Beim Windpark Mönchengladbach-Hardt zeigt der Jahresabschluss 2025 eine bemerkenswerte Bilanz: Die technischen Anlagen sind bilanziell praktisch vollständig abgeschrieben und stehen insgesamt nur noch mit drei Euro in den Büchern. Gleichzeitig weist die Gesellschaft weiterhin Vermögenswerte und Verbindlichkeiten von jeweils mehr als zwei Millionen Euro aus.
Dabei hat sich die Bilanz innerhalb eines Jahres erheblich verkleinert.
Die Bilanzsumme der Windpark Mönchengladbach-Hardt GmbH & Co. KG sank von 3,046 Millionen Euro Ende 2024 auf 2,312 Millionen Euro zum 31. Dezember 2025.
Das entspricht einem Rückgang um rund 733.730 Euro beziehungsweise 24,1 Prozent.
Der Grund liegt im Wesentlichen bei den Forderungen.
Denn klassische Sachanlagen spielen bilanziell kaum noch eine Rolle. Das komplette Anlagevermögen steht lediglich mit drei Euro in der Bilanz.
Dieser Betrag ist allerdings keinesfalls mit dem tatsächlichen wirtschaftlichen Wert des Windparks gleichzusetzen.
Die Gesellschaft erläutert im Anhang, dass ihre Windenergieanlagen linear über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Der Drei-Euro-Wert zeigt deshalb vor allem, dass die Anlagen bilanziell nahezu vollständig abgeschrieben sind.
Ob und welchen Marktwert die Anlagen tatsächlich noch besitzen, lässt sich aus dem Jahresabschluss nicht bestimmen.
Dass es sich um einen bereits länger bestehenden Windpark handelt, passt zu dieser Bilanzstruktur. Öffentliche Registerinformationen führen die Gesellschaft heute unter HRA 125778 in Hamburg; die Historie der Gesellschaft reicht deutlich weiter zurück als die Sitzverlegung nach Hamburg.
Besonders interessant ist daher weniger das Sachanlagevermögen als das Umlaufvermögen.
Dieses sank von 3.045.204,98 Euro auf 2.311.947,79 Euro.
Das entspricht praktisch der gesamten Bilanzverkürzung.
Das Umlaufvermögen besteht vollständig aus Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen.
Und davon wiederum entfällt der weitaus größte Teil auf Forderungen gegenüber Gesellschaftern.
Diese gingen von 2.703.091,82 Euro auf 2.166.334,63 Euro zurück.
Innerhalb eines Jahres wurden damit rund 536.757 Euro beziehungsweise 19,9 Prozent dieser Forderungen abgebaut.
Trotz des Rückgangs bleiben sie mit mehr als 2,16 Millionen Euro die dominierende Vermögensposition der Gesellschaft.
Rund 94 Prozent des gesamten Umlaufvermögens entfallen Ende 2025 auf Forderungen gegen Gesellschafter.
Der Anhang liefert dazu eine wichtige Erklärung: Es handelt sich um Forderungen aus Verrechnungskonten, die zugleich Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen darstellen.
Damit wird deutlich, wie stark die Bilanz von konzern- beziehungsweise gesellschafterinternen Finanzbeziehungen geprägt ist.
Der Windpark besitzt bilanziell also nicht etwa zwei Millionen Euro Bankguthaben.
Vielmehr bestehen in dieser Größenordnung Zahlungsansprüche gegenüber Gesellschaftern beziehungsweise verbundenen Unternehmen.
Das ist für die Bewertung der Bilanz ein wesentlicher Unterschied.
Positiv ist zunächst, dass diese Forderungen laut Anhang vollständig eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr haben.
Damit sind sie bilanziell kurzfristig.
Ob und wann die entsprechenden Beträge tatsächlich gezahlt oder über die Verrechnungskonten ausgeglichen werden, geht aus dem veröffentlichten Abschluss jedoch nicht hervor.
Bemerkenswert ist außerdem, dass kein gesonderter größerer Bank- oder Kassenbestand ausgewiesen wird.
Das gesamte Umlaufvermögen erscheint unter Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen.
Damit hängt die kurzfristige Vermögensstruktur der Gesellschaft wesentlich von der Werthaltigkeit und Einbringlichkeit dieser Forderungen ab.
Auf der anderen Seite der Bilanz gibt es ebenfalls Bewegung.
Die gesamten Verbindlichkeiten gingen von 2.865.223,26 Euro auf 2.121.017,38 Euro zurück.
Das entspricht einem Abbau um 744.205,88 Euro beziehungsweise knapp 26 Prozent.
