Die österreichische Mozartstadt Salzburg verschärft in diesem Sommer ihre Verkehrsregeln deutlich. Ab dem 1. Juli gilt in Teilen der Altstadt ein neues Durchfahrtsverbot für Autos. Die Stadt reagiert damit auf zunehmende Verkehrsprobleme, Staus und den starken Besucherandrang während der Ferienzeit und der weltberühmten Salzburger Festspiele.
Mit der neuen Regelung will die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben rund