Viele Verbraucher fühlen sich sicher, wenn größere Geldbeträge auf dem Girokonto liegen. Doch genau diese vermeintliche Sicherheit kann teuer werden. Denn Guthaben auf dem Girokonto werden in den meisten Fällen gar nicht oder nur minimal verzinst. Gleichzeitig sorgt die Inflation dafür, dass das Ersparte Jahr für Jahr an Kaufkraft verliert.
Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Kreditvergleichsportals Smava zeigt, dass immer mehr Menschen hohe Summen auf ihren Girokonten parken. Nach den Ergebnissen der Erhebung verfügte Anfang Juni 2026 bereits jeder achte Befragte über mehr als 10.000 Euro auf seinem Girokonto. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei rund jedem neunten Befragten.
Inflation schmälert die Kaufkraft
Das eigentliche Problem besteht nicht darin, dass das Geld auf dem Girokonto unsicher wäre. Vielmehr verliert es dort schleichend an Wert.
Da viele Girokonten keine oder nur sehr geringe Guthabenzinsen bieten, kann die Verzinsung die derzeitige Inflation von über zwei Prozent nicht ausgleichen. Die Folge: Obwohl der Kontostand unverändert bleibt, sinkt die Kaufkraft des Geldes. Verbraucher können sich mit demselben Betrag im Laufe der Zeit immer weniger leisten.
Gerade bei größeren Guthaben summiert sich dieser schleichende Wertverlust über mehrere Jahre zu erheblichen Beträgen.
Girokonto ist kein Sparkonto
Das Girokonto erfüllt in erster Linie einen praktischen Zweck. Es dient dem täglichen Zahlungsverkehr – etwa für den Eingang des Gehalts sowie für Miete, Versicherungen, Einkäufe oder laufende Rechnungen.
Für den langfristigen Vermögensaufbau ist es dagegen kaum geeignet.
Verbraucherschützer empfehlen deshalb, auf dem Girokonto lediglich den Betrag vorzuhalten, der für die laufenden monatlichen Ausgaben benötigt wird. Höhere Guthaben sollten – abhängig von der persönlichen finanziellen Situation – auf besser verzinste Anlageformen verteilt werden.
Notreserve bleibt wichtig
Ganz ohne finanzielle Rücklage sollten Verbraucher allerdings nicht planen.
Experten raten dazu, jederzeit eine Notreserve in Höhe von etwa drei Nettomonatsgehältern verfügbar zu halten. Dieses Geld kann beispielsweise benötigt werden, wenn unerwartet das Auto repariert werden muss, eine Waschmaschine ausfällt oder andere größere Ausgaben kurzfristig entstehen.
Je nach persönlicher Lebenssituation kann die notwendige Reserve auch höher ausfallen. Familien, Selbstständige oder Personen mit schwankendem Einkommen benötigen häufig einen größeren finanziellen Puffer.
Tagesgeld als flexible Alternative
Wer größere Beträge dauerhaft auf dem Girokonto liegen lässt, kann diese oftmals besser auf einem Tagesgeldkonto anlegen.
Der Vorteil: Das Geld bleibt in der Regel jederzeit verfügbar, wird aber deutlich besser verzinst als auf einem klassischen Girokonto.
Je nach Bank sind derzeit Zinssätze von rund drei Prozent oder mehr möglich. Dadurch lässt sich zumindest ein Teil des inflationsbedingten Kaufkraftverlustes ausgleichen.
Festgeld bringt oft höhere Zinsen
Wer auf einen Teil seines Geldes für einen festgelegten Zeitraum verzichten kann, findet im Festgeld häufig noch attraktivere Konditionen.
Da das Kapital während der vereinbarten Laufzeit nicht verfügbar ist, zahlen viele Banken höhere Zinssätze als beim Tagesgeld.
Diese Anlageform eignet sich insbesondere für Beträge, die voraussichtlich über mehrere Monate oder Jahre nicht benötigt werden.
Sondertilgung kann besonders lohnend sein
Noch größer kann der finanzielle Vorteil ausfallen, wenn vorhandenes Guthaben zur Tilgung bestehender Kredite genutzt wird.
Nach Berechnungen des Kreditvergleichsportals Smava bringt eine Sondertilgung häufig eine deutlich höhere Ersparnis als eine klassische Geldanlage.
Während Tages- oder Festgeld derzeit Zinserträge im niedrigen einstelligen Prozentbereich ermöglichen, liegen die Zinssätze vieler Verbraucherkredite deutlich höher.
Wer beispielsweise einen laufenden Kredit mit einem Zinssatz von rund 8,6 Prozent teilweise zurückzahlt, spart langfristig oftmals erheblich mehr Zinskosten ein als mit einer klassischen Geldanlage erzielt werden könnten.
Beispiel zeigt den Unterschied
Anhand eines Beispielbetrags von 5.000 Euro verdeutlicht Smava die unterschiedlichen Möglichkeiten.
Wird das Geld fünf Jahre lang auf einem Tagesgeldkonto mit 1,9 Prozent Zinsen angelegt, entstehen Zinserträge von rund 500 Euro.
Bei einer Festgeldanlage mit 2,76 Prozent jährlich wächst der Zinsertrag im gleichen Zeitraum auf etwa 730 Euro.
Wird derselbe Betrag dagegen zur Sondertilgung eines Verbraucherkredits mit einem Zinssatz von rund 8,62 Prozent eingesetzt, können laut Berechnungen innerhalb von fünf Jahren Zinskosten von rund 2.120 Euro eingespart werden.
Die richtige Liquidität finden
Wie viel Geld tatsächlich auf dem Girokonto verbleiben sollte, hängt von den persönlichen Lebensumständen ab.
Wichtig ist vor allem eine ausgewogene Balance zwischen ausreichender Liquidität und sinnvoller Vermögensanlage. Zu geringe Rücklagen können im Notfall problematisch sein. Zu hohe Guthaben auf dem Girokonto führen dagegen häufig dazu, dass Vermögen über Jahre hinweg unnötig an Kaufkraft verliert.
Fazit
Viele Deutsche lassen inzwischen hohe Geldbeträge auf ihren Girokonten liegen. Was zunächst als sichere Lösung erscheint, kann langfristig jedoch teuer werden. Ohne nennenswerte Verzinsung verliert das Guthaben durch die Inflation kontinuierlich an Wert.
Verbraucherschützer empfehlen deshalb, das Girokonto auf seine eigentliche Funktion als Zahlungsmittelkonto zu beschränken und überschüssiges Kapital – je nach persönlicher Situation – auf besser verzinste Anlageformen wie Tages- oder Festgeldkonten zu verteilen oder zur Tilgung bestehender Kredite einzusetzen. Wer seine Liquidität sinnvoll plant, kann den schleichenden Kaufkraftverlust deutlich begrenzen und sein Vermögen langfristig besser schützen.