Auf den ersten Blick ist das eine deutliche Entschuldung.
Doch bei genauerem Hinsehen hat sich gleichzeitig die Laufzeitstruktur erheblich verändert.
Ende 2024 hatten lediglich 342.331,92 Euro der Verbindlichkeiten eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr.
Ende 2025 sind es bereits 805.807,38 Euro.
Der kurzfristig fällige Schuldenblock hat sich damit innerhalb eines Jahres um rund 463.475 Euro beziehungsweise rund 135 Prozent erhöht.
Das ist eine der auffälligsten Veränderungen des gesamten Jahresabschlusses.
Während die Gesamtverschuldung sinkt, steigt der kurzfristig fällige Teil kräftig.
Im Gegenzug sind die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr deutlich zurückgegangen.
Sie sanken von 2.522.891,34 Euro auf 1.315.210 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 1,21 Millionen Euro beziehungsweise fast 48 Prozent.
Die Bilanz erzählt damit nicht einfach nur die Geschichte einer sinkenden Verschuldung.
Sie erzählt gleichzeitig die Geschichte einer deutlichen Verschiebung hin zu kurzfristigeren Fälligkeiten.
Das muss nicht zwangsläufig problematisch sein. Es kann beispielsweise mit planmäßigen Tilgungen beziehungsweise dem Näherrücken von Fälligkeiten zusammenhängen.
Welche konkreten Kredite oder Verpflichtungen dahinterstehen, erläutert der veröffentlichte Abschluss allerdings nicht vollständig.
Für eine wirtschaftliche Bewertung ist deshalb die Gegenüberstellung interessant.
Auf der Aktivseite stehen 2,31 Millionen Euro Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände, die sämtlich innerhalb eines Jahres fällig sein sollen.
Auf der Passivseite stehen rund 805.800 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten.
Rein bilanziell übersteigen die kurzfristigen Forderungen damit die kurzfristigen Schulden erheblich.
Das ist zunächst ein wichtiger Puffer.
Allerdings handelt es sich beim größten Teil der Forderungen um Verrechnungskonten gegenüber Gesellschaftern beziehungsweise verbundenen Unternehmen. Deshalb hängt die Aussagekraft dieser Deckung auch davon ab, wie werthaltig und tatsächlich realisierbar diese Ansprüche sind.
Eine rechtliche Verrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten sollte aus den Bilanzzahlen allein ebenfalls nicht unterstellt werden.
Interessant ist außerdem die Besicherung der Schulden.
Von den insgesamt 2,121 Millionen Euro Verbindlichkeiten sind 2.096.032,53 Euro durch die Verpfändung der Stromerlöse besichert.
Im Vorjahr waren es noch 2.818.241,63 Euro.
Damit ist der besicherte Schuldenbetrag um rund 722.209 Euro oder 25,6 Prozent gesunken.
Fast die gesamten ausgewiesenen Verbindlichkeiten bleiben allerdings weiterhin über die Stromerlöse abgesichert.
Das zeigt, wie eng die Finanzierung mit den Einnahmen des Windparks verbunden ist.
Für Kreditgeber bedeutet eine solche Struktur grundsätzlich, dass Ansprüche auf die Erlöse aus der Stromproduktion als Sicherheit dienen.
Wie hoch diese Stromerlöse 2025 tatsächlich waren, verrät der veröffentlichte Jahresabschluss jedoch nicht.
Und genau hier liegt eine wesentliche Informationslücke.
Eine Gewinn- und Verlustrechnung mit Umsatz, Stromerlösen, Betriebskosten, Abschreibungen, Zinsen und Jahresergebnis ist in den vorgelegten Angaben nicht enthalten.
Deshalb lässt sich aus dieser Bilanz nicht beurteilen, wie profitabel der Windpark 2025 gearbeitet hat.
Man kann weder sagen, ob der Umsatz gestiegen oder gefallen ist, noch ob die Gesellschaft einen Gewinn oder Verlust erwirtschaftet hat.
Das ist gerade deshalb interessant, weil die Anlagen praktisch vollständig abgeschrieben sind.
Bei älteren Windparks können niedrige oder vollständig ausgelaufene Abschreibungen grundsätzlich die Ergebnisrechnung entlasten. Gleichzeitig können mit zunehmendem Anlagenalter beispielsweise Wartungs- und Reparaturkosten wichtiger werden.
Ob einer dieser Effekte bei Mönchengladbach-Hardt 2025 tatsächlich eine Rolle gespielt hat, lässt sich aus dem veröffentlichten Zahlenmaterial aber nicht feststellen.
Auch die Eigenkapitalposition ist auffällig.
