Die 86. WestWind Windpark GmbH & Co. KG mit Sitz in Kirchdorf hat im Geschäftsjahr 2024 ihre Verbindlichkeiten deutlich reduziert. Gleichzeitig zeigt der Jahresabschluss einen erheblichen Rückgang der verfügbaren Bankguthaben. Die Bilanzsumme sank innerhalb eines Jahres von rund 4,07 Millionen Euro auf 3,48 Millionen Euro. Damit fällt die Bilanz des Windparkunternehmens zum Jahresende 2024 um knapp 589.000 Euro beziehungsweise rund 14,5 Prozent kleiner aus als ein Jahr zuvor.
Einen wesentlichen Anteil daran hat die Entwicklung des Anlagevermögens. Dieses verringerte sich von rund 3,16 Millionen Euro auf 2,79 Millionen Euro. Den größten Posten bilden weiterhin die Sachanlagen des Windparks. Ihr Buchwert sank von 3,07 Millionen Euro auf 2,71 Millionen Euro. Der Rückgang dürfte im Wesentlichen auf die planmäßigen Abschreibungen zurückzuführen sein. Nach Angaben im Anhang werden die abnutzbaren Vermögensgegenstände linear über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben.
Auch die immateriellen Vermögensgegenstände gingen leicht von 88.495 Euro auf 84.561 Euro zurück. Die Finanzanlagen spielen mit einem bilanzierten Wert von lediglich einem Euro praktisch keine Rolle.
Bankguthaben mehr als halbiert
Auffällig ist vor allem die Entwicklung der liquiden Mittel. Ende 2023 verfügte die Gesellschaft noch über Bank- und Kassenbestände von knapp 639.748 Euro. Zum 31. Dezember 2024 waren es nur noch rund 287.886 Euro. Damit gingen die liquiden Mittel innerhalb eines Jahres um knapp 352.000 Euro beziehungsweise rund 55 Prozent zurück.
Gleichzeitig stiegen die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände deutlich. Sie erhöhten sich von rund 256.926 Euro auf 387.171 Euro. Darin enthalten sind Forderungen gegenüber Gesellschaftern von rund 161.021 Euro. Im Vorjahr hatten diese noch bei etwa 96.638 Euro gelegen. Die Forderungen gegenüber Gesellschaftern nahmen damit um rund zwei Drittel zu.
Insgesamt reduzierte sich das Umlaufvermögen von knapp 896.674 Euro auf 675.057 Euro. Für die wirtschaftliche Beurteilung ist diese Entwicklung durchaus relevant: Einerseits verfügt die Gesellschaft weiterhin über liquide Mittel und Forderungen in erheblichem Umfang, andererseits ist der unmittelbar verfügbare Zahlungsmittelbestand deutlich niedriger als im Vorjahr.
Verbindlichkeiten sinken um fast eine halbe Million Euro
Positiv fällt auf der Passivseite der weitere Schuldenabbau auf. Die Verbindlichkeiten reduzierten sich von rund 3,41 Millionen Euro auf 2,92 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um knapp 498.000 Euro beziehungsweise rund 14,6 Prozent.
Von den Ende 2024 bestehenden Verbindlichkeiten waren rund 418.768 Euro innerhalb eines Jahres fällig. Weitere knapp 2,50 Millionen Euro hatten eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.
Auch bei den besonders langfristigen Verpflichtungen ist eine deutliche Abnahme zu erkennen. Die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren gingen nach Angaben im Anhang von rund 1,39 Millionen Euro auf knapp 1,02 Millionen Euro zurück.
Der Schuldenabbau spricht dafür, dass die Finanzierung des Windparks weiter zurückgeführt wird. Bei Windenergieprojekten ist eine hohe Fremdfinanzierung grundsätzlich nicht ungewöhnlich, weil die Anlagen zu Beginn erhebliche Investitionen erfordern und Kredite anschließend über viele Jahre aus den laufenden Einnahmen zurückgeführt werden.
Hoher Anteil besicherter Verbindlichkeiten
Allerdings sind erhebliche Teile der Finanzierung besichert. Laut Jahresabschluss beläuft sich der Gesamtbetrag der durch Pfandrechte oder vergleichbare Rechte gesicherten Verbindlichkeiten auf 2,87 Millionen Euro.
