Die Windpark Gerdau-Schwienau GmbH & Co. KG weist für 2025 einen Jahresüberschuss von rund 236.096 Euro aus. Das Eigenkapital ist wieder positiv, die Bankguthaben steigen und die Verbindlichkeiten gehen deutlich zurück. Diese Verbesserungen verdienen Anerkennung. Aus Anlegersicht bleibt dennoch ein wesentlicher Vorbehalt: Der Gewinn wird maßgeblich durch einen außergewöhnlichen Ertrag geprägt. Zugleich dokumentiert der Abschluss hohe aufgelaufene Verluste und eine nahezu vollständig abgeschriebene Beteiligung.
Die Gesellschafter haben laut Anhang 9,5 Millionen Euro Kommanditkapital und eine Rücklage von 475.000 Euro geleistet. Insgesamt stehen damit Einzahlungen von 9,975 Millionen Euro in der Kapitalentwicklung. Zum Jahresende 2025 verbleiben davon bilanziell lediglich 86.222,69 Euro positives Kommanditkapital. Das entspricht rund 0,86 Prozent der ursprünglich geleisteten Mittel.
Diese Gegenüberstellung beschreibt die handelsrechtliche Kapitalentwicklung, nicht einen abschließend feststehenden wirtschaftlichen Verlust oder den aktuellen Marktwert der Beteiligung. Sie zeigt aber, wie stark das eingezahlte Kapital durch die bisherigen Ergebnisse und Auszahlungen aufgezehrt wurde. Die aufgelaufenen Verluste betragen rund 9,54 Millionen Euro. Hinzu kommen kumulierte Auszahlungen an die Gesellschafter von rund 347.989 Euro.
Bei diesen Auszahlungen handelt es sich nach dem Anhang um Einlagenrückgewährungen. Sie sollten deshalb nicht pauschal als erwirtschaftete Rendite verstanden werden. Der Betrag bleibt gegenüber dem Vorjahr unverändert; zusätzliche Auszahlungen im Jahr 2025 sind in dieser Aufstellung nicht erkennbar.
Positiv ist, dass der zuvor ausgewiesene ungedeckte Verlustanteil verschwindet. Ende 2024 betrug dieser noch rund 149.874 Euro. Durch den Jahresüberschuss 2025 verbessert sich die Kapitalposition um 236.096,45 Euro auf die nun ausgewiesenen 86.222,69 Euro. Der Gewinn wurde laut Abschluss den Ergebnissonderkonten der Kommanditisten zugeschrieben. Eine Ergebnisgutschrift ist jedoch keine Auszahlung auf das Bankkonto der Anleger.
Für die Bewertung dieses Gewinns ist seine Zusammensetzung entscheidend. Der Anhang nennt einen außergewöhnlichen Ertrag von 240.252,83 Euro aus der Herabsetzung einer Einzelwertberichtigung. Dieser Betrag übersteigt sogar den gesamten Jahresüberschuss.
Eine verringerte Wertberichtigung kann auf eine verbesserte Einschätzung der Werthaltigkeit eines Vermögenswerts zurückgehen. Sie ist aber nicht ohne Weiteres mit laufenden Einnahmen aus dem Windparkbetrieb gleichzusetzen und muss auch nicht im selben Umfang einen Zahlungszufluss ausgelöst haben. Welcher Vermögenswert betroffen ist, weshalb die Bewertung geändert wurde und ob sich der Effekt wiederholen kann, erläutert der bereitgestellte Anhang nicht.
Rein rechnerisch liegt der Jahresüberschuss um rund 4.156 Euro unter diesem außergewöhnlichen Ertrag. Daraus lässt sich ohne vollständige Gewinn- und Verlustrechnung und Berücksichtigung möglicher Steuerwirkungen kein belastbares bereinigtes Jahresergebnis ableiten. Die Größenordnung zeigt jedoch, dass der ausgewiesene Gewinn allein keinen Nachweis einer nachhaltig verbesserten Ertragskraft liefert.
