Nach den Sicherheitsproblemen des vergangenen Jahres rüstet das Münchner Oktoberfest deutlich auf. KI-gestützte Heatmaps, zusätzliche Kameras, Crowdspotter und eine neue Sicherheitszentrale sollen dabei helfen, gefährliches Gedränge frühzeitig zu erkennen.
Gleichzeitig setzt München auf massive personelle Präsenz: 600 Polizeibeamte und noch mehr private Sicherheitskräfte sollen beim größten Volksfest der Welt im Einsatz sein.
Hintergrund sind die Erfahrungen der Wiesn 2025. Damals stellten unter anderem eine Bombendrohung und zeitweise geschlossene Eingänge wegen Überfüllung Stadt und Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen.
Nun soll Technik dabei helfen, kritische Situationen früher zu erkennen.
KI soll Menschenmengen analysieren
Eine der größten Neuerungen ist der Einsatz sogenannter Heatmaps.
Auf dem Oktoberfestgelände wurden nach dem vorliegenden BR24-Bericht Kameras flächendeckend verteilt. Deren Bilder laufen in einer neuen Sicherheitszentrale zusammen.
Dort kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz.
Aus den Kamerabildern sollen Heatmaps entstehen, auf denen die Verantwortlichen erkennen können, an welchen Stellen sich immer mehr Menschen sammeln und wo eine kritische Überfüllung drohen könnte.
Das Ziel: Die Einsatzleitung soll nicht erst reagieren, wenn das Gedränge bereits problematisch geworden ist.
Sie soll möglichst früh erkennen können, wo sich eine gefährliche Situation entwickelt.
Crowdspotter beobachten das Gelände
Technik allein soll dabei nicht entscheiden.
Zusätzlich kommen sogenannte Crowdspotter zum Einsatz.
Dabei handelt es sich laut BR24 um Spezialisten, die Menschenmengen beobachten und kontinuierlich mit Festleitung und Behörden in Verbindung stehen.
Ihre Einschätzungen ergänzen damit die Informationen aus Kameras und Heatmaps.
Das Sicherheitskonzept kombiniert also technische Analyse und menschliche Beobachtung.
Gerade bei einem Gelände, auf dem sich während des Oktoberfests Millionen Menschen bewegen, kann das entscheidend sein: Eine Menschenansammlung ist nicht automatisch gefährlich. Entscheidend sind unter anderem Dichte, Bewegungsrichtung und die Frage, ob Besucher noch ausweichen können.
Mehr als sechs Millionen Besucher erwartet
Die Dimension der Aufgabe ist enorm.
Für das Oktoberfest werden nach den Angaben im Bericht erneut weit mehr als sechs Millionen Besucher erwartet.
Für deren Sicherheit sollen unter anderem 600 Polizeibeamte sowie noch mehr Security-Kräfte sorgen.
Hinzu kommen Eingangskontrollen.
Bestimmte Gegenstände dürfen nicht mit auf das Festgelände genommen werden. Dazu zählen beispielsweise Glasflaschen und Messer.
Auch für Taschen gelten Beschränkungen: Taschen mit einem Volumen von mehr als drei Litern sind verboten.
Die Besucher werden außerdem nicht nur von Polizeikameras erfasst. Hinzu kommen die von der Stadt auf dem Gelände verteilten Kameras für das neue Sicherheitskonzept.
Wiesn 2025 wurde zum Warnsignal
Dass München das Konzept noch einmal überarbeitet hat, hängt unmittelbar mit den Erfahrungen des Vorjahres zusammen.
Die Wiesn 2025 war laut BR24 für Stadt und Einsatzkräfte eine besondere Herausforderung.
Neben einer Bombendrohung mussten zeitweise Eingänge geschlossen werden, weil das Gelände überfüllt war.
Genau dieses Szenario soll sich möglichst nicht wiederholen.
Die Heatmaps sollen den Verantwortlichen deshalb einen besseren Überblick darüber verschaffen, wie sich Besucherströme über das Festgelände bewegen.
Damit wird die Steuerung der Menschenmengen zu einem zentralen Bestandteil des Sicherheitskonzepts.
Besucher sollen sich besser verteilen
München versucht allerdings nicht nur, Menschenansammlungen technisch zu erkennen.
Die Stadt will auch beeinflussen, wie sich Besucher über das Gelände verteilen.
Dafür wurde bereits Monate vor dem Oktoberfest die Kampagne „How to Wiesn“ gestartet.
Sie richtet sich insbesondere an Besucher, die nicht regelmäßig auf das Oktoberfest kommen.
Über soziale Medien wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass die Wiesn mehrere Eingänge besitzt. Besucher sollen also nicht automatisch alle dieselben Zugänge nutzen.
Außerdem wird die „Oide Wiesn“ als Alternative genannt, wenn das Hauptgelände besonders voll ist.
Auch dadurch sollen Besucherströme entzerrt werden.
Hilfe per Smartphone direkt im Festzelt
Ein weiterer Bestandteil des Sicherheitskonzepts befindet sich direkt auf den Smartphones der Besucher.
Die App „Safe Now“ soll auch 2026 wieder eingesetzt werden.
Wer schnelle Hilfe benötigt, kann in der App einen entsprechenden Button betätigen.
Das kann beispielsweise bei Belästigungen, tätlichen Auseinandersetzungen oder medizinischen Problemen geschehen.
Anschließend werden Sicherheitsmitarbeiter alarmiert.
Besonders wichtig: Sie erhalten laut BR24 einen metergenauen Standort, an dem die Hilfe benötigt wird.
Inzwischen beteiligen sich acht große Festzelte an dem System. Auch der Sanitätsdienst des Oktoberfests ist eingebunden.
