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Kleingärten im Wandel: Leerstand zwingt Vereine zu neuen Konzepten

javallma (CC0), Pixabay

Von außen wirkt die Kleingartenanlage im Plauener Südosten ruhig und gepflegt. Doch hinter den Hecken und Gartenzäunen offenbart sich ein Problem, das längst viele Vereine in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt beschäftigt: Immer mehr Kleingärten stehen leer. Wo früher Gemüse angebaut, Blumen gepflegt und Familien ihre Freizeit verbrachten, wachsen heute Unkraut und Gestrüpp.

Der demografische Wandel verändert nicht nur Städte und Gemeinden, sondern auch das Kleingartenwesen. Viele langjährige Pächter sind inzwischen verstorben oder altersbedingt nicht mehr in der Lage, ihre Parzellen zu bewirtschaften. Gleichzeitig interessieren sich deutlich weniger junge Menschen für einen klassischen Kleingarten. Die Folge sind steigende Leerstände und erhebliche finanzielle Belastungen für die Vereine.

Nach aktuellen Zahlen stehen in Sachsen und Thüringen rund neun Prozent aller Kleingärten leer. Besonders angespannt ist die Lage in Sachsen-Anhalt, wo mittlerweile nahezu jeder fünfte Kleingarten keinen Pächter mehr hat. Vor allem Regionen mit Bevölkerungsrückgang und wirtschaftlichem Strukturwandel kämpfen seit Jahren mit dieser Entwicklung.

Ein Beispiel dafür ist die Stadt Plauen im Vogtland. Dort existieren noch 132 Kleingartenanlagen – mehr als in vielen anderen Städten vergleichbarer Größe. Dennoch stehen inzwischen rund 290 Parzellen leer, im gesamten Vogtland sogar etwa 500. Für viele Vereine bedeutet diese Entwicklung erhebliche Herausforderungen.

Im Kleingartenverein Plauen Süd-Ost sind derzeit 13 der insgesamt 156 Parzellen ungenutzt. Vereinsvorsitzender Gerd Steffen kennt die Probleme aus eigener Erfahrung. Eine verwilderte Parzelle musste der Verein nach einer Räumungsklage vollständig sanieren. Der ehemalige Pächter hatte über längere Zeit keine Beiträge mehr gezahlt. Allein für die Beräumung, den Rückschnitt, die Entfernung alter Bäume und den Abriss einer maroden Gartenlaube investierte der Verein rund 5.000 Euro.

Die Fläche soll künftig neu aufgeteilt werden. Eine kleinere Parzelle mit Laube ist bereits für einen neuen Pächter vorgesehen. Der übrige Teil soll künftig als Parkplatz dienen. Solche Lösungen werden immer häufiger notwendig, um brachliegende Flächen sinnvoll weiterzuentwickeln und gleichzeitig die gesetzlichen Vorgaben des Bundeskleingartengesetzes einzuhalten.

Die Ursachen für den Leerstand sind vielfältig. Neben der alternden Bevölkerung spielt vor allem der Bevölkerungsrückgang eine entscheidende Rolle. Städte wie Plauen haben in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Einwohner verloren. Mit dem Wegzug vieler Menschen verschwanden auch Arbeitsplätze und Industrieunternehmen. Ganze Wohngebiete wurden zurückgebaut – die Kleingartenanlagen blieben jedoch häufig unverändert bestehen. Heute gibt es vielerorts deutlich mehr Gärten als potenzielle Pächter.

Die Stadt Plauen reagierte bereits früh auf diese Entwicklung. Schon 2019 wurde ein umfassendes Kleingartenentwicklungskonzept mit Perspektive bis zum Jahr 2035 beschlossen. Ziel ist es, den unvermeidbaren Wandel aktiv zu gestalten. Vorgesehen sind Rückbau, Umnutzung und Renaturierung leerstehender Flächen. In Einzelfällen können auch Zusammenschlüsse oder die Auflösung ganzer Kleingartenvereine notwendig werden.

