare positive Wertentwicklung erzielt, das Vermögen ist gewachsen und die laufenden Kosten bleiben mit 0,38 Prozent im Rahmen. Gleichzeitig ist das Ergebnis stark von Marktbewegungen abhängig, und das Portfolio bleibt wegen des hohen Aktien- und Zielfondsanteils anfällig für Kursausschläge. Das Ausschüttungskonzept ist thesaurierend; die Wiederanlage des realisierten Ergebnisses beträgt 48.371 Euro beziehungsweise 0,54 Euro je Anteil. Der unabhängige Abschlussprüfer bestätigt, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den Vorschriften des KAGB entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse und Entwicklungen des Fonds vermittelt.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Bethmann HAL Stiftungsfonds: Gute Jahresperformance trotz deutlicher Mittelabflüsse und kleinerem Fondsvolumen

Next Post

Starker Wertzuwachs, aber 98 Prozent im Portfolio investiert: Der Mischfonds lebt von Aktien und Fondsbausteinen, nicht von laufenden Erträgen