Die aktuellen Rechnungen vieler Heizölkunden zeigen, welche Dimension die Preisentwicklung inzwischen erreicht hat. Für eine größere Lieferung werden schnell mehr als 2.000 Euro fällig.
Besonders bitter: Wer bereits vor einigen Wochen bestellt hat, konnte sich teilweise noch günstigere Konditionen sichern. Inzwischen werden regional Preise von rund 1,80 Euro je Liter aufgerufen.
Noch im Juni und Juli lag Heizöl teilweise bei etwa 1,08 Euro je Liter.
Das entspricht innerhalb weniger Monate einem Anstieg von rund 67 Prozent.
Für Haushalte, die ihren Tank vor dem Winter vollständig auffüllen müssen, bedeutet das eine erhebliche zusätzliche Belastung.
3.000 Liter können mehr als 5.000 Euro kosten
Besonders deutlich wird die Entwicklung bei einer größeren Tankfüllung.
Bei einem angenommenen Preis von 1,80 Euro kosten 1.000 Liter bereits 1.800 Euro.
Für 2.000 Liter werden 3.600 Euro fällig, bei 3.000 Litern sind es sogar 5.400 Euro.
Zum Vergleich: Bei einem Literpreis von 1,08 Euro hätten 3.000 Liter lediglich 3.240 Euro gekostet.
Der Unterschied beträgt damit 2.160 Euro – für exakt dieselbe Menge Heizöl.
Allein der Zeitpunkt der Bestellung kann für einen Haushalt somit einen Unterschied von mehreren Tausend Euro ausmachen.
Viele haben auf niedrigere Preise gewartet
Genau das ärgert derzeit zahlreiche Verbraucher.
Im Sommer erschien es durchaus nachvollziehbar, mit der Bestellung noch etwas zu warten. Wer im Juni oder Juli Preise um 1,08 Euro sah, konnte darauf spekulieren, dass Heizöl noch günstiger werden würde.
Im Nachhinein erwies sich diese Hoffnung als teuer.
Manche Verbraucher bestellen deshalb inzwischen nur kleinere Mengen. Sie kaufen gerade genug Heizöl, um zunächst sicher durch die kalten Monate zu kommen, und hoffen darauf, später günstiger nachbestellen zu können.
Doch der Blick auf die verpassten Sommerpreise hilft bei der heutigen Entscheidung nur begrenzt.
Denn entscheidend ist nicht, ob Heizöl im Juli günstiger war.
Die entscheidende Frage lautet: Wie entwickelt sich der Preis von heute an weiter?
Darauf gibt es keine verlässliche Antwort.
Warum Heizöl derzeit so teuer ist
Der Heizölpreis hängt wesentlich von der Entwicklung an den internationalen Energiemärkten ab.
Steigt der Rohölpreis, wirkt sich dies in der Regel auch auf Heizöl und Kraftstoffe aus. Hinzu kommen Wechselkursbewegungen, Raffineriekosten, Transportkosten, Steuern und regionale Preisunterschiede.
Dadurch können Heizölpreise innerhalb relativ kurzer Zeit erheblich schwanken.
Für Verbraucher entsteht eine unangenehme Situation: Niemand weiß beim Kauf, ob er gerade zu einem außergewöhnlich hohen Preis bestellt oder ob Heizöl einige Wochen später noch teurer sein wird.
Wer wartet, übernimmt deshalb bewusst ein Preisrisiko.
Der Tankstand ist wichtiger als die Preisprognose
Eine vernünftige Entscheidung sollte deshalb weniger von kurzfristigen Preisprognosen als vom eigenen Heizölvorrat abhängen.
Wer nicht sicher ist, mit seinem vorhandenen Vorrat durch den Winter zu kommen, sollte nicht unbegrenzt auf niedrigere Preise spekulieren.
Wer dagegen genügend Heizöl besitzt, um sicher durch die Heizperiode zu kommen, hat wesentlich mehr Spielraum und kann zunächst abwarten.
Das ist letztlich keine Prognose über den Ölpreis, sondern Risikomanagement.
Und genau so sollte die Entscheidung betrachtet werden.
Wer fast leer ist, hat kaum Spielraum
Ein Haushalt mit einem nahezu leeren Tank befindet sich in einer völlig anderen Situation als jemand, dessen Tank noch zur Hälfte oder zu zwei Dritteln gefüllt ist.
Wer nur noch wenige hundert Liter besitzt, kann sich einen langen Preisvergleich kaum leisten. Gleichzeitig besteht das Risiko, mitten im Winter Heizöl kaufen zu müssen.
Dann entscheidet nicht mehr der attraktive Preis über den Kaufzeitpunkt, sondern die Notwendigkeit.
Wer dagegen beispielsweise noch genügend Heizöl bis zum Frühjahr besitzt, kann Preisbewegungen wesentlich entspannter beobachten.
Deshalb gibt es keinen optimalen Kaufzeitpunkt, der für alle Haushalte gleichermaßen gilt.
Teilbestellung kann ein Mittelweg sein
Eine mögliche Strategie besteht darin, zunächst nur einen Teil des benötigten Heizöls zu kaufen.
Angenommen, ein Haushalt benötigt bis zum Ende des Winters voraussichtlich weitere 2.000 Liter.
