Kleine Beträge von vielen Anlegern – am Ende steht eine Milliarden-Summe. Der deutsche Crowdinvesting-Markt nähert sich nach den von Crowdinvest.de ausgewiesenen Zahlen einer bemerkenswerten Schwelle. Insgesamt erfasst der Marktmonitor ein Crowdinvestment-Volumen von 1.930.578.242 Euro aus 3.366 Investmentrunden. Damit fehlen rechnerisch nur noch rund 69,4 Millionen Euro bis zur Marke von zwei Milliarden Euro. Die enorme Gesamtsumme darf allerdings nicht mit erfolgreich abgeschlossenen oder bereits zurückgezahlten Geldanlagen verwechselt werden. Ein großer Teil des investierten Kapitals steckt noch in laufenden Projekten, während gleichzeitig bereits Ausfälle verzeichnet werden.
Mit großem Abstand dominiert der Immobiliensektor. Rund 1,288 Milliarden Euro des erfassten Kapitals entfallen auf Immobilienprojekte. Damit machen Immobilien ungefähr zwei Drittel des gesamten Crowdinvestment-Volumens aus. Auf Unternehmensfinanzierungen entfallen rund 568,2 Millionen Euro, während Energieprojekte mit etwa 57,5 Millionen Euro eine wesentlich kleinere Rolle spielen. Weitere rund 16,7 Millionen Euro werden sonstigen Investments zugerechnet. Die Zahlen zeigen damit auch, dass Crowdinvesting in Deutschland keineswegs hauptsächlich aus Finanzierungen junger Technologie-Startups besteht. Ein erheblicher Teil des über die Crowd eingesammelten Geldes ist in Immobilienprojekte geflossen.
Noch interessanter wird die Statistik beim Blick darauf, was aus den Investments geworden ist. Von den insgesamt rund 1,93 Milliarden Euro werden etwa 543,3 Millionen Euro als zurückgezahlt geführt. Das entspricht rund 28,1 Prozent des gesamten erfassten Volumens. Der größte Teil befindet sich dagegen weiterhin in laufenden Investments: Rund 1,206 Milliarden Euro beziehungsweise 62,5 Prozent werden als aktiv ausgewiesen. Weitere rund 47 Millionen Euro besitzen einen unklaren Status. Rund 26,6 Millionen Euro werden bereits als Ausfall geführt. Hinzu kommen Investments, deren Status bislang nicht ausgewertet wurde.
Auch bei der Zahl der einzelnen Finanzierungsrunden wird deutlich, warum aus diesen Angaben keine einfache Erfolgs- oder Ausfallquote für Crowdinvesting abgeleitet werden kann. Von den insgesamt 3.366 erfassten Investmentrunden werden 1.228 als aktiv und 541 als zurückgezahlt geführt. Bei 113 Investments ist der Status unklar, während 82 Investmentrunden als Ausfall ausgewiesen werden. Bei einer großen Zahl weiterer Projekte liegt noch kein ausgewerteter Status vor.
Auf den ersten Blick könnte insbesondere die ausgewiesene Ausfallsumme von rund 26,6 Millionen Euro beruhigend wirken. Bezogen auf das gesamte erfasste Volumen entspricht sie nur ungefähr 1,4 Prozent. Daraus zu schließen, dass das tatsächliche Risiko eines Crowdinvestments ebenfalls nur bei 1,4 Prozent liegt, wäre jedoch irreführend. Mehr als 1,2 Milliarden Euro befinden sich noch in aktiven Investments. Bei diesen Anlagen steht das endgültige wirtschaftliche Ergebnis noch nicht fest. Weitere Projekte haben einen unklaren oder bislang nicht ausgewerteten Status. Erst wenn ein Investment abgeschlossen und das Kapital zurückgezahlt wurde oder endgültig ausfällt, lässt sich dessen Ausgang entsprechend einordnen.
Hinzu kommt, dass Crowdinvesting grundsätzlich nicht mit einem klassischen Sparprodukt verwechselt werden sollte. Je nach Angebot investieren Anleger beispielsweise über Nachrangdarlehen oder andere eigen- beziehungsweise fremdkapitalähnliche Konstruktionen. Die konkrete rechtliche und wirtschaftliche Stellung unterscheidet sich von Projekt zu Projekt. Entsprechend können attraktive Zinsversprechen mit erheblichen Risiken verbunden sein. Gerät das finanzierte Unternehmen oder Immobilienprojekt in wirtschaftliche Schwierigkeiten, können Anleger einen Teil ihres eingesetzten Geldes oder im schlimmsten Fall das gesamte Investment verlieren.
Dass Immobilien in der Statistik eine derart große Rolle spielen, hängt auch mit den hohen Finanzierungssummen einzelner Projekte zusammen. Bei Immobilienentwicklungen können schnell Millionenbeträge benötigt werden. Viele Anleger stellen dabei jeweils kleinere Summen zur Verfügung, die gemeinsam einen größeren Finanzierungsbaustein bilden. Über die Jahre summierten sich solche Finanzierungen nach den Daten des Marktmonitors auf fast 1,3 Milliarden Euro. Unternehmensfinanzierungen kommen dagegen auf weniger als die Hälfte dieses Betrags, während Energieprojekte gemessen am Gesamtmarkt bislang ein vergleichsweise kleines Segment darstellen.
Bei der Interpretation der Zahlen ist allerdings eine weitere Einschränkung wichtig. Im Kopf des Marktmonitors von Crowdinvest.de wird als Aktualisierungsdatum der 31. August 2026 angegeben. Gleichzeitig findet sich auf der Internetseite noch ein älterer Hinweis aus dem Jahr 2022, wonach die Datenbank damals nicht auf dem aktuellsten Stand gewesen sei und Möglichkeiten für ihren weiteren Betrieb geprüft würden. Die heute ausgewiesenen Kennzahlen wurden gegenüber diesem alten Stand offensichtlich weitergeführt. Die unterschiedlichen Hinweise auf derselben Seite sollten bei der Einordnung der Daten dennoch berücksichtigt werden. Zudem handelt es sich bei Crowdinvest.de um einen Marktmonitor und nicht um eine amtliche Statistik des deutschen Kapitalmarktes.
Trotz dieser Einschränkungen ist die Größenordnung bemerkenswert. Noch rund 69 Millionen Euro fehlen, bis das von Crowdinvest.de erfasste Crowdinvesting-Volumen in Deutschland die Schwelle von zwei Milliarden Euro erreicht. Doch gerade diese beeindruckende Zahl kann einen falschen Eindruck vermitteln. Für Anleger ist letztlich nicht entscheidend, wie viel Kapital über sämtliche Plattformen und Projekte hinweg eingesammelt wurde, sondern ob das eigene Investment erfolgreich zurückgezahlt wird.
Von den aktuell ausgewiesenen rund 1,93 Milliarden Euro gelten erst etwa 543 Millionen Euro als zurückgezahlt. Mehr als 1,2 Milliarden Euro befinden sich noch in aktiven Investments und mindestens 26,6 Millionen Euro werden bereits als ausgefallen geführt. Die bevorstehende Zwei-Milliarden-Marke zeigt damit vor allem, welche Dimension Crowdinvesting in Deutschland inzwischen erreicht hat. Ob aus den investierten Milliarden am Ende auch für die Anleger ein erfolgreiches Geschäft wird, steht bei einem erheblichen Teil des Kapitals noch nicht fest.