Auch die Struktur der Gesellschaft ist für Anleger wichtig. Die Bilanz enthält keine eigenen Windenergieanlagen. Das Anlagevermögen besteht ausschließlich aus einer Beteiligung an einem verbundenen Unternehmen, die unverändert mit einem Euro angesetzt ist. Laut Anhang hält die Gesellschaft sämtliche Kommanditanteile der Windpark Pülfringen GmbH & Co. KG.
Die Anschaffungskosten dieser Beteiligung betragen 3,4 Millionen Euro. Davon sind 3.399.999 Euro abgeschrieben. Die Beteiligung ist damit bilanziell nahezu vollständig wertberichtigt. Der Buchwert von einem Euro bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Beteiligung wirtschaftlich keinerlei Wert mehr besitzt. Er dokumentiert eine erhebliche frühere Wertminderung, deren Gründe und weitere Entwicklung für Anleger wesentlich sind.
Die Windpark Pülfringen GmbH & Co. KG erzielte nach den Angaben im Anhang 2025 einen Jahresüberschuss von rund 269.000 Euro. Gleichzeitig weist sie einen nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil beziehungsweise Entnahmen des Kommanditisten von rund 2,274 Millionen Euro aus. Auch auf dieser Ebene stehen einem positiven Jahresergebnis somit erhebliche bilanzielle Altbelastungen gegenüber. Der Gewinn ist ein günstiges Signal, beseitigt diese Belastungen aber nicht.
Erfreulich entwickelt sich die Liquidität der Windpark Gerdau-Schwienau. Das Bankguthaben steigt von rund 227.874 Euro auf 317.695 Euro, ein Zuwachs um etwa 39,4 Prozent. Gleichzeitig sinken die Verbindlichkeiten von rund 367.999 Euro auf 218.114 Euro und damit um etwa 40,7 Prozent.
Nahezu sämtliche verbleibenden Verbindlichkeiten bestehen gegenüber verbundenen Unternehmen. Laut Anhang stammen sie vollständig aus dem Liefer- und Leistungsverkehr und haben eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr. Sie dürfen deshalb nicht ohne weitere Angaben als Bankkredite oder Gesellschafterdarlehen bezeichnet werden. Die übrigen Verbindlichkeiten betragen lediglich 205,77 Euro und sind kurzfristig.
Zum Bilanzstichtag übersteigt das Bankguthaben sowohl die gesamten Verbindlichkeiten als auch deren Summe mit den Rückstellungen. Das ist ein positiver Befund. Ob und in welchem Umfang Mittel für Ausschüttungen verfügbar sind, hängt dennoch von weiteren Verpflichtungen, vertraglichen Regelungen und der künftigen Entwicklung ab. Eine Kapitalflussrechnung, die den Liquiditätsaufbau und den Schuldenrückgang erklärt, ist in den bereitgestellten Unterlagen nicht enthalten.
Die rechnerische Eigenkapitalquote beträgt inzwischen rund 27,1 Prozent. Diese Quote wirkt deutlich günstiger als im Vorjahr. Sie bezieht sich allerdings auf die kleine verbliebene Bilanzsumme von rund 317.696 Euro. Bezogen auf die ursprünglich eingezahlten knapp zehn Millionen Euro bleibt das bilanzielle Restkapital sehr gering.
Der Jahresabschluss zeigt somit eine Verbesserung gegenüber 2024, aber noch keinen belegten nachhaltigen wirtschaftlichen Neustart. Für Anleger sind vor allem die außergewöhnliche Wertberichtigung, die Perspektive der Beteiligung an Windpark Pülfringen und die künftigen Zahlungszuflüsse entscheidend. Erst wenn diese Punkte nachvollziehbar erläutert werden, lässt sich beurteilen, ob aus dem bilanziellen Plus auch eine dauerhafte Erholung und eine realistische Aussicht auf weitere Auszahlungen entstehen können.