Statt sofort die komplette Menge zum aktuellen Preis zu bestellen, könnte zunächst eine ausreichende Sicherheitsreserve gekauft werden.
Fällt der Preis später, kann der restliche Bedarf günstiger gedeckt werden.
Steigt der Preis dagegen weiter, wurde zumindest ein Teil des Winterbedarfs bereits abgesichert.
Diese Strategie beseitigt das Preisrisiko nicht. Sie verteilt es lediglich auf mehrere Kaufzeitpunkte.
Dabei sollte allerdings berücksichtigt werden, dass kleinere Liefermengen je Liter häufig teurer sind. Auch Lieferkosten und Mengenstaffeln können den vermeintlichen Vorteil einer kleinen Bestellung wieder reduzieren.
Nicht auf den perfekten Tiefpunkt spekulieren
Ein häufiger Fehler besteht darin, unbedingt den niedrigsten Heizölpreis erwischen zu wollen.
Das gelingt praktisch nur zufällig.
Selbst professionelle Marktteilnehmer können kurzfristige Ölpreisbewegungen nicht zuverlässig vorhersehen. Für einen privaten Haushalt ist der Versuch, exakt am Tiefpunkt zu bestellen, deshalb kaum eine belastbare Strategie.
Viel wichtiger ist die Frage, welches Preisrisiko der Haushalt verkraften kann.
Wer genügend Vorrat besitzt, kann warten.
Wer zwingend Heizöl benötigt, sollte dagegen bedenken, dass ein weiterer Preisanstieg finanziell möglicherweise schwerer wiegt als die verpasste Chance auf einen späteren Preisrückgang.
Besonders teuer wird schlechte Dämmung
Die hohen Heizölpreise machen gleichzeitig ein grundsätzliches Problem vieler älterer Gebäude sichtbar.
Ein schlecht gedämmtes Haus benötigt erheblich mehr Heizenergie als ein energetisch modernisiertes Gebäude.
Bei niedrigen Energiepreisen fällt dieser Unterschied auf der Jahresrechnung weniger dramatisch aus. Bei 1,80 Euro je Liter wird dagegen jeder zusätzliche Liter teuer.
Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von beispielsweise 3.000 Litern kommt bei diesem Preis allein für das Heizöl rechnerisch auf 5.400 Euro.
Bei 2.000 Litern wären es 3.600 Euro.
Eine Verringerung des Verbrauchs um 500 Liter entspräche bei einem Preis von 1,80 Euro bereits einer Ersparnis von 900 Euro pro Jahr.
Damit verändert ein hoher Energiepreis auch die Wirtschaftlichkeit von Dämmmaßnahmen, neuen Fenstern oder einer effizienteren Heizungsanlage.
Schon zehn Prozent weniger Verbrauch machen einen Unterschied
Nicht jeder Hauseigentümer kann kurzfristig eine umfassende energetische Sanierung durchführen.
Trotzdem können bei hohen Heizölpreisen bereits kleinere Verbrauchsreduzierungen spürbare finanzielle Auswirkungen haben.
Wer normalerweise 2.500 Liter pro Jahr verbraucht und seinen Verbrauch um zehn Prozent reduziert, spart 250 Liter.
Bei 1,80 Euro je Liter entspricht das 450 Euro im Jahr.
Damit gewinnt eine einfache Erkenntnis wieder an Bedeutung: Der günstigste Liter Heizöl ist derjenige, der gar nicht erst verbraucht wird.
Beim Sparen sollte allerdings mit Augenmaß vorgegangen werden. Dauerhaft sehr niedrige Raumtemperaturen können insbesondere in älteren oder schlecht gedämmten Gebäuden Feuchtigkeits- und Schimmelprobleme begünstigen.
Warten ist ebenfalls eine Spekulation
Die aktuelle Situation lässt sich auch wirtschaftlich betrachten.
Wer heute seinen gesamten Tank füllt und der Preis anschließend deutlich fällt, hat rückblickend zu teuer gekauft.
Das ist ärgerlich, aber die Versorgung für den Winter ist gesichert.
Wer dagegen nicht kauft und der Preis weiter stark steigt, muss später möglicherweise noch wesentlich teurer bestellen.
Bei geringen Vorräten kommt ein weiteres Risiko hinzu: Irgendwann besteht keine freie Wahl mehr, wann gekauft wird.
Je leerer der Tank wird, desto stärker verschiebt sich die Entscheidung deshalb von einer Preisspekulation hin zur Versorgungssicherheit.
Was Haushalte jetzt zuerst prüfen sollten
Bevor Verbraucher bestellen oder weiter warten, sollten sie zunächst ihren tatsächlichen Vorrat ermitteln.
Entscheidend sind drei Größen: Tankfüllstand, durchschnittlicher Jahresverbrauch und typischer Verbrauch während der Wintermonate.
Daraus lässt sich zumindest überschlägig berechnen, wie lange der vorhandene Vorrat noch reicht.
Wer beispielsweise noch 1.500 Liter besitzt und während des gesamten Winters normalerweise etwa 1.200 Liter benötigt, befindet sich in einer komfortableren Situation als ein Haushalt mit nur noch 500 Litern.
Erst danach sollte die Frage nach dem optimalen Preis kommen.