Der Jahresabschluss 2025 der Zweite Windpark Drostenplatz GmbH & Co. KG zeigt aus Anlegersicht ein durchaus interessantes Bild: Auf der einen Seite steht eine weiterhin hohe Fremdfinanzierung von mehr als 20 Millionen Euro. Auf der anderen Seite verfügt die Gesellschaft über fast 5,9 Millionen Euro liquide Mittel und hat ihre Bankverschuldung im vergangenen Jahr deutlich reduziert. Die Gesellschaft betreibt laut Anhang 17 Windenergieanlagen vom Typ ENERCON E-70.
Bilanzsumme schrumpft deutlich
Die Bilanzsumme ging 2025 von rund 30,81 Millionen Euro auf 28,34 Millionen Euro zurück. Wesentliche Ursache ist das Anlagevermögen: Es sank von knapp 22,96 Millionen Euro auf 21,04 Millionen Euro. Allein auf die Sachanlagen entfielen Abschreibungen von rund 1,93 Millionen Euro. Neue Sachanlagen wurden 2025 dagegen nicht angeschafft.
Bei einem bestehenden Windpark ist ein sinkender Anlagenbuchwert zunächst nichts Ungewöhnliches. Windenergieanlagen werden planmäßig abgeschrieben. Für Anleger ist jedoch wichtig, zwischen buchhalterischem Werteverzehr und technischem Zustand zu unterscheiden. Aus dem Jahresabschluss allein lässt sich nicht beurteilen, welche Restnutzungsdauer die Anlagen tatsächlich haben und welche größeren Ersatzinvestitionen künftig erforderlich werden könnten.
Fast 5,9 Millionen Euro auf den Bankkonten
Positiv fällt zunächst die Liquiditätsausstattung auf. Zum Jahresende verfügte die Gesellschaft über 5,88 Millionen Euro an liquiden Mitteln. Ein Jahr zuvor waren es allerdings noch 6,42 Millionen Euro. Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände lagen bei rund 1,37 Millionen Euro.
Damit besitzt der Windpark weiterhin ein erhebliches finanzielles Polster. Allerdings ist dabei eine Besonderheit zu beachten: Nach den Angaben im Anhang gehört eine verpfändete Liquiditätsreserve zum Finanzierungskonzept. Diese soll insbesondere dazu dienen, den Kapitaldienst in windschwachen Jahren abzusichern. Wird sie dafür beansprucht, ist sie anschließend aus laufenden Einspeiseerlösen wieder aufzufüllen.
Für Anleger bedeutet das: Bankguthaben ist nicht automatisch mit frei ausschüttbarer Liquidität gleichzusetzen.
Eigenkapital steigt – ein erfreuliches Signal
Das Eigenkapital erhöhte sich von rund 6,11 Millionen Euro auf 6,38 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von etwa 268.000 Euro. Bezogen auf die Bilanzsumme ergibt sich eine Eigenkapitalquote von rund 22,5 Prozent, gegenüber knapp 19,8 Prozent im Vorjahr.
Das ist grundsätzlich eine positive Entwicklung.
Bemerkenswert ist allerdings, dass in der Bilanz weder ein Bilanzgewinn noch ein Bilanzverlust ausgewiesen wird. Wer die tatsächliche Ertragskraft des Windparks beurteilen möchte, benötigt daher zusätzlich die vollständige Gewinn- und Verlustrechnung sowie Informationen über Ausschüttungen und die Entwicklung der Gesellschafterkonten.
Verschuldung sinkt um rund 2,66 Millionen Euro
Besonders interessant ist die Entwicklung auf der Fremdkapitalseite.
Die Verbindlichkeiten reduzierten sich innerhalb eines Jahres von 22,73 Millionen Euro auf 20,07 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von rund 2,66 Millionen Euro beziehungsweise knapp zwölf Prozent.
Das spricht zunächst für einen erheblichen Tilgungsfortschritt.
Gleichzeitig bleibt die absolute Verschuldung hoch. Laut Verbindlichkeitenspiegel entfallen rund 19,38 Millionen Euro auf Bankverbindlichkeiten. Davon haben etwa 9,59 Millionen Euro eine Laufzeit zwischen zwei und fünf Jahren und weitere 7,39 Millionen Euro eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.
Die langfristige Finanzierung bleibt damit einer der zentralen Faktoren für die wirtschaftliche Entwicklung des Windparks.
Auffälligkeit bei den kurzfristigen Verbindlichkeiten
Beim Lesen des Abschlusses fällt allerdings eine erklärungsbedürftige Abweichung auf.
In der Bilanz werden Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr von 696.105 Euro ausgewiesen.
Der Verbindlichkeitenspiegel nennt dagegen kurzfristige Bankverbindlichkeiten von 2,397 Millionen Euro sowie weitere 696.105 Euro aus Lieferungen und Leistungen – zusammen also 3,093 Millionen Euro.
Das muss nicht zwingend auf einen wirtschaftlichen Fehler hindeuten; unterschiedliche Ausweis- oder Zuordnungsfragen können eine Rolle spielen. Aus dem vorliegenden Dokument lässt sich die Differenz jedoch nicht auflösen. Für Anleger wäre eine Erläuterung dieser Abweichung sinnvoll.
Banken haben sich umfangreich abgesichert
Die Finanzierung ist umfassend besichert. Genannt werden unter anderem die Sicherungsübereignung der 17 Windenergieanlagen und des Umspannwerks sowie Dienstbarkeiten zugunsten der finanzierenden Bank.
Hinzu kommen Abtretungen von Ansprüchen aus dem Betrieb der Anlagen, Versicherungen und Wartungsverträgen.
Für eine Projektfinanzierung eines Windparks sind umfangreiche Sicherheiten nicht grundsätzlich ungewöhnlich. Anleger sollten daraus aber die richtige Konsequenz ziehen: Im wirtschaftlichen Krisenfall haben finanzierende Banken aufgrund solcher Sicherheiten eine starke Position.
Keine bilanzierten Haftungsverhältnisse
Positiv ist wiederum, dass zum Bilanzstichtag keine Haftungsverhältnisse im Sinne des § 251 HGB bestanden.
Gegenüber Gesellschaftern bestanden laut Anhang Verbindlichkeiten von rund 166.266 Euro.
Anlegerfazit: Entschuldung macht Fortschritte – Ertragskraft bleibt die entscheidende offene Frage
Der Jahresabschluss 2025 liefert mehrere positive Signale: Die Bank- und Gesamtverbindlichkeiten gehen deutlich zurück, das Eigenkapital steigt und mit fast 5,9 Millionen Euro besteht ein beträchtlicher Liquiditätsbestand.
Dem stehen weiterhin rund 20,1 Millionen Euro Verbindlichkeiten, ein abschreibungsbedingt sinkender Anlagenwert und umfangreiche Sicherungsrechte der finanzierenden Bank gegenüber.
Besonders klärungsbedürftig erscheint die unterschiedliche Darstellung der kurzfristigen Verbindlichkeiten in Bilanz und Verbindlichkeitenspiegel.
Für eine abschließende Bewertung aus Anlegersicht fehlt außerdem eine entscheidende Information: Wie profitabel produzieren die 17 Windenergieanlagen tatsächlich? Ohne vollständige Gewinn- und Verlustrechnung, Stromproduktion, Erlöse, Zinsaufwand, Ausschüttungen und Informationen zur technischen Restlaufzeit lässt sich aus der Bilanz allein nicht ableiten, ob die Beteiligung wirtschaftlich besonders attraktiv oder lediglich solide finanziert ist.
Die Bilanz vermittelt daher kein akutes Alarmsignal. Sie zeigt vielmehr einen Windpark, der seine Verschuldung sichtbar abbaut und über erhebliche Liquidität verfügt – bei dem Anleger aber genauer hinschauen sollten, wie viel davon tatsächlich frei verfügbar ist und welche Erträge nach Kapitaldienst, Betriebskosten und notwendigen Rücklagen übrig bleiben.