Die App kommt damit bereits im vierten Jahr zum Einsatz.
Wiesn-Ambulanz gleicht einem kleinen Krankenhaus
Auch medizinisch ist das Oktoberfest eine Großveranstaltung mit außergewöhnlichem Aufwand.
Zentrale Anlaufstelle ist die Wiesn-Ambulanz.
Ihre Ausstattung geht weit über eine gewöhnliche Erste-Hilfe-Station hinaus.
BR24 beschreibt die Einrichtung als eine Art Mini-Krankenhaus. Sie verfügt über Behandlungszimmer, kleine Operationssäle und sogar einen Computertomographen.
Im vergangenen Jahr wurden dort mehr als 7.000 Patienten behandelt.
Für 2026 wird mit einem ähnlichen Aufkommen gerechnet.
Das Behandlungsspektrum reicht von Alkoholvergiftungen über Verletzungen infolge von Auseinandersetzungen bis zu Schnittwunden.
Fast 40 Ärzte im Einsatz
Für die medizinische Versorgung steht eine erhebliche Zahl von Einsatzkräften bereit.
Nach den Angaben von BR24 beschäftigt die Aicher Ambulanz während des Oktoberfests 430 angestellte und ehrenamtliche Einsatzkräfte.
Darunter befinden sich fast 40 Ärztinnen und Ärzte.
Zusätzlich zur zentralen Wiesn-Ambulanz gibt es zwei dezentrale Sanitätscontainer.
Sie sollen dafür sorgen, dass Helfer auch bei dichtem Gedränge schnell zu Patienten gelangen können.
Wiesnchef Christian Scharpf zufolge soll im Ernstfall in weniger als vier Minuten Hilfe verfügbar sein.
Nur ein kleiner Teil muss ins Krankenhaus
Die medizinische Infrastruktur auf dem Festgelände hat noch einen weiteren Zweck: Sie soll die Münchner Krankenhäuser entlasten.
Nach Angaben des Wiesnchefs mussten im vergangenen Jahr lediglich 1,6 Prozent der in der Wiesn-Ambulanz versorgten Patienten anschließend in ein Krankenhaus gebracht werden.
Ein großer Teil der medizinischen Fälle kann somit offenbar direkt auf dem Oktoberfestgelände behandelt werden.
Bei mehr als 7.000 behandelten Patienten zeigt diese Zahl, welche Bedeutung die eigene medizinische Infrastruktur des Oktoberfests besitzt.
„Safe Space“ für Frauen und Mädchen
Das Sicherheitskonzept umfasst nicht nur Polizei, Kameras und medizinische Hilfe.
Im Servicezentrum befindet sich auch ein „Safe Space“ für Frauen und Mädchen.
Die Gründe, warum Betroffene dort Hilfe suchen, sind unterschiedlich.
Manche haben ihre Begleitung verloren oder wichtige Gegenstände wie Smartphone oder Hotelschlüssel verloren beziehungsweise wurden bestohlen.
Andere suchen Unterstützung, nachdem sie sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt haben.
Das Team der Aktion „Sichere Wiesn“ berät die Betroffenen, begleitet sie und kann bei Bedarf auch ganz praktische Hilfe wie Kleidung oder Decken anbieten.
Auch Männer sollen Verantwortung übernehmen
Das Präventionskonzept richtet sich zugleich an Jungen und Männer.
Sie sollen nach Angaben des Berichts als aktive Verbündete gewonnen werden.
Dazu gehört beispielsweise, bei sexistischen Sprüchen nicht mitzumachen, einzugreifen beziehungsweise Hilfe zu organisieren, wenn Grenzen nicht respektiert werden, und Freunde oder Kollegen auf übergriffiges Verhalten anzusprechen.
Sicherheit wird damit nicht ausschließlich als Aufgabe von Polizei und Security verstanden.
Neue Technik als Frühwarnsystem
Die auffälligste Neuerung der Wiesn 2026 bleibt dennoch die technische Überwachung der Besucherströme.
Statt nur auf Kamerabilder zu schauen, sollen Daten beziehungsweise Bilder mithilfe künstlicher Intelligenz so aufbereitet werden, dass entstehende Menschenansammlungen schneller sichtbar werden.
Entscheidend ist dabei der Charakter als Frühwarnsystem.
Wenn beispielsweise ein bestimmter Bereich zunehmend voller wird, könnten Verantwortliche früher gegensteuern – etwa Besucher anders lenken oder Zugänge zeitweise regulieren.
Die Crowdspotter liefern dazu zusätzliche Einschätzungen vor Ort.
Sicherheit für ein Millionenfest
Das Oktoberfest stellt die Sicherheitsbehörden jedes Jahr vor eine besondere Aufgabe.
Innerhalb weniger Wochen kommen Millionen Besucher auf einem vergleichsweise begrenzten Gelände zusammen. Gleichzeitig müssen Polizei, Security, Feuerwehr, Sanitätsdienst und Festleitung auf sehr unterschiedliche Gefahren vorbereitet sein.
Die Erfahrungen aus dem Jahr 2025 haben nun zu weiteren Anpassungen geführt.
600 Polizisten, noch mehr Security-Kräfte, flächendeckende Kameras, KI-Heatmaps, Crowdspotter, Eingangskontrollen, eine eigene medizinische Infrastruktur und digitale Hilferufe per App bilden dabei unterschiedliche Ebenen desselben Sicherheitskonzepts.
Der entscheidende Unterschied zu früher liegt vor allem darin, Menschenansammlungen möglichst früh zu erkennen.
Nach Überfüllungen im vergangenen Jahr soll nicht erst gehandelt werden, wenn Zugänge geschlossen werden müssen.