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47 Jahre nach seinem Tod: Warum Heinz Erhardts privater Nachlass erst jetzt öffentlich wird

nricky (CC0), Pixabay

Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Tod von Heinz Erhardt bekommt der umfangreiche Nachlass des beliebten Komikers ein neues Zuhause. Briefe, Fotos, seine Schreibmaschine und vor allem 19 persönliche Tagebücher werden als Dauerleihgabe an das Haus der Geschichte in Bonn übergeben.

Doch warum geschieht das erst jetzt?

Der entscheidende Grund ist ein jahrelanger Streit unter den Erben. Erst nachdem dieser beigelegt werden konnte, wurde der Weg für die Übergabe der Sammlung frei.

Jahrzehntelang in einem Hamburger Keller

Bislang lagerte der Nachlass in einem Keller in Hamburg. In dem Haus lebt noch heute eine Tochter Erhardts.

Es handelt sich dabei keineswegs nur um einige Erinnerungsstücke. Besonders wertvoll für die historische Forschung dürften die 19 Tagebücher sein, die Heinz Erhardt seit den 1940er-Jahren führte.

Darin schrieb er vor allem über seine Arbeit, seine Filme, Auftritte und Erlebnisse.

Die Aufzeichnungen zeigen dabei offenbar auch eine Seite des Komikers, die sein Publikum kaum kannte. So konnte sich Erhardt beispielsweise mächtig darüber ärgern, wenn Journalisten seinen Namen fälschlicherweise „Ehrhardt“ statt „Erhardt“ schrieben.

Auch über seine eigenen Filmprojekte äußerte er sich in seinen Tagebüchern mitunter ausgesprochen deutlich.

Heinz Erhardt hatte Angst, vergessen zu werden

Besonders berührend ist eine Aussage seiner Enkelin Nicola Tyszkiewicz. Danach soll Heinz Erhardt geradezu panische Angst davor gehabt haben, nach seinem Tod vergessen zu werden.

Deshalb habe er enorm viel gearbeitet – teilweise ohne Rücksicht auf seine eigene Gesundheit.

Diese Sorge hat sich rückblickend als unbegründet erwiesen. Noch Jahrzehnte nach seinem Tod gehören seine Wortspiele, Gedichte und Filme für viele Menschen zum festen Bestandteil deutscher Unterhaltungsgeschichte.

Haus der Geschichte macht eine Ausnahme

Auch die Entscheidung des Hauses der Geschichte ist bemerkenswert. Nach Angaben von Sammlungsdirektor Manfred Wichmann übernimmt das Museum normalerweise keine vollständigen Nachlässe.

Bei Heinz Erhardt wird jedoch eine Ausnahme gemacht.

Der Grund: Seine Bedeutung beschränkt sich aus Sicht des Museums nicht auf seine Rolle als Komiker. Seine Filme und sein Humor spiegeln zugleich gesellschaftliche Verhältnisse und Umgangsformen ihrer Zeit wider.

Damit können seine persönlichen Aufzeichnungen auch dabei helfen, die deutsche Nachkriegszeit und ihre Alltagskultur besser zu verstehen.

Tagebücher werden jetzt erstmals wissenschaftlich erschlossen

Ein sofortiges öffentliches Betrachten der Sammlung wird allerdings noch nicht möglich sein.

In Bonn beginnt zunächst eine umfangreiche Aufarbeitung. Die Dokumente und Gegenstände werden gelesen, vermessen, fotografiert, digitalisiert und katalogisiert.

Gerade die Tagebücher könnten dabei noch zahlreiche bislang unbekannte Einblicke in das Leben und Denken Heinz Erhardts liefern.

Öffentlichkeit muss sich noch bis 2029 gedulden

Voraussichtlich 2029 könnten Teile des Nachlasses erstmals öffentlich präsentiert werden.

Das Jahr wäre gleich in zweifacher Hinsicht passend: Dann liegt Heinz Erhardts Tod 50 Jahre zurück, gleichzeitig wäre der 1909 geborene Künstler 120 Jahre alt geworden.

Ausgerechnet ein Mann, der zu Lebzeiten große Angst davor gehabt haben soll, irgendwann vergessen zu werden, bekommt damit ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod einen dauerhaften Platz in einem der bedeutendsten zeitgeschichtlichen Museen Deutschlands.

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