Der Jahresbericht des Fonds Vivace Multi-Strategy I zeigt aus Anlegersicht ein insgesamt überzeugendes Bild. Der Fonds konnte im Geschäftsjahr 2025/2026 eine Rendite von 10,62 % erzielen und dabei gleichzeitig seine Zielsetzung einer vergleichsweise schwankungsarmen Wertentwicklung erfüllen.
Positive Aspekte für Anleger
1. Attraktives Rendite-Risiko-Verhältnis
Besonders hervorzuheben ist die Kombination aus zweistelliger Rendite und moderatem Risiko:
Jahresperformance: +10,62 %
Volatilität: 6,17 %
Sharpe Ratio: 1,38
Maximaler Verlust im Berichtsjahr: 7,03 %
Maximaler Drawdown seit Auflage: 9,87 %
Für einen Multi-Asset-Fonds sind diese Kennzahlen bemerkenswert. Die Sharpe Ratio von 1,38 signalisiert, dass der Fonds pro Risikoeinheit eine überdurchschnittliche Rendite erzielt hat.
2. Erfolgreiche Umsetzung der Strategie
Das Management verfolgt einen systematischen und prognosefreien Investmentansatz. Statt Einzeltitel auszuwählen, investiert der Fonds über ETFs und Derivate in verschiedene Anlageklassen. Die breite Diversifikation umfasst:
Aktien Europa und USA
Schwellenländer
Staats- und Unternehmensanleihen
Gold
Geldmarktanlagen
Marktneutrale und Long-/Short-Strategien
Die Ergebnisse zeigen, dass dieser Ansatz im Berichtsjahr funktioniert hat.
3. Deutliches Wachstum des Fondsvermögens
Das Fondsvermögen stieg von rund 11,0 Mio. EUR auf 12,35 Mio. EUR. Dabei resultierte der Großteil des Wachstums aus der positiven Wertentwicklung und nicht aus starken Mittelzuflüssen. Dies spricht für eine tatsächliche Wertschöpfung der Anlagestrategie.
4. Hoher Goldanteil als Krisenschutz
Mit rund 12,5 % Goldinvestments verfügt der Fonds über einen bedeutenden Inflations- und Krisenschutz. Die starke Goldentwicklung im Berichtsjahr hat einen wichtigen Beitrag zur Gesamtperformance geleistet.
Kritische Punkte
1. Relativ hohe Gesamtkostenquote
Die Total Expense Ratio (TER) liegt bei 1,83 % jährlich. Für einen Fonds, der überwiegend in ETFs investiert, ist dies vergleichsweise hoch. Anleger müssen darauf vertrauen, dass die aktive Steuerung und die Risikokontrolle dauerhaft einen Mehrwert gegenüber günstigeren Mischfonds oder ETF-Portfolios schaffen.
2. Abhängigkeit von Modellen
Der gesamte Investmentprozess basiert auf regelbasierten Strategien. Solche Systeme können in außergewöhnlichen Marktphasen oder bei strukturellen Veränderungen der Kapitalmärkte zeitweise schlechter funktionieren. Das Fondsmanagement behält sich zudem Anpassungen des Regelwerks vor.
3. Einsatz von Derivaten
Der Fonds nutzt Futures und andere Derivate zur Umsetzung seiner Strategien. Zwar erscheint der Einsatz aktuell kontrolliert und das Risikomanagement professionell, dennoch erhöht dies die Komplexität gegenüber klassischen Mischfonds.
Portfolioanalyse
Zum Stichtag bestand das Portfolio aus:
76,4 % Investmentfonds/ETFs
12,5 % Gold-Zertifikaten
11,3 % Liquidität
geringe Derivatepositionen zur Steuerung des Risikos
Die hohe Liquiditätsquote verschafft dem Management Flexibilität und reduziert das Gesamtrisiko.
Langfristige Entwicklung
Der Anteilwert entwickelte sich seit 2023 kontinuierlich positiv:
Geschäftsjahr Anteilwert
2023 103,66 EUR
2024 107,24 EUR
2025 115,86 EUR
2026 128,17 EUR
Dies entspricht einer stetigen Wertsteigerung ohne größere Einbrüche und bestätigt die bisher erfolgreiche Umsetzung der Strategie.
Fazit für Anleger
Der Vivace Multi-Strategy I präsentiert sich als gut diversifizierter Multi-Asset-Fonds mit einem klaren Fokus auf Risikomanagement und Kapitalerhalt. Die Kombination aus 10,62 % Jahresrendite, niedriger Volatilität und begrenzten Rückschlägen macht den Fonds besonders für Anleger interessant, die langfristig Vermögen aufbauen möchten, ohne die Schwankungen eines reinen Aktienfonds akzeptieren zu müssen.
Die größte Herausforderung bleibt die vergleichsweise hohe Kostenquote. Solange das Management jedoch weiterhin ein deutlich besseres Rendite-Risiko-Profil als klassische Mischfonds oder Standard-ETF-Portfolios liefert, erscheint diese Kostenbelastung vertretbar.