Damit steht einem großen Teil der Fremdfinanzierung eine entsprechende Besicherung gegenüber. Welche konkreten Vermögenswerte oder Rechte als Sicherheiten dienen, wird in dem veröffentlichten Anhang nicht näher erläutert.
Die Rückstellungen gingen unterdessen stark zurück. Ende 2023 standen noch rund 111.069 Euro in der Bilanz, ein Jahr später waren es lediglich 28.774 Euro. Daneben weist die Gesellschaft passive latente Steuern von rund 111.657 Euro aus, nach 120.923 Euro im Vorjahr.
Eigenkapital bleibt unverändert
Das ausgewiesene Eigenkapital beträgt weiterhin 420.000 Euro. Bemerkenswert ist dabei die Struktur: Die Kapitalanteile der Kommanditisten belaufen sich grundsätzlich auf 1,4 Millionen Euro. Davon werden jedoch nicht eingeforderte ausstehende Einlagen von 980.000 Euro abgezogen. Damit verbleibt bilanziell ein eingefordertes Kapital von 420.000 Euro.
Gemessen an der Bilanzsumme von knapp 3,48 Millionen Euro ergibt sich daraus eine Eigenkapitalquote von lediglich rund 12,1 Prozent. Im Vorjahr lag sie wegen der höheren Bilanzsumme bei etwa 10,3 Prozent. Die rechnerische Eigenkapitalquote hat sich somit verbessert – allerdings nicht durch zusätzliches Eigenkapital, sondern vor allem durch die gesunkene Bilanzsumme und den Abbau von Verbindlichkeiten.
Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird nicht ausgewiesen. Aus der veröffentlichten Bilanz lässt sich deshalb nicht unmittelbar erkennen, welchen Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag der Windpark 2024 erwirtschaftet hat. Auch Angaben zu Umsatzerlösen oder Stromerlösen enthält das vorliegende Zahlenwerk nicht. Eine belastbare Aussage zur operativen Ertragskraft ist auf Grundlage dieser Veröffentlichung daher nicht möglich.
Keine eigenen Beschäftigten
Die Gesellschaft beschäftigte im Geschäftsjahr durchschnittlich keine Arbeitnehmer. Für eine projektbezogene Windparkgesellschaft ist dies nicht ungewöhnlich. Betrieb, technische Betreuung und kaufmännische Verwaltung solcher Gesellschaften können über externe Dienstleister oder verbundene Unternehmen organisiert werden.
Die Geschäftsführung erfolgt über die Westwind Verwaltungs GmbH als Komplementärin. Der Jahresabschluss wurde am 19. Dezember 2025 unterzeichnet und am 21. Januar 2026 festgestellt. Veröffentlicht wurde er am 25. Februar 2026.
Bilanz zeigt zwei unterschiedliche Entwicklungen
Unter dem Strich vermittelt der Jahresabschluss ein gemischtes Bild. Auf der einen Seite steht ein erkennbarer Schuldenabbau: Die Verbindlichkeiten gingen innerhalb eines Jahres um fast eine halbe Million Euro zurück, auch die langfristigen Verpflichtungen wurden reduziert. Dadurch verbesserte sich rechnerisch die Eigenkapitalquote.
Auf der anderen Seite ist die Liquiditätsentwicklung aufmerksam zu beobachten. Die Bankguthaben sanken um mehr als die Hälfte, während gleichzeitig die Forderungen – insbesondere gegenüber Gesellschaftern – zunahmen. Das bedeutet nicht automatisch eine wirtschaftliche Schieflage, ist aber eine Entwicklung, die bei einer Analyse der Finanzlage berücksichtigt werden sollte.
Für eine umfassende Bewertung fehlen zudem entscheidende Informationen: insbesondere Umsatz, Stromproduktion, operative Kosten, Zinsaufwendungen, Tilgungsleistungen und Jahresergebnis. Die Bilanz zeigt daher vor allem, wie sich Vermögen und Finanzierung verändert haben. Ob der Windpark 2024 wirtschaftlich erfolgreich gearbeitet hat und wie komfortabel er seinen Kapitaldienst aus dem laufenden Geschäft bedienen kann, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben allein nicht abschließend beurteilen.