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Hohe Forderungen an Gesellschafter, sinkende Schulden: Wie solide ist der Windpark von WestWind wirklich?

geralt (CC0), Pixabay

Die 111. WestWind Windpark GmbH & Co. KG hat das Geschäftsjahr 2024 mit einer kleineren Bilanzsumme, deutlich geringeren Verbindlichkeiten und einer verbesserten Liquiditätslage abgeschlossen. Gleichzeitig fällt jedoch ein ungewöhnlich hoher Anstieg der Forderungen gegenüber den eigenen Gesellschaftern auf. Dadurch entsteht ein gemischtes Bild: Die Finanzierung entwickelt sich positiv, doch ein erheblicher Teil des Vermögens ist inzwischen innerhalb des Gesellschafterkreises gebunden.

Aus Sicht von Anlegern ist das Unternehmen finanziell weiterhin solide aufgestellt. Dennoch werfen die hohen Forderungen gegenüber Gesellschaftern Fragen auf, denn sie machen inzwischen den größten Teil des Umlaufvermögens aus.

Bilanzsumme geht um rund 600.000 Euro zurück

Die Bilanzsumme verringerte sich von 7,58 Millionen Euro auf 6,99 Millionen Euro. Der Rückgang um knapp 592.000 Euro entspricht rund acht Prozent.

Hauptursachen sind die laufenden Abschreibungen auf die Windenergieanlage sowie die planmäßige Rückführung von Bankdarlehen.

Anlagevermögen sinkt erwartungsgemäß

Das Anlagevermögen reduzierte sich von 5,51 Millionen Euro auf 4,76 Millionen Euro.

Davon entfallen:

  • 4,64 Millionen Euro auf Sachanlagen,
  • 114.313 Euro auf immaterielle Vermögensgegenstände,
  • lediglich 1 Euro auf Finanzanlagen.

Die Entwicklung entspricht dem typischen Verlauf eines bestehenden Windparks. Die Windenergieanlagen verlieren durch die jährlichen Abschreibungen kontinuierlich an Buchwert, ohne dass daraus automatisch wirtschaftliche Probleme entstehen.

Schulden werden konsequent reduziert

Positiv fällt der weitere Abbau der Verbindlichkeiten auf.

Sie gingen innerhalb eines Jahres von 6,49 Millionen Euro auf 5,98 Millionen Euro zurück.

Das entspricht einer Verringerung um mehr als 500.000 Euro.

Von den gesamten Verbindlichkeiten entfallen:

  • rund 654.000 Euro auf kurzfristige Verpflichtungen,
  • rund 5,33 Millionen Euro auf langfristige Finanzierungen.

Davon besitzen noch 3,55 Millionen Euro eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.

Die Finanzierung entwickelt sich damit planmäßig in Richtung sinkender Verschuldung.

Eigenkapital bleibt unverändert

Das Eigenkapital beträgt weiterhin 750.000 Euro.

Damit blieb die Eigenkapitalausstattung gegenüber dem Vorjahr vollständig unverändert.

Das eingezahlte Kommanditkapital liegt unverändert bei 750.000 Euro, während weitere 1,15 Millionen Euro an Kommanditeinlagen bislang nicht eingefordert wurden.

Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird nicht ausgewiesen.

Auffällig: Forderungen gegen Gesellschafter steigen kräftig

Besonders ins Auge fällt die Entwicklung der Forderungen.

Sie erhöhten sich insgesamt leicht auf 1,73 Millionen Euro.

Davon entfallen jedoch mittlerweile 1,39 Millionen Euro auf Forderungen gegenüber Gesellschaftern.

Im Vorjahr lagen diese noch bei knapp 974.000 Euro.

Damit stiegen die Forderungen gegen Gesellschafter innerhalb eines Jahres um rund 413.000 Euro beziehungsweise mehr als 42 Prozent.

Für Anleger ist dies der wichtigste Punkt des gesamten Jahresabschlusses.

Grundsätzlich sind Forderungen gegenüber Gesellschaftern nicht ungewöhnlich. Sie können beispielsweise aus Darlehen, Ergebnisverrechnungen oder konzerninternen Finanzierungen entstehen.

Problematisch wäre eine solche Entwicklung allerdings dann, wenn die Rückzahlung unsicher wäre oder Liquidität dauerhaft im Gesellschafterkreis gebunden würde.

Der veröffentlichte Jahresabschluss liefert hierzu jedoch keine weiteren Erläuterungen.

