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Italien trauert um Emma Bonino: Kämpferin für Bürgerrechte und frühere EU-Kommissarin ist tot

ulleo (CC0), Pixabay

Bonino gehörte zu den Politikerinnen, deren Karriere weit über klassische Parteipolitik hinausging. Schon in den 1970er-Jahren wurde sie als Vertreterin des radikalliberalen Partito Radicale bekannt. Im katholisch geprägten Italien setzte sie sich insbesondere für Bürgerrechte und die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen ein.

Dabei war ihr Engagement auch von persönlichen Erfahrungen geprägt. Mit 26 Jahren wurde Bonino schwanger und ließ einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen, der zu diesem Zeitpunkt in Italien noch illegal war. Später wurde die Legalisierung von Abtreibungen zu einem der politischen Erfolge der italienischen Bürgerrechtsbewegung.

Von Italien nach Brüssel

Ihre politische Karriere führte Bonino schließlich auf die europäische Bühne. Von 1995 bis 1999 gehörte sie der Europäischen Kommission an und war dort unter anderem für Verbraucherschutz zuständig.

Später übernahm sie wichtige Regierungsämter in Italien. Sie wurde zunächst Europaministerin und schließlich Außenministerin. Damit gehörte Bonino über viele Jahre zu den international bekanntesten italienischen Politikerinnen.

Beinahe Italiens erste Staatspräsidentin

2013 rückte Bonino sogar in die Nähe des höchsten Staatsamtes. Sie bemühte sich darum, als erste Frau Präsidentin Italiens zu werden und lag zeitweise in Umfragen vorne.

Am Ende kam es anders: Der damalige Staatspräsident Giorgio Napolitano wurde erneut gewählt.

Boninos Popularität blieb dennoch hoch. Auch nach dem Ende ihrer Regierungsämter meldete sie sich regelmäßig zu politischen und gesellschaftlichen Fragen zu Wort.

Jahrelanger Kampf gegen den Krebs

2015 wurde bei Bonino Krebs diagnostiziert. Trotz ihrer Erkrankung blieb sie politisch aktiv.

Zuletzt hatte sich ihr Gesundheitszustand deutlich verschlechtert. Anfang dieser Woche wurde sie wegen Atemnot in ein Krankenhaus in Rom eingeliefert. Dort wurde sie bis zuletzt auf der Intensivstation behandelt.

Nun bestätigte ihre Partei ihren Tod.

Più Europa würdigte Bonino mit emotionalen Worten. Man verliere nicht nur die Vorsitzende, sondern „eine der klarsten, mutigsten und freiesten Persönlichkeiten“ in der politischen Geschichte Italiens und der freien Welt.

Eine Politikerin, die Konflikte nicht scheute

Boninos politische Biografie ist eng mit gesellschaftlichen Auseinandersetzungen verbunden, die Italien über Jahrzehnte beschäftigten. Schwangerschaftsabbruch, individuelle Freiheitsrechte und europäische Integration gehörten zu den Themen, für die sie öffentlich eintrat.

Dabei polarisierte sie immer wieder – gerade weil sie Positionen vertrat, die in Teilen der italienischen Gesellschaft lange hoch umstritten waren.

Vom Partito Radicale über die Europäische Kommission bis an die Spitze des italienischen Außenministeriums führte sie eine außergewöhnlich lange politische Karriere.

Mit 78 Jahren ist Emma Bonino nun gestorben. Zurück bleibt eine Politikerin, deren Name vor allem mit einem verbunden bleiben dürfte: dem jahrzehntelangen Kampf für persönliche Freiheit und Bürgerrechte.

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