Eine Welle von betrügerischen Telefonanrufen beschäftigt derzeit die Polizei in Schleswig-Holstein. Rund um Kiel, Neumünster sowie in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön wurden am Wochenende und am Montagvormittag zahlreiche sogenannte Schockanrufe registriert. Besonders häufig geraten ältere Menschen ins Visier der Täter.
Die Masche ist darauf ausgelegt, Angst zu erzeugen und den Angerufenen möglichst wenig Zeit zum Nachdenken zu lassen. Dabei treten die Betrüger unter anderem als Polizeibeamte auf und versuchen, ihre Opfer zur Herausgabe von Bargeld, Schmuck oder anderen Wertgegenständen zu bewegen.
„In Ihrer Nachbarschaft wurde eingebrochen“
Eine der derzeit verwendeten Geschichten: Die angeblichen Polizeibeamten behaupten, dass es in der Nachbarschaft zu Einbrüchen gekommen sei. Geld und Wertgegenstände seien deshalb nicht mehr sicher und müssten von der „Polizei“ in Verwahrung genommen werden.
Eine andere Variante setzt unmittelbar bei der Familie an. Den Angerufenen wird erzählt, ein Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht und befinde sich deshalb in Gewahrsam. Nur durch die Zahlung einer hohen Kaution könne die Person wieder freikommen.
Das Ziel ist in beiden Fällen dasselbe: Die Opfer sollen unter emotionalem Druck möglichst schnell Geld oder Wertsachen herausgeben.
In Altenholz erbeuteten Täter eine enorme Summe
Die gute Nachricht: Nach Angaben der Kieler Polizei wurden die aktuell gemeldeten Betrugsversuche bislang erkannt.
Wie gefährlich die Masche trotzdem ist, zeigt jedoch ein Fall aus Altenholz im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Dort waren falsche Polizeibeamte bereits in der vergangenen Woche erfolgreich.
Eine 85 Jahre alte Frau übergab den Betrügern Schmuck, Gold und Bargeld im mittleren sechsstelligen Wert.
Der Fall verdeutlicht, um welche Dimensionen es bei solchen Telefonbetrügereien gehen kann.
Täter geben sich auch als Ärzte und Staatsanwälte aus
Die Warnungen beschränken sich inzwischen nicht auf den Raum Kiel. Auch die Polizeidirektion Bad Segeberg registriert im Süden Schleswig-Holsteins ein erhöhtes Aufkommen von Schockanrufen.
Dort geben sich die Täter neben Polizeibeamten auch als Ärzte oder Staatsanwälte aus.
Teilweise wird behauptet, ein naher Angehöriger sei schwer erkrankt und benötige dringend ein besonders teures, lebensrettendes Medikament.
Die Betrüger versuchen dabei laut Polizei häufig, ihre Opfer stundenlang am Telefon zu halten. Dadurch soll verhindert werden, dass die Betroffenen in Ruhe nachdenken, Angehörige kontaktieren oder die Angaben überprüfen.
Echte Polizei fordert niemals Geld oder Wertsachen
Die Polizei warnt deshalb eindringlich davor, sich am Telefon zu spontanen Entscheidungen drängen zu lassen. Sobald Zweifel entstehen, sollte das Gespräch beendet werden.
Persönliche Angaben zur finanziellen Situation oder zu vorhandenen Wertgegenständen sollten nicht herausgegeben werden. Gleiches gilt für Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände: Diese sollten niemals unbekannten Personen übergeben werden – unabhängig davon, welche Geschichte am Telefon erzählt wird.
Besonders wichtig ist die direkte Kontrolle. Wird behauptet, ein Familienmitglied habe einen Unfall verursacht oder sei schwer erkrankt, sollte der betreffende Angehörige selbst über die bereits bekannte Telefonnummer kontaktiert werden.
Bei angeblichen Polizeibeamten oder Ärzten können Betroffene außerdem nach Namen und Dienststelle fragen, anschließend auflegen und die Angaben selbst überprüfen.
Die Polizei stellt dabei einen entscheidenden Punkt klar: Die echte Polizei verlangt am Telefon weder Bargeld noch Überweisungen oder die Übergabe von Wertgegenständen.
Polizei appelliert auch an Angehörige
Die aktuellen Warnungen richten sich deshalb nicht ausschließlich an potenzielle Opfer. Angehörige, Freunde und Nachbarn sollten insbesondere ältere Menschen über die verschiedenen Maschen informieren.
Denn die Täter setzen weniger auf eine technisch komplizierte Methode als auf Angst, Zeitdruck und emotionale Ausnahmesituationen. Genau in dem Moment, in dem angeblich ein Familienmitglied in Gefahr ist oder das eigene Ersparte vor Einbrechern geschützt werden müsse, sollen die Opfer möglichst schnell handeln.
Die derzeitige Häufung rund um Kiel und im Süden Schleswig-Holsteins zeigt: Die Schockanrufe sind weiterhin aktuell – und die Täter wechseln ihre Geschichten, während das Ziel gleich bleibt: Geld und Wertgegenstände ihrer Opfer.