Ein besonders markantes Beispiel ist eine ehemalige Kleingartenanlage im Stadtteil Chrieschwitz. Dort befanden sich einst 56 Parzellen. Heute steht auf dem Gelände das Sportforum Vogtland mit einer modernen Turnhalle. Die meisten ehemaligen Pächter wechselten in andere Anlagen. Solche vollständigen Umwandlungen bleiben jedoch die Ausnahme.

An anderen Standorten setzt man auf alternative Nutzungen. Im Plauener Milmesgrund wurden zahlreiche aufgegebene Parzellen zurückgebaut. Die Natur konnte große Teile der Fläche zurückerobern. An anderer Stelle entstanden neue Freizeitangebote wie Boule-Anlagen oder Spielflächen für die Öffentlichkeit. Auch sogenannte Generationenparks oder Lesegärten mit öffentlichen Bücherhäuschen zeigen, dass ehemalige Kleingartenflächen neue Funktionen übernehmen können, ohne ihren grünen Charakter vollständig zu verlieren.

Der Leerstand verursacht für die Vereine nicht nur organisatorische Probleme, sondern auch erhebliche Kosten. Ungenutzte Grundstücke müssen weiterhin gepflegt werden. Gleichzeitig bleiben Pachtzahlungen an Grundstückseigentümer bestehen. Dadurch steigt die finanzielle Belastung der verbliebenen Kleingärtner. Je mehr Parzellen leer stehen, desto höher werden häufig die Kosten für die aktiven Mitglieder.

Besonders teuer ist der Rückbau alter Parzellen. Nach Angaben des Landesverbandes der Kleingärtner Sachsen kostet die vollständige Beräumung eines Gartens inzwischen bis zu 9.000 Euro. Dazu gehören der Abriss alter Lauben, die Entsorgung von Bauschutt, Baumfällungen sowie die Wiederherstellung der Grundstücke. Für viele Vereine sind solche Summen allein nicht zu stemmen.

Deshalb fordern die Verbände eine stärkere Unterstützung durch Kommunen und Landespolitik. Erste Förderprogramme sollen Vereinen dabei helfen, Rückbauprojekte zu finanzieren. Im Vogtland erhalten viele Kleingartenvereine inzwischen die vereinnahmten Pachtgelder der Kommunen vollständig zurück, um notwendige Investitionen finanzieren zu können. Diese Unterstützung gilt als wichtiger Baustein, um den Strukturwandel bewältigen zu können.

Trotz aller Schwierigkeiten sehen viele Verantwortliche eine Zukunft für das Kleingartenwesen. Statt ausschließlich auf Rückbau zu setzen, wollen zahlreiche Vereine ihre Anlagen attraktiver gestalten und neue Zielgruppen ansprechen. Gemeinschaftsgärten, Umweltbildungsprojekte, öffentliche Begegnungsorte oder generationenübergreifende Freizeitangebote sollen dazu beitragen, dass Kleingärten auch künftig ein fester Bestandteil des städtischen Lebens bleiben.

Gerade angesichts zunehmender Hitzewellen gewinnen Kleingärten zusätzlich an Bedeutung. Die begrünten Flächen tragen zur Abkühlung von Städten bei, fördern die Artenvielfalt und bieten Lebensraum für Insekten und Vögel. Gleichzeitig schaffen sie Orte der Erholung und Begegnung für Menschen aller Altersgruppen.

Fest steht jedoch auch: Das traditionelle Bild der Kleingartenanlage verändert sich. Wo früher nahezu jede Parzelle verpachtet war, entstehen heute neue Konzepte, die Erholung, Naturschutz und Freizeit miteinander verbinden. Der Wandel ist vielerorts bereits Realität. Ob dieser Neuanfang gelingt, wird entscheidend davon abhängen, wie gut Vereine, Kommunen und Politik gemeinsam Lösungen entwickeln. Denn trotz aller Herausforderungen bleibt die Hoffnung bestehen, dass Kleingärten auch künftig ihren Platz in den Städten behalten – wenn auch in einer neuen Form.

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