Die Gesellschaft weist zum Jahresende lediglich 1.000 Euro Eigenkapital aus.
Dieser Betrag ist gegenüber dem Vorjahr unverändert.
Bei einer Bilanzsumme von 2,312 Millionen Euro entspricht das einer bilanziellen Eigenkapitalquote von nur rund 0,04 Prozent.
Das ist außergewöhnlich niedrig.
Doch auch diese Zahl muss im Kontext der Gesellschaftsform betrachtet werden.
Bei einer GmbH & Co. KG können Kapital- und Finanzierungstrukturen anders aussehen als bei einer klassischen Kapitalgesellschaft. Die Bilanz weist außerdem erhebliche Forderungen innerhalb des Gesellschafter- beziehungsweise Unternehmensverbunds aus.
Aus dem niedrigen Eigenkapital allein lässt sich deshalb weder Zahlungsunfähigkeit noch eine insolvenzrechtliche Überschuldung ableiten.
Die Gesellschaft hat ihren Jahresabschluss ausdrücklich unter der Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufgestellt.
Trotzdem zeigt das Eigenkapital von nur 1.000 Euro, dass die Bilanz praktisch vollständig durch Fremd- beziehungsweise Verpflichtungskapital finanziert ist.
Neben den Verbindlichkeiten bestehen Rückstellungen.
Diese stiegen von 179.457,22 Euro auf 189.933,41 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs um rund 10.476 Euro beziehungsweise 5,8 Prozent.
Welche einzelnen Risiken oder Verpflichtungen hinter den Rückstellungen stehen, wird im vorliegenden Anhang nicht näher aufgeschlüsselt.
Zusätzlich bestehen Verpflichtungen, die überhaupt nicht als klassische Verbindlichkeiten in der Bilanz erscheinen.
Die Gesellschaft weist auf Pachtverträge bis zum Geschäftsjahr 2031 hin.
Die Höhe der daraus entstehenden Verpflichtungen ist variabel.
Für 2025 belief sich die Pacht auf 98.096,43 Euro.
Damit stellt allein die Pacht einen erheblichen laufenden Kostenblock dar.
Wie sich diese Summe im Verhältnis zu den Stromerlösen entwickelt, wäre für die wirtschaftliche Beurteilung des Windparks ausgesprochen interessant.
Diese Information fehlt jedoch mangels veröffentlichter Gewinn- und Verlustrechnung.
Die Gesellschaft sitzt heute in Hamburg und wird beim Amtsgericht Hamburg unter HRA 125778 geführt. Öffentliche Registerdaten führen die Gesellschaft als aktiv.
Auch die Konzernzugehörigkeit lässt sich öffentlich nachvollziehen: Im Geschäftsbericht der dänischen Eurowind-Energy-Gruppe wird die Windpark Mönchengladbach-Hardt GmbH & Co. KG als deutsche Gesellschaft mit einer Beteiligungsquote von 100 Prozent aufgeführt.
Der Jahresabschluss selbst wurde am 5. Mai 2026 unterzeichnet und bereits am 7. Mai 2026 festgestellt. Veröffentlicht wurden die vorliegenden Angaben am 4. September 2026.
Unter dem Strich liefert die Bilanz 2025 mehrere bemerkenswerte Entwicklungen.
Die Bilanzsumme schrumpft um rund 734.000 Euro.
Die Verbindlichkeiten sinken um rund 744.000 Euro.
Die Forderungen gegenüber Gesellschaftern reduzieren sich um rund 537.000 Euro.
Gleichzeitig wächst der kurzfristig fällige Teil der Schulden von 342.000 Euro auf fast 806.000 Euro.
Die langfristigen Verbindlichkeiten werden dagegen um mehr als 1,2 Millionen Euro zurückgeführt.
Und über allem steht eine ungewöhnliche Zahl:
Drei Euro.
Mehr Sachanlagevermögen steht für die Windenergieanlagen Ende 2025 nicht mehr in der Bilanz.
Das bedeutet nicht, dass der Windpark wirtschaftlich nur drei Euro wert wäre. Es zeigt vielmehr, dass die Anlagen bilanziell weitgehend abgeschrieben sind.
Gerade dadurch wird die zentrale Frage umso spannender:
Wie viel Geld erwirtschaften diese fast vollständig abgeschriebenen Anlagen noch?
Darauf gibt der veröffentlichte Jahresabschluss leider keine Antwort.
Für eine wirkliche Beurteilung wären vor allem die Stromerlöse, laufenden Betriebs- und Wartungskosten, Zinsaufwendungen sowie der Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag notwendig.