Liquidität verbessert sich leicht

Positiv entwickelt sich dagegen die Kassenlage.

Die liquiden Mittel erhöhten sich von 379.075 Euro auf 459.184 Euro.

Das Unternehmen verfügt damit über etwas mehr frei verfügbare Zahlungsmittel als im Vorjahr.

Angesichts der langfristigen Kreditverpflichtungen bleibt der Liquiditätspuffer dennoch überschaubar.

Rückstellungen deutlich gesunken

Die Rückstellungen gingen von 325.870 Euro auf 172.948 Euro zurück.

Dies kann darauf hindeuten, dass Verpflichtungen erfüllt wurden oder sich zuvor gebildete Risiken nicht realisiert haben.

Ohne Gewinn- und Verlustrechnung lässt sich jedoch nicht beurteilen, welche konkreten Positionen hierfür verantwortlich sind.

Passive latente Steuern steigen deutlich

Während die aktiven latenten Steuern leicht zurückgingen, stiegen die passiven latenten Steuern deutlich von 19.130 Euro auf 85.060 Euro.

Latente Steuern entstehen aus unterschiedlichen handelsrechtlichen und steuerlichen Bewertungsansätzen und stellen keinen unmittelbar zahlungswirksamen Aufwand dar.

Der Anstieg zeigt jedoch, dass sich diese Bewertungsunterschiede im Geschäftsjahr vergrößert haben.

Banken bleiben umfassend abgesichert

Die Finanzierungen sind umfangreich besichert.

Insgesamt bestehen Sicherheiten für Verbindlichkeiten in Höhe von 5,77 Millionen Euro.

Zusätzlich besteht für den späteren Rückbau der Windenergieanlage eine Bankbürgschaft über 161.000 Euro.

Diese Rückbauverpflichtung ist wiederum durch ein Pfandrecht an der Windenergieanlage abgesichert.

Für Kreditgeber reduziert dies das Ausfallrisiko erheblich.

Keine Mitarbeiter

Auch 2024 beschäftigte die Gesellschaft keine eigenen Arbeitnehmer.

Die Geschäftsführung erfolgt über die Westwind Verwaltungs GmbH.

Dieses Modell ist für Projektgesellschaften im Bereich der Windenergie üblich und sorgt für geringe Verwaltungskosten.

Transparenz bleibt eingeschränkt

Wie viele kleinere Windparkgesellschaften nutzt auch die 111. WestWind Windpark GmbH & Co. KG die gesetzlichen Offenlegungserleichterungen.

Dadurch fehlen wesentliche Informationen:

  • Wie hoch waren die Stromerlöse?
  • Welchen Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag erzielte der Windpark?
  • Welche Zinsaufwendungen entstanden?
  • Warum nahmen die Forderungen gegenüber Gesellschaftern so deutlich zu?

Gerade diese Punkte wären für Investoren von besonderem Interesse.

Kritische, aber faire Anlegerbewertung

Die Bilanz vermittelt insgesamt einen soliden Eindruck.

Positiv sind insbesondere:

  • der kontinuierliche Schuldenabbau,
  • die leicht verbesserte Liquidität,
  • stabile Eigenkapitalverhältnisse,
  • sinkende Rückstellungen.

Der größte Kritikpunkt bleibt jedoch die Entwicklung der Forderungen gegenüber Gesellschaftern.

Wenn nahezu 80 Prozent aller Forderungen gegenüber dem eigenen Gesellschafterkreis bestehen, sollten Anleger wissen, worauf diese Forderungen beruhen und wann mit Rückzahlungen zu rechnen ist.

Mangels Gewinn- und Verlustrechnung bleibt diese Frage unbeantwortet.

Fazit

Die 111. WestWind Windpark GmbH & Co. KG entwickelt sich bilanziell insgesamt stabil. Die Darlehenslast sinkt kontinuierlich, die Liquidität verbessert sich leicht und das Eigenkapital bleibt konstant.

Dennoch verdient der starke Anstieg der Forderungen gegenüber Gesellschaftern besondere Aufmerksamkeit. Solange deren Werthaltigkeit und Rückzahlung nicht näher erläutert werden, bleibt ein Teil der Vermögenslage für außenstehende Anleger schwer einzuschätzen.

Insgesamt überwiegt zwar der Eindruck eines wirtschaftlich geordneten Windparkbetriebs. Für eine abschließende Bewertung der Ertragskraft und Kapitalqualität wären jedoch deutlich umfassendere Angaben erforderlich, als sie der veröffentlichte Jahresabschluss bietet.

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