Cyberangriffe auf Banken und Finanzdienstleister gehören zu den größten Risiken für die Stabilität des internationalen Finanzsystems. Um sich auf einen möglichen Großangriff vorzubereiten, haben die G7-Staaten gemeinsam mit Finanzaufsichtsbehörden, Zentralbanken und Unternehmen eine umfassende Krisenübung durchgeführt. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) war an der internationalen Simulation beteiligt.
Nach Angaben der BaFin wurde im Mai 2026 ein groß angelegter Cyberangriff auf Finanzunternehmen in allen sieben G7-Staaten simuliert. Ziel der mehrtägigen Übung war es, die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Finanzinstituten im Krisenfall zu testen und die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems gegenüber Cyberbedrohungen weiter zu stärken.
Angriffsszenario über Ländergrenzen hinweg
Cyberkriminelle machen längst nicht mehr an nationalen Grenzen halt. Gerade Banken, Zahlungsdienstleister und andere Finanzunternehmen sind weltweit digital miteinander vernetzt. Ein erfolgreicher Angriff auf zentrale IT-Systeme könnte deshalb weitreichende Folgen für den internationalen Zahlungsverkehr und die Finanzmärkte haben.
Vor diesem Hintergrund entwickelte die G7-Expertengruppe für Cybersicherheit ein Szenario, bei dem mehrere Finanzunternehmen in verschiedenen Ländern gleichzeitig Ziel eines koordinierten Cyberangriffs wurden. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die technische Abwehr allein, sondern vor allem die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden und Institutionen.
BaFin: Zusammenarbeit ist entscheidend
Für die BaFin war die Übung ein wichtiger Test der internationalen Krisenkoordination. Jens Obermöller, Experte der Finanzaufsicht, betonte, dass Cyberbedrohungen grundsätzlich grenzüberschreitend seien und deshalb auch die Reaktion international abgestimmt erfolgen müsse.
Nach seinen Worten habe die Übung deutlich gemacht, wie wichtig ein enges Zusammenspiel der Finanzaufsichtsbehörden innerhalb der G7 sei. Nur durch koordinierte Entscheidungen lasse sich die Stabilität des globalen Finanzsystems im Ernstfall wirksam schützen. Die BaFin wolle die gewonnenen Erkenntnisse nun in ihre weitere Arbeit einfließen lassen.
23 Institutionen beteiligten sich
An der internationalen Krisensimulation nahmen insgesamt 23 Institutionen teil. Dazu gehörten Finanzaufsichtsbehörden, Finanzministerien, Zentralbanken sowie Vertreter der Finanzwirtschaft aus den G7-Staaten.
Deutschland wurde dabei von drei zentralen Einrichtungen vertreten:
- der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin),
- der Deutschen Bundesbank sowie
- dem Bundesministerium der Finanzen.
Diese Institutionen arbeiten auch im Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) zusammen. Das Gremium beobachtet Risiken für das deutsche Finanzsystem und entwickelt Strategien, um dessen Stabilität langfristig zu sichern.
Cyberkriminalität entwickelt sich rasant
Die Übung verdeutlicht, wie stark sich die Bedrohungslage im Finanzsektor verändert hat. Cyberangriffe gehören inzwischen zu den größten operativen Risiken für Banken und Finanzdienstleister. Neben klassischen Erpressungsangriffen durch Ransomware geraten zunehmend auch Zahlungsverkehrssysteme, Börseninfrastrukturen und Cloud-Dienstleister ins Visier professioneller Hackergruppen.
Da viele Finanzunternehmen international vernetzt arbeiten, können Angriffe auf einzelne Dienstleister schnell Auswirkungen auf zahlreiche Institute und Kunden haben. Entsprechend gewinnt die internationale Zusammenarbeit bei der Cybersicherheit immer mehr an Bedeutung.
Übungen sollen den Ernstfall verhindern
Die G7-Expertengruppe führt derartige Krisenübungen regelmäßig durch. Bereits vor zwei Jahren hatte ein vergleichbarer Test stattgefunden. Ziel ist es, Abläufe kontinuierlich zu verbessern, Kommunikationswege zu überprüfen und Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, bevor es zu einem realen Großangriff kommt.
Die aktuelle Simulation zeigt nach Einschätzung der Beteiligten, dass Cyberresilienz heute längst nicht mehr allein eine technische Herausforderung ist. Entscheidend sind ebenso funktionierende Krisenpläne, schnelle Informationswege und eine enge internationale Zusammenarbeit zwischen Behörden und Finanzunternehmen.
Angesichts der zunehmenden Professionalisierung von Cyberkriminellen dürfte die Bedeutung solcher grenzüberschreitenden Übungen in den kommenden Jahren weiter wachsen. Für die Aufsichtsbehörden steht fest: Je besser die Vorbereitung, desto geringer das Risiko, dass ein Cyberangriff die Stabilität des Finanzsystems ernsthaft gefährdet.