Der Jahresbericht des Gothaer Multi Select, der seit April 2026 unter dem Namen BarmeniaGothaer Opportunities geführt wird, zeigt für das Geschäftsjahr vom 1. Februar 2025 bis 31. Januar 2026 insgesamt eine erfreuliche Entwicklung. Der aktiv verwaltete Mischfonds verfolgt einen flexiblen Multi-Asset-Ansatz und kombiniert unter anderem Aktien, Anleihen, Investmentfonds, ETFs, Rohstoffe und Derivate. Ziel ist ein langfristiger Wertzuwachs bei gleichzeitiger Berücksichtigung von ESG-Kriterien.
Aus Anlegersicht fällt insbesondere die positive Wertentwicklung auf. Die Anteilsklasse A erzielte im Geschäftsjahr eine Performance von 7,38 %, während die institutionelle Anteilsklasse I auf 8,30 % kam. Gleichzeitig lag die durchschnittliche Volatilität beider Anteilsklassen bei 8,25 %. Damit konnte der Fonds in einem von geopolitischen Unsicherheiten, Zollkonflikten und starken Marktbewegungen geprägten Umfeld einen attraktiven Wertzuwachs bei vergleichsweise moderaten Schwankungen erzielen.
Das Fondsvermögen belief sich zum Stichtag auf rund 158,4 Mio. Euro. Auffällig ist die breite Streuung: Rund 26,8 % des Vermögens waren direkt in Aktien, knapp 12,0 % in Anleihen und 50,4 % in Zielfonds investiert. Hinzu kamen Bankguthaben von 9,6 % sowie kleinere Positionen in Zertifikaten und Derivaten. Die größten Einzelpositionen lagen jeweils unter 8 % des Fondsvermögens. Diese Struktur reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Wertpapieren, erhöht allerdings durch den hohen Zielfondsanteil auch die Bedeutung der Auswahl externer Fondsmanager.
Positiv ist außerdem die Entwicklung der Anteilwerte über mehrere Jahre. Der Anteilwert der Klasse A erhöhte sich von 127,82 Euro zum 31. Januar 2023 auf 162,10 Euro zum 31. Januar 2026. Bei der Klasse I stieg er im gleichen Zeitraum von 101,25 Euro auf 131,75 Euro. Dies spricht dafür, dass die positive Entwicklung des Berichtsjahres nicht isoliert zu betrachten ist, sondern sich in einen längerfristigen Aufwärtstrend einfügt.
Ein wichtiger Unterschied zwischen den Anteilsklassen zeigt sich bei den Kosten. Die Gesamtkostenquote der Klasse A beträgt 1,56 %, während sie bei der Klasse I lediglich 0,70 % erreicht. Für Privatanleger der Klasse A stellt die deutlich höhere Kostenbelastung daher einen relevanten Kritikpunkt dar, da sie langfristig einen spürbaren Teil der erzielten Rendite aufzehren kann. Eine performanceabhängige Vergütung fiel im Berichtsjahr dagegen nicht an.
Auch die Ergebnisrechnung fällt positiv aus. Für die deutlich größere Anteilsklasse I weist der Fonds einen ordentlichen Nettoertrag von rund 1,08 Mio. Euro, ein positives Ergebnis aus Veräußerungsgeschäften von rund 1,91 Mio. Euro sowie ein Gesamtergebnis des Geschäftsjahres von rund 9,37 Mio. Euro aus. Ein erheblicher Teil dieses Ergebnisses beruhte allerdings auf nicht realisierten Wertsteigerungen und ist damit von der weiteren Kapitalmarktentwicklung abhängig.
Ertragsorientierte Anleger sollten beachten, dass trotz vorhandener ausschüttungsfähiger Beträge keine Ausschüttung vorgenommen wurde. Sowohl bei der Klasse A als auch bei der Klasse I betrug die Gesamtausschüttung null Euro. Der Fonds eignet sich daher eher für Anleger, deren Schwerpunkt auf langfristigem Vermögenszuwachs liegt, als für Investoren, die regelmäßige laufende Ausschüttungen erwarten.
Auf der Risikoseite bleiben insbesondere Aktienmarkt-, Zins-, Währungs- und Derivaterisiken relevant. Zudem besteht durch den hohen Anteil an Zielfonds eine zusätzliche Abhängigkeit von deren Anlageentscheidungen und Liquidität. Die flexible Ausrichtung kann zwar helfen, auf unterschiedliche Marktphasen zu reagieren, macht den Anlageerfolg jedoch gleichzeitig stärker von den Entscheidungen des Fondsmanagements abhängig.
Fazit: Aus Anlegersicht präsentiert sich der Gothaer Multi Select beziehungsweise BarmeniaGothaer Opportunities als breit diversifizierter Mischfonds mit überzeugender Wertentwicklung im Berichtsjahr und einer insgesamt moderaten Volatilität. Positiv sind die flexible Asset-Allokation, die breite Streuung und die mehrjährige Steigerung der Anteilwerte. Kritisch zu bewerten sind insbesondere die relativ hohe Kostenquote der Anteilsklasse A, der hohe Anteil an Zielfonds sowie die bestehenden Markt- und Währungsrisiken. Für langfristig orientierte Anleger, die Wert auf Diversifikation und aktives Management legen und keine regelmäßigen Ausschüttungen benötigen, erscheint das Konzept grundsätzlich attraktiv. Die zukünftige Entwicklung wird jedoch wesentlich davon abhängen, ob das Fondsmanagement seine aktive Strategie auch in einem Umfeld hoher Bewertungen und anhaltender geopolitischer Unsicherheiten erfolgreich umsetzen kann.