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Sonnenfinsternis lässt Solarstrom einbrechen – britische Haushalte werden fürs Stromsparen belohnt
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Sonnenfinsternis lässt Solarstrom einbrechen – britische Haushalte werden fürs Stromsparen belohnt

Buddy_Nath (CC0), Pixabay

Die Sonnenfinsternis am 12. August 2026 ist nicht nur ein besonderes Naturschauspiel, sondern stellt auch die europäischen Stromnetze vor eine ungewöhnliche Situation. Weil der Mond am Abend große Teile der Sonne verdeckt, geht die Produktion von Solarstrom zeitweise deutlich zurück. Eine Gefahr für die Stromversorgung besteht nach Angaben der Netzbetreiber allerdings nicht.

Besonders bemerkenswert ist die Reaktion in Großbritannien: Dort sollen Millionen Haushalte ihren Stromverbrauch während der Sonnenfinsternis reduzieren. Wer mitmacht, wird mit einer Stunde Gratisstrom belohnt.

Solarstromproduktion sinkt innerhalb kurzer Zeit

In Deutschland beginnt die partielle Sonnenfinsternis je nach Standort gegen 19 Uhr. Der Mond verdeckt dabei etwa 84 bis 90 Prozent der Sonne. Weiter westlich fällt die Verdunkelung noch stärker aus. In Teilen Spaniens ist sogar eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Auch im äußersten Nordosten Portugals wird die Sonne für kurze Zeit vollständig verdeckt.

Die vollständige Verdunkelung dauert zwar nur wenige Minuten. Der gesamte Vorgang zieht sich jedoch über mehr als zwei Stunden hin. Für die Stromversorgung ist das entscheidend: Die Leistung der zahlreichen Solaranlagen geht innerhalb relativ kurzer Zeit zurück.

Nach Berechnungen des europäischen Übertragungsnetzverbands ENTSO-E könnte die Solarstromeinspeisung zwischen etwa 19.15 und 21.30 Uhr um bis zu knapp zehn Gigawatt sinken. Besonders betroffen sind Deutschland und Spanien.

Die Netzbetreiber haben sich darauf vorbereitet. Unter anderem wurden zusätzliche Kraftwerksreserven eingeplant und Wartungsarbeiten verschoben.

Keine Gefahr für die Stromversorgung in Deutschland

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber rechnen trotz des erheblichen Rückgangs der Solarstromproduktion nicht mit Problemen bei der Versorgungssicherheit. Verbraucher müssen deshalb keinen Stromausfall wegen der Sonnenfinsternis befürchten.

Deutlich bemerkbar macht sich das Ereignis allerdings an der Strombörse. Für kurzfristig gehandelten Strom werden am Abend zeitweise Preise von mehr als 400 Euro je Megawattstunde aufgerufen. Das entspricht mehr als 40 Cent je Kilowattstunde und liegt deutlich über dem üblichen Börsenpreis.

Für Haushalte mit einem dynamischen Stromtarif kann dies unmittelbar von Bedeutung sein. Wer einen intelligenten Stromzähler besitzt, kann seinen Verbrauch stärker auf günstigere Stunden verlagern. Auch Energieversorger können beispielsweise das Laden eines Elektroautos, den Einsatz einer Wärmepumpe oder eines Batteriespeichers entsprechend steuern.

Großbritannien belohnt Stromsparen mit Gratisstrom

In Großbritannien fällt die Sonnenfinsternis besonders ungünstig mit dem üblichen hohen Stromverbrauch am frühen Abend zusammen. Dort werden bis zu 95 Prozent der Sonne verdeckt.

Genau zu dieser Zeit kommen Millionen Menschen von der Arbeit nach Hause. Herd, Waschmaschine und Geschirrspüler werden eingeschaltet und der Stromverbrauch steigt normalerweise deutlich.

Der Energieversorger Octopus Energy versucht deshalb, seine rund acht Millionen Kunden zum Stromsparen zu bewegen. Teilnehmende Haushalte sollen zwischen 18 und 20 Uhr Ortszeit möglichst auf energieintensive Tätigkeiten wie Waschen oder Kochen verzichten.

Als Belohnung erhalten sie am darauffolgenden Sonntag eine Stunde kostenlosen Strom.

Damit soll der Verbrauch gezielt aus den Stunden mit geringerer Solarstromproduktion und hohen Strompreisen in eine günstigere Zeit verschoben werden.

Warum gibt es das Angebot nicht in Deutschland?

Auch deutsche Haushalte könnten grundsätzlich von einem solchen Modell profitieren. Das entscheidende Problem ist jedoch die technische Ausstattung.

In Großbritannien verfügen bereits große Teile der Haushalte über intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter. Dadurch lässt sich genau feststellen, wann ein Haushalt wie viel Strom verbraucht. Wer seinen Verbrauch zu einer bestimmten Uhrzeit reduziert, kann deshalb gezielt dafür belohnt werden.

Deutschland liegt beim Einbau intelligenter Stromzähler deutlich zurück. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Haushalte verfügt bislang über die notwendige Technik.

Ohne Smart Meter kann der Energieversorger nicht zuverlässig feststellen, ob ein einzelner Kunde während der Sonnenfinsternis tatsächlich weniger Strom verbraucht hat. Eine gezielte Belohnung mit Gratisstrom lässt sich deshalb wesentlich schwerer umsetzen.

Nächste Sonnenfinsternis kommt bereits 2027

Die nächste Sonnenfinsternis steht bereits am 2. August 2027 bevor. Nach Einschätzung der deutschen Netzbetreiber könnte sie stärkere Auswirkungen auf die Solarstromproduktion haben, weil die Verdunkelung dann in die Morgenstunden fällt.

Bis dahin dürfte sich das deutsche Smart-Meter-Problem allerdings nicht grundsätzlich gelöst haben. Der flächendeckende Ausbau intelligenter Stromzähler soll erst in den kommenden Jahren deutlich vorankommen.

Die aktuelle Sonnenfinsternis zeigt damit zugleich, welche Bedeutung intelligente Stromnetze künftig haben können: Verbraucher könnten ihren Stromverbrauch stärker danach ausrichten, wann viel erneuerbare Energie vorhanden und Strom entsprechend günstig ist. Großbritannien demonstriert mit der Gratisstrom-Aktion bereits, wie Haushalte für diese Flexibilität unmittelbar finanziell belohnt werden können.

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