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Deutsche Unternehmen investieren wieder mehr Geld in China

syafrani_jambe (CC0), Pixabay

Deutsche Unternehmen haben ihre Investitionen in China wieder deutlich erhöht. Im ersten Halbjahr 2026 flossen rund 5,6 Milliarden Euro zusätzlich nach China. Das waren etwa ein Drittel mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Das zeigt eine Auswertung von Daten der Deutschen Bundesbank durch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Auf den ersten Blick ist der Anstieg groß. Im längerfristigen Vergleich ist die Summe allerdings nicht ungewöhnlich. Zwischen 2020 und 2025 investierten deutsche Unternehmen durchschnittlich ebenfalls rund 5,6 Milliarden Euro pro Halbjahr in China.

Warum China für deutsche Unternehmen so wichtig bleibt

China ist für viele deutsche Unternehmen weiterhin ein wichtiger Absatzmarkt. Gleichzeitig ist die Konkurrenz durch chinesische Firmen sehr groß.

IW-Experte Jürgen Matthes beschreibt China deshalb sogar als eine Art „Fitnesscenter“ für Unternehmen.

Damit meint er: Wer sich gegen die starke Konkurrenz in China behaupten kann, hat möglicherweise auch auf anderen internationalen Märkten bessere Chancen.

Für manche deutsche Unternehmen bleibt deshalb kaum eine andere Möglichkeit, als weiterhin direkt in China zu investieren und dort zu produzieren.

Gewinne aus China werden wieder in China investiert

Interessant ist auch, woher das Geld für die neuen Investitionen kommt.

Deutsche Unternehmen verwenden dafür zunehmend Gewinne, die sie bereits mit ihren chinesischen Tochtergesellschaften erwirtschaftet haben. Das Geld wird also nicht unbedingt aus Deutschland nach China überwiesen, sondern direkt vor Ort wieder investiert.

Dadurch können deutsche Unternehmen ihre chinesischen Standorte weiter ausbauen.

Für Deutschland kann diese Entwicklung allerdings Nachteile haben.

Arbeitsplätze könnten nach China wandern

Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht die Entwicklung kritisch.

Nach Ansicht des IW wird die Produktion in China durch staatliche Unterstützung und den Wechselkurs des chinesischen Yuan begünstigt. Chinesische Waren könnten dadurch besonders günstig angeboten werden.

Deutsche Unternehmen stehen damit unter starkem Preisdruck.

Wenn sie mit chinesischen Konkurrenten mithalten wollen, kann es für sie wirtschaftlich sinnvoll erscheinen, ebenfalls stärker in China zu produzieren.

IW-Experte Matthes warnt deshalb: Produktion und damit möglicherweise auch Arbeitsplätze könnten von Deutschland nach China verlagert werden.

Nicht alle Unternehmen setzen weiter auf China

Die Zahlen zeigen allerdings kein einheitliches Bild.

Einige deutsche Unternehmen investieren weiterhin viel Geld in China. Andere reduzieren ihre Beteiligungen oder ziehen sich teilweise zurück.

Zwischen 2017 und 2024 investierten deutsche Unternehmen laut IW jährlich etwa zwei Milliarden Euro in neue Beteiligungen in China.

Gleichzeitig wurden bestehende Beteiligungen im Wert von durchschnittlich 3,6 Milliarden Euro pro Jahr aufgelöst.

Unter dem Strich wurden damit jährlich etwa 1,6 Milliarden Euro aus solchen Beteiligungen abgezogen. Auch 2025 lag der Betrag ungefähr in dieser Größenordnung.

Das zeigt: Die hohen Gesamtinvestitionen bedeuten nicht, dass sämtliche deutschen Unternehmen ihr China-Geschäft ausbauen.

In den USA investieren deutsche Unternehmen deutlich weniger

Ganz anders sieht die Entwicklung derzeit in den Vereinigten Staaten aus.

Dort haben deutsche Unternehmen ihre Investitionen im ersten Halbjahr 2026 deutlich zurückgefahren.

Sie investierten rund 4,3 Milliarden Euro. Das waren fast zwei Drittel weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Als einen wichtigen Grund nennt der Bericht die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump und insbesondere die hohen Zölle gegenüber wichtigen Handelspartnern.

Damit entsteht eine bemerkenswerte Entwicklung: Während deutsche Unternehmen ihre Investitionen in China erhöhen, zeigen sie sich bei neuen Investitionen in den USA derzeit deutlich zurückhaltender.

Deutsche Industrie fordert härteren Kurs gegenüber China

Gleichzeitig wächst in Deutschland die Kritik an den wirtschaftlichen Bedingungen in China.

Deutsche Wirtschaftsvertreter beklagen vor allem staatliche Subventionen und Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen.

Nach einem Bericht der OECD vom Juni erhalten chinesische Hersteller im Verhältnis zu ihrem Umsatz teilweise drei- bis achtmal mehr staatliche Unterstützung als Unternehmen aus OECD-Staaten.

Das Institut der deutschen Wirtschaft fordert deshalb, dass die Europäische Union stärker gegen mögliche Wettbewerbsverzerrungen vorgeht. Als eine Möglichkeit nennt das IW Ausgleichszölle auf chinesische Waren.

Deutschlands Handelsdefizit mit China wächst

Auch die deutsche Handelsbilanz sorgt für Diskussionen.

Deutschland importiert wesentlich mehr Waren aus China, als es dorthin exportiert. Dieses Handelsdefizit erhöhte sich im vergangenen Jahr um rund 22 Milliarden Euro auf etwa 89 Milliarden Euro.

Für die deutsche Wirtschaft stellt sich deshalb zunehmend die Frage, ob der Wettbewerb mit China noch unter vergleichbaren Bedingungen stattfindet.

Auch die Bundesregierung will sich stärker mit den Handelsungleichgewichten beschäftigen.

China bleibt Chance und Risiko zugleich

Für deutsche Unternehmen entsteht damit ein schwieriger Spagat.

Einerseits ist China ein riesiger Absatzmarkt, auf den viele Unternehmen nicht verzichten können. Gleichzeitig entwickeln sich chinesische Firmen zu immer stärkeren Konkurrenten.

Wer weiterhin erfolgreich in China verkaufen möchte, muss deshalb häufig auch dort investieren und produzieren.

Für die einzelnen Unternehmen kann das wirtschaftlich sinnvoll sein. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland kann die Entwicklung dagegen problematisch werden, wenn dadurch Produktion, Investitionen und Arbeitsplätze dauerhaft nach China verlagert werden.

Die steigenden Investitionen zeigen deshalb nicht einfach nur, dass deutsche Unternehmen wieder stärker auf China setzen. Sie zeigen auch, wie abhängig Teile der deutschen Wirtschaft inzwischen von diesem wichtigen und gleichzeitig schwierigen Markt sind.

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