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Ausweis, Führerschein und Kassenkarte auf dem Handy: Deutschlands digitale Brieftasche soll 2027 starten

torstensimon (CC0), Pixabay

Personalausweis, Führerschein und Krankenkassenkarte könnten schon bald gemeinsam auf dem Smartphone verfügbar sein. Ab dem 2. Januar 2027 soll Deutschland mit „d-you“ eine staatliche digitale Brieftasche anbieten. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger stellte die Pläne sowie erste Partner für das Projekt in Berlin vor.

Die Nutzung soll freiwillig sein. Wer seine Dokumente weiterhin in herkömmlicher Form verwenden möchte, soll dies auch künftig tun können. Die digitalen Nachweise sollen zugleich so ausgestaltet werden, dass sie rechtssicher gegenüber Behörden und teilnehmenden Unternehmen eingesetzt werden können.

Vom Personalausweis bis zum Uni-Zeugnis

Zum Start stehen besonders wichtige persönliche Nachweise im Mittelpunkt. Dazu gehören der Personalausweis, der Führerschein und die Krankenkassenkarte.

Langfristig soll die Anwendung jedoch wesentlich mehr können. Vorgesehen ist eine Plattform, auf der weitere digitale Dokumente hinterlegt und verwendet werden können. Denkbar sind beispielsweise Universitätszeugnisse, Gehaltsabrechnungen, Mitarbeiterausweise, Versicherungsnachweise oder Kundenkarten.

Damit soll aus der App mehr als eine digitale Kopie der klassischen Brieftasche werden. Bürger sollen sich damit gegenüber Behörden und Unternehmen identifizieren und digitale Nachweise direkt übermitteln können.

Deutschland setzt europäisches Projekt um

Hinter dem Vorhaben steht auch eine europäische Vorgabe. Die EU-Mitgliedstaaten arbeiten an der sogenannten EUDI-Wallet. EUDI steht für „European Digital Identity“.

Ziel ist es, Bürgerinnen und Bürgern eine digitale Identität zur Verfügung zu stellen, die über das Smartphone genutzt werden kann.

Deutschland will sein entsprechendes Angebot am 2. Januar 2027 freischalten. Dabei soll die Plattform nicht auf staatliche Dienstleistungen beschränkt bleiben. Auch private Unternehmen sollen sie in ihre Angebote integrieren können.

40 Partner sollen zum Start dabei sein

Das Interesse an der neuen Infrastruktur ist offenbar bereits beträchtlich. Nach den vorgestellten Plänen wollen zum Start rund 40 Unternehmen und Organisationen eigene Anwendungen im Zusammenhang mit der digitalen Brieftasche anbieten.

Vertreten sind Behörden, Unternehmen, Hochschulen, Kommunen und Verkehrsorganisationen. Dadurch sollen möglichst schnell praktische Einsatzmöglichkeiten entstehen.

Der Erfolg der digitalen Brieftasche dürfte wesentlich davon abhängen, ob Bürger sie tatsächlich regelmäßig verwenden können. Ein digitaler Ausweis allein bietet schließlich nur begrenzten Nutzen, wenn er bei Behörden, Geschäften oder anderen Dienstleistern nicht akzeptiert wird.

Noch deutlich mehr Unternehmen zeigen Interesse

Das wirtschaftliche Interesse geht offenbar über die ersten Partner hinaus. Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom haben bereits rund 170 Unternehmen in einem gemeinsamen Memorandum ihre Absicht erklärt, die Technik für eigene Angebote nutzen zu wollen.

Die Hoffnung dahinter: Die digitale Identität könnte viele bislang komplizierte Online-Verfahren vereinfachen.

Statt für verschiedene Dienste immer wieder neue Identitätsprüfungen durchführen zu müssen, könnten Nutzer bestimmte Nachweise unmittelbar aus ihrer digitalen Brieftasche bereitstellen.

Auch das digitale Unterzeichnen von Verträgen und Formularen könnte zu den wichtigen Einsatzmöglichkeiten gehören.

Datenschutz wird zur entscheidenden Frage

Mit den Möglichkeiten wachsen allerdings auch die Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz. Schließlich sollen auf dem Smartphone künftig besonders sensible Dokumente und Identitätsnachweise verfügbar sein.

Umfragen zeigen zwar ein grundsätzlich großes Interesse an digitalen Ausweisen und Führerscheinen. Gleichzeitig bestehen erhebliche Sicherheitsbedenken.

Zu den Sorgen gehören insbesondere Hackerangriffe, Identitätsdiebstahl und die betrügerische Nutzung einer digitalen Brieftasche. Auch die Frage, welche Daten Unternehmen beim Einsatz der Anwendung erhalten und speichern können, beschäftigt Verbraucher.

Transparenz dürfte deshalb für die Akzeptanz eine zentrale Rolle spielen. Nutzer müssen nachvollziehen können, welche Informationen sie bei einem bestimmten Vorgang weitergeben und wer darauf zugreifen kann.

Die Brieftasche soll nicht verschwinden müssen

Der geplante Start bedeutet allerdings nicht, dass Bürger ab Januar 2027 sämtliche Karten zu Hause lassen müssen. Die Nutzung der digitalen Nachweise soll freiwillig bleiben.

„d-you“ soll vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, sich auszuweisen und Dokumente vorzulegen.

Gelingt die Einführung, könnte die Anwendung dennoch einen erheblichen Einfluss auf den Alltag haben. Behördengänge, Vertragsabschlüsse, Altersnachweise oder Identitätsprüfungen könnten zunehmend direkt über das Smartphone abgewickelt werden.

Der 2. Januar 2027 könnte damit zum wichtigen Datum für die Digitalisierung in Deutschland werden: Aus einem Smartphone soll dann schrittweise auch eine rechtssichere digitale Brieftasche für das tägliche Leben werden.

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