Die Bilanzsumme der in Gladbeck ansässigen SL Windpark Rheurdt GmbH & Co. KG sank zum 31. Dezember 2024 leicht von 3,769 Millionen Euro auf 3,666 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von rund 102.267 Euro beziehungsweise 2,7 Prozent.
Wesentlich interessanter als die überschaubare Veränderung der Bilanzsumme ist allerdings die Struktur dahinter.
2,19 Millionen Euro liquide Mittel
Eine der auffälligsten Positionen ist das Bankguthaben.
Zum Jahresende verfügte die Gesellschaft über 2.190.109,05 Euro an Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten. Ende 2023 waren es 2.230.620,75 Euro.
Damit gingen die liquiden Mittel lediglich um rund 40.512 Euro beziehungsweise 1,8 Prozent zurück.
Gemessen an der Bilanzsumme machen die liquiden Mittel rechnerisch knapp 59,7 Prozent aus.
Für Anleger ist eine derart hohe Liquiditätsposition grundsätzlich bemerkenswert. Was sich aus der Bilanz allein allerdings nicht erkennen lässt: In welchem Umfang diese Mittel frei verfügbar sind oder für zukünftige Verpflichtungen, Investitionen oder andere Zwecke benötigt werden.
Forderungen steigen um 78 Prozent
Während die Liquidität weitgehend stabil blieb, entwickelten sich die Forderungen deutlich dynamischer.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände erhöhten sich von 231.746,13 Euro auf 412.609,24 Euro.
Das ist ein Anstieg um rund 180.863 Euro beziehungsweise 78 Prozent.
Davon entfallen lediglich 1.980 Euro auf Forderungen gegen Gesellschafter.
Warum die Forderungsposition innerhalb eines Jahres so deutlich gestiegen ist und aus welchen einzelnen Forderungen sie besteht, wird in den vorliegenden Angaben nicht erläutert.
Für eine Anlegeranalyse wäre gerade diese Information interessant. Ein Anstieg von Forderungen ist nicht automatisch problematisch, kann aber je nach Ursache unterschiedliche wirtschaftliche Bedeutung haben.
Sachanlagevermögen sinkt auf 1,06 Millionen Euro
Das Sachanlagevermögen reduzierte sich von 1.255.691,50 Euro auf 1.063.736,50 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um 191.955 Euro beziehungsweise rund 15,3 Prozent.
Der Anhang erläutert, dass Sachanlagen zu Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten abzüglich planmäßiger Abschreibungen bilanziert und grundsätzlich linear abgeschrieben werden.
Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass der gesamte Rückgang ausschließlich auf Abschreibungen zurückzuführen ist. Ein Anlagenspiegel oder eine nähere Aufschlüsselung der Veränderung ist in den vorliegenden Angaben nicht enthalten.
Der bilanzielle Buchwert sagt außerdem nicht unmittelbar etwas über den Marktwert oder den technischen Zustand der Windenergieanlagen aus.
Eigenkapital steigt auf 1,63 Millionen Euro
Positiv fällt zunächst die Entwicklung des ausgewiesenen Eigenkapitals auf.
Dieses erhöhte sich von 1.368.811,67 Euro auf 1.630.130,56 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs um rund 261.319 Euro beziehungsweise 19,1 Prozent.
Die rechnerische Eigenkapitalquote steigt damit von rund 36,3 Prozent auf 44,5 Prozent.
Das ist eine deutliche Veränderung der Bilanzstruktur.
Allerdings sollte auch hier nicht mehr aus den Zahlen herausgelesen werden, als der Abschluss tatsächlich hergibt. Das Eigenkapital besteht aus Kapitalanteilen der Kommanditisten. Weshalb sich diese um rund 261.000 Euro erhöht haben, wird in den vorliegenden Unterlagen nicht näher erläutert.
Null Euro Bilanzgewinn bedeutet nicht null Euro Jahresergebnis
Bemerkenswert ist außerdem, dass sowohl 2023 als auch 2024 ein Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust von 0 Euro ausgewiesen wird.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Gesellschaft 2024 exakt ein ausgeglichenes Jahresergebnis erzielt hat.
Die vorgelegten Angaben enthalten keine Gewinn- und Verlustrechnung. Deshalb lassen sich weder Umsatzerlöse noch operative Aufwendungen oder ein konkreter Jahresüberschuss beziehungsweise Jahresfehlbetrag nachvollziehen.
