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WestWind-Windpark reduziert Schulden – doch die Liquidität bricht deutlich ein

geralt (CC0), Pixabay

Die 87. WestWind Windpark GmbH & Co. KG aus Kirchdorf hat ihre Verschuldung im Geschäftsjahr 2024 deutlich zurückgeführt. Gleichzeitig zeigt der veröffentlichte Jahresabschluss eine auffällige Entwicklung auf der Aktivseite: Die liquiden Mittel sind innerhalb eines Jahres um mehr als 60 Prozent gesunken. Zugleich erhöhten sich die Forderungen gegenüber Gesellschaftern. Die Zahlen zeichnen damit ein differenziertes Bild der Finanzlage des Windparkunternehmens.

Die Bilanzsumme sank zum 31. Dezember 2024 auf rund 3,48 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 4,19 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 704.000 Euro beziehungsweise knapp 17 Prozent.

Ein wesentlicher Grund dafür liegt im Anlagevermögen. Dieses reduzierte sich von 3,13 Millionen Euro auf 2,76 Millionen Euro. Besonders die Sachanlagen, zu denen bei einer Windparkgesellschaft insbesondere die technische Infrastruktur gehört, gingen von rund 3,04 Millionen auf 2,68 Millionen Euro zurück. Nach Angaben des Unternehmens werden die abnutzbaren Vermögensgegenstände planmäßig linear abgeschrieben. Ein solcher Rückgang des Buchwertes ist bei bestehenden Windenergieanlagen daher zunächst ein regulärer bilanzieller Vorgang.

Bankguthaben sinken um mehr als 470.000 Euro

Deutlich auffälliger ist die Entwicklung der Liquidität. Ende 2023 verfügte die Gesellschaft noch über Kassen- und Bankguthaben von 759.313,94 Euro. Ein Jahr später waren davon noch 287.640,59 Euro vorhanden.

Damit verringerte sich der Zahlungsmittelbestand um rund 471.700 Euro oder 62 Prozent.

Dieser Rückgang sollte allerdings nicht isoliert betrachtet werden. Parallel hat die Gesellschaft ihre Verbindlichkeiten erheblich reduziert. Ein Teil des Liquiditätsabflusses könnte daher mit der Rückführung von Fremdkapital zusammenhängen. Einen detaillierten Cashflow-Bericht enthält das vorliegende Zahlenwerk jedoch nicht, sodass sich die konkrete Verwendung der Zahlungsmittel daraus nicht eindeutig nachvollziehen lässt.

Insgesamt sank das Umlaufvermögen von rund 1,05 Millionen Euro auf 710.597 Euro.

Forderungen steigen deutlich

Während die Bankguthaben zurückgingen, entwickelte sich ein anderer Posten in die entgegengesetzte Richtung. Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände stiegen von rund 288.064 Euro auf 422.957 Euro – ein Zuwachs von knapp 47 Prozent.

Besonders bemerkenswert sind dabei die Forderungen gegenüber Gesellschaftern. Diese erhöhten sich von 128.043 Euro auf 193.546 Euro und damit um rund 51 Prozent.

Aus der Bilanz allein lässt sich allerdings nicht erkennen, wodurch diese Forderungen entstanden sind oder wann sie beglichen werden sollen. Für eine tiefergehende Beurteilung wäre deshalb unter anderem deren Zusammensetzung und Fälligkeit von Interesse.

Schuldenabbau schreitet voran

Auf der Passivseite ist dagegen eine klare Entschuldung zu erkennen. Die gesamten Verbindlichkeiten gingen von rund 3,53 Millionen Euro auf 2,92 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen hat seine bilanziellen Verpflichtungen damit innerhalb eines Jahres um rund 617.800 Euro beziehungsweise 17,5 Prozent reduziert.

Auch die kurzfristigen Verbindlichkeiten gingen deutlich zurück. Verpflichtungen mit einer Restlaufzeit von höchstens einem Jahr beliefen sich Ende 2024 auf rund 418.749 Euro. Ende 2023 waren es noch 666.526 Euro.

Die längerfristigen Verbindlichkeiten reduzierten sich von 2,87 Millionen auf knapp 2,50 Millionen Euro.

Noch deutlicher zeigt sich der Rückgang bei den besonders langfristigen Verpflichtungen: Verbindlichkeiten mit mehr als fünf Jahren Restlaufzeit gingen von rund 1,39 Millionen Euro auf 1,02 Millionen Euro zurück.

Diese Entwicklung deutet auf eine fortschreitende Tilgung der langfristigen Projektfinanzierung hin.

Fast 2,9 Millionen Euro sind besichert

Trotz des Schuldenabbaus bleibt die Fremdfinanzierung ein wesentlicher Bestandteil der Bilanz. Nach Angaben im Anhang beträgt der Gesamtbetrag der Verbindlichkeiten, die durch Pfandrechte oder vergleichbare Rechte gesichert sind, 2,87 Millionen Euro.

Damit ist ein sehr großer Teil der ausgewiesenen Verbindlichkeiten besichert. Das ist bei langfristig finanzierten Windenergieprojekten grundsätzlich keine ungewöhnliche Konstruktion. Welche Sicherheiten konkret bestellt wurden, wird in den vorliegenden Angaben jedoch nicht weiter erläutert.

Die Rückstellungen gingen ebenfalls deutlich zurück: von 111.563 Euro auf 34.501 Euro. Die passiven latenten Steuern verringerten sich von 120.468 Euro auf 111.072 Euro.

Eigenkapitalquote steigt – allerdings nur rechnerisch

Das ausgewiesene Eigenkapital blieb mit 420.000 Euro unverändert. Die Kapitalanteile der Kommanditisten belaufen sich zwar auf 1,4 Millionen Euro, allerdings stehen diesen nicht eingeforderte ausstehende Einlagen von 980.000 Euro gegenüber. Als eingefordertes Kapital verbleiben damit 420.000 Euro.

Da die Bilanzsumme gleichzeitig deutlich zurückgegangen ist, verbessert sich die rechnerische Eigenkapitalquote. Sie steigt von rund 10,0 Prozent im Jahr 2023 auf etwa 12,1 Prozent Ende 2024.

Die Verbesserung ist damit nicht auf einen Aufbau zusätzlichen Eigenkapitals zurückzuführen, sondern in erster Linie auf die verkürzte Bilanz beziehungsweise den Abbau von Fremdkapital.

Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird mit null Euro angegeben.

Vergleich mit dem Schwester-Windpark fällt auf

Bemerkenswert ist, dass die Bilanzstruktur nahezu parallel zu der zuvor betrachteten 86. WestWind Windpark GmbH & Co. KG verläuft. Beide Gesellschaften weisen Ende 2024 jeweils 420.000 Euro Eigenkapital und rund 2,916 Millionen Euro Verbindlichkeiten aus. Auch die langfristigen Verpflichtungen und die Höhe der besicherten Verbindlichkeiten sind nahezu beziehungsweise vollständig identisch.

Unterschiede zeigen sich insbesondere beim Umlaufvermögen. Bei der 87. WestWind Windpark GmbH & Co. KG war der Rückgang der Bankguthaben noch ausgeprägter: von rund 759.000 Euro auf knapp 288.000 Euro. Gleichzeitig lagen die Forderungen gegenüber Gesellschaftern mit rund 193.500 Euro höher als bei der 86. WestWind Windpark GmbH & Co. KG.

Das spricht für sehr ähnlich strukturierte Projektgesellschaften, erlaubt aber allein noch keine Aussage darüber, wie sich die jeweiligen Windparks operativ entwickelt haben.

Entscheidende Ertragszahlen fehlen

Genau hier liegt eine Grenze der veröffentlichten Informationen. Aus der Bilanz lässt sich erkennen, dass Vermögenswerte abgeschrieben, Schulden getilgt und erhebliche liquide Mittel eingesetzt wurden. Nicht erkennbar ist dagegen, wie profitabel der Windpark 2024 tatsächlich gearbeitet hat.

Angaben zu Umsatzerlösen, Stromproduktion, Strompreisen, Betriebskosten, Zinsen oder einem Jahresüberschuss beziehungsweise Jahresfehlbetrag sind in den vorliegenden Informationen nicht enthalten.

Damit lässt sich beispielsweise nicht beurteilen, ob die Schuldentilgung vollständig aus dem operativen Cashflow finanziert wurde oder ob weitere Faktoren für den starken Rückgang der Liquidität verantwortlich waren.

Fazit: Entschuldung positiv – Liquiditätsentwicklung im Blick behalten

Der Jahresabschluss der 87. WestWind Windpark GmbH & Co. KG zeigt zunächst eine deutliche Entschuldung. Innerhalb eines Jahres wurden die Verbindlichkeiten um mehr als 600.000 Euro reduziert. Auch die langfristige Verschuldung nimmt erkennbar ab, während sich die rechnerische Eigenkapitalquote verbessert.

Dem steht jedoch ein erheblicher Rückgang der liquiden Mittel gegenüber. Innerhalb eines Jahres verschwanden rund 472.000 Euro aus dem Kassen- und Bankbestand. Gleichzeitig stiegen die Forderungen gegenüber Gesellschaftern auf fast 194.000 Euro.

Das ist nicht automatisch ein Warnsignal: Bei einer Windpark-Projektgesellschaft können Tilgungen und andere projektbezogene Zahlungen erhebliche Liquiditätsbewegungen verursachen. Für eine abschließende wirtschaftliche Bewertung reichen die veröffentlichten Bilanzdaten jedoch nicht aus. Entscheidend wären insbesondere Gewinn- und Verlustrechnung, Cashflow, Stromerlöse und Kapitaldienst.

Der Jahresabschluss dokumentiert damit vor allem eines: Der Windpark baut seine Fremdfinanzierung konsequent ab – bezahlt dafür aber zumindest bilanziell mit einem erheblichen Teil seines Liquiditätspolsters.

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