Nun ist es offiziell: Gianni Infantino will auch nach 2027 Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA bleiben. Der Weltverband hat bestätigt, dass der 56-Jährige bei der Präsidentschaftswahl im kommenden März erneut antreten wird. Ein Gegenkandidat steht bislang noch nicht fest. Bewerber haben noch bis zum 18. November 2026 Zeit, ihre Kandidatur anzumelden.
Die erneute Kandidatur kommt zu einem für Infantino schwierigen Zeitpunkt. Der FIFA-Präsident steht wegen seines inzwischen gescheiterten Plans, Teile der kommerziellen Geschäfte des Weltverbandes für Milliarden an private Investoren zu verkaufen, erheblich unter Druck.
FIFA räumt letzte Zweifel aus
Eigentlich hatte Infantino seine Absicht bereits im Frühjahr beim FIFA-Kongress öffentlich gemacht. Dort erklärte er vor den 211 Mitgliedsverbänden, bei der Wahl 2027 erneut kandidieren zu wollen. Die FIFA bekräftigte nun, daran habe sich nichts geändert.
Für Irritationen hatte Infantino allerdings noch am Samstag gesorgt. Vor dem Eröffnungsspiel der U20-Weltmeisterschaft der Frauen in Polen wich er Fragen nach seiner politischen Zukunft aus und erklärte lediglich, es werde dafür einen richtigen Ort und einen richtigen Zeitpunkt geben.
Auf die direkte Frage, ob er definitiv antreten werde, gab er keine eindeutige Antwort. Wenig später beseitigte die FIFA die dadurch entstandenen Spekulationen und bestätigte seine Kandidatur.
Noch kein Herausforderer in Sicht
Bislang hat sich niemand offiziell als Gegenkandidat positioniert. Das dürfte allerdings nicht bedeuten, dass Infantino ohne Konkurrenz bleiben wird.
Vor allem innerhalb des europäischen Fußballverbandes UEFA wächst der Widerstand gegen den FIFA-Präsidenten. UEFA-Präsident Aleksander Čeferin gehört zu Infantinos schärfsten Kritikern, will nach bisherigem Stand allerdings nicht selbst gegen ihn antreten.
In Teilen des europäischen Fußballs wird derzeit vielmehr darüber diskutiert, einen gemeinsamen Gegenkandidaten zu finden. Auch der niederländische Verband hat einen internationalen Gipfel über die zukünftige Führung und Struktur der FIFA vorgeschlagen.
Gescheiterter Milliarden-Deal belastet Infantino
Hinter dem offenen Konflikt zwischen FIFA und UEFA steht vor allem die sogenannte FIFA Forward Enterprise (FFE).
Infantino wollte Teile der kommerziellen und veranstaltungsbezogenen Aktivitäten der FIFA für private Investoren öffnen. Im Raum stand eine Beteiligung von bis zu rund 20 Prozent für 4,2 Milliarden US-Dollar. Zu den vorgesehenen Investoren gehörte ein von Joshua Kushner gegründeter Investmentfonds.
Der Plan stieß insbesondere bei der UEFA sowie weiteren Kontinentalverbänden auf massiven Widerstand und wurde schließlich Ende Juli beziehungsweise Anfang August zurückgezogen. Kritisiert wurden unter anderem die geplante Bewertung des Geschäfts, die langfristige Beteiligung privater Investoren und die Art und Weise, wie das Vorhaben vorbereitet worden war.
UEFA prüft strafrechtliche Schritte gegen Infantino
Der Streit ist inzwischen weit über sportpolitische Auseinandersetzungen hinausgegangen.
Die UEFA bereitet in der Schweiz rechtliche Schritte gegen Infantino wegen des Verdachts einer möglichen ungetreuen Geschäftsbesorgung beziehungsweise strafbaren Misswirtschaft im Zusammenhang mit dem gescheiterten FFE-Projekt vor. Dazu versucht sie über Verfahren in den USA, Unterlagen und weitere Beweismittel zu erhalten.
Wichtig dabei: Gegen Infantino liegt bislang keine Verurteilung und nach aktuellem Stand auch keine erhobene Anklage vor. Die Vorwürfe werden von ihm und der FIFA zurückgewiesen.
Die FIFA wiederum wirft der UEFA eine gezielte „Verleumdungskampagne“ gegen den Weltverband und seinen Präsidenten vor. Sie hat ihrerseits die US-Justiz eingeschaltet und versucht, die von der UEFA angestoßenen Verfahren zur Herausgabe von Dokumenten abzuwehren.
Infantino führt die FIFA seit 2016
Gianni Infantino übernahm das Präsidentenamt im Februar 2016 als Nachfolger von Sepp Blatter. Seitdem wurde er mehrfach wiedergewählt.
Trotz der aktuellen Kontroversen verfügt Infantino weiterhin über Unterstützung aus Teilen des Weltfußballs. Gleichzeitig ist der Widerstand insbesondere in Europa erheblich gewachsen. Damit könnte die Wahl im März 2027 deutlich konfliktreicher werden, als es noch vor wenigen Monaten zu erwarten war.
Bis zum 18. November 2026 bleibt nun Zeit, einen Herausforderer aufzustellen. Erst danach wird feststehen, ob Infantino tatsächlich in eine offene Wahl gehen muss oder erneut ohne ernsthaften Gegenkandidaten antreten kann.