Gerade aus Anlegersicht ist das eine erhebliche Informationslücke.
Eine Bilanz kann zeigen, wie Vermögen und Finanzierung zu einem bestimmten Stichtag strukturiert sind. Sie beantwortet aber nicht automatisch die Frage, wie profitabel ein Windpark im betreffenden Geschäftsjahr gearbeitet hat.
Verbindlichkeiten gehen um rund 166.500 Euro zurück
Auf der Fremdkapitalseite zeigt sich zunächst eine positive Entwicklung.
Die Verbindlichkeiten reduzierten sich von 1.403.161,30 Euro auf 1.236.650,29 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 166.511 Euro beziehungsweise 11,9 Prozent.
Nach Angaben im Anhang entfallen rund 362.700 Euro auf Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr.
Weitere 874.000 Euro haben eine Laufzeit von mehr als einem Jahr. Davon wiederum entfallen 138.000 Euro auf Laufzeiten von mehr als fünf Jahren.
Damit ist der überwiegende Teil der bilanzierten Verbindlichkeiten nicht kurzfristig fällig.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern reduzierten sich ebenfalls, und zwar von 27.030 Euro auf 21.150 Euro.
Windenergieanlagen dienen als Sicherheit
Für Anleger interessant ist zudem die Besicherung der Finanzierung.
Nach Angaben des Anhangs wurden die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten durch Forderungsabtretungen und Sicherungsübereignung der Windenergieanlagen besichert.
Die Windenergieanlagen dienen damit im Rahmen der Finanzierung als Sicherheiten.
Welche Höhe die konkret gegenüber Kreditinstituten bestehenden Verbindlichkeiten zum Bilanzstichtag hatten, lässt sich aus den vorliegenden Angaben allerdings nicht gesondert ablesen.
Rückstellungen sinken um fast 200.000 Euro
Die Rückstellungen reduzierten sich ebenfalls deutlich.
Ende 2023 standen noch 996.748,35 Euro in der Bilanz. Ein Jahr später waren es 799.673,94 Euro.
Der Rückgang beträgt damit rund 197.074 Euro beziehungsweise 19,8 Prozent.
Welche konkreten Sachverhalte hinter den knapp 800.000 Euro Rückstellungen stehen, wird nicht näher aufgeschlüsselt.
Gerade angesichts ihrer Größenordnung wäre eine detailliertere Erläuterung für eine wirtschaftliche Bewertung hilfreich.
Weitere Verpflichtungen von 1,53 Millionen Euro
Neben den bilanzierten Verbindlichkeiten bestehen zusätzliche sonstige finanzielle Verpflichtungen.
Die Gesellschaft nennt hierfür zum 31. Dezember 2024 insgesamt 1,533 Millionen Euro.
Diese resultieren aus langfristig abgeschlossenen Pachtverträgen, Verträgen über die kaufmännische Betriebsführung, EPK-Verträgen sowie Zinsverpflichtungen für Darlehen.
Die Restlaufzeiten reichen nach Angaben der Gesellschaft bis längstens 2035.
Wichtig ist die Abgrenzung: Diese 1,533 Millionen Euro dürfen nicht einfach zu den bilanzierten Verbindlichkeiten von 1,237 Millionen Euro addiert und als „Gesamtschulden“ bezeichnet werden.
Es handelt sich um gesondert ausgewiesene finanzielle Verpflichtungen aus langfristigen Vertragsverhältnissen.
Für Anleger sind sie dennoch relevant, weil daraus zukünftige Zahlungsverpflichtungen entstehen.
Bilanz wirkt stabiler – Ertragskraft bleibt die große Unbekannte
Unter dem Strich zeigt der Jahresabschluss mehrere aus bilanzieller Sicht günstige Entwicklungen.
Das Eigenkapital steigt um rund 19 Prozent, die rechnerische Eigenkapitalquote verbessert sich auf rund 44,5 Prozent, die Verbindlichkeiten gehen um knapp 12 Prozent zurück und mit 2,19 Millionen Euro verfügt die Gesellschaft zum Bilanzstichtag über erhebliche liquide Mittel.
Dem stehen knapp 800.000 Euro Rückstellungen, 1,533 Millionen Euro sonstige finanzielle Verpflichtungen und ein deutlicher Anstieg der Forderungen gegenüber.
Vor allem aber fehlt für eine umfassende Anlegerbeurteilung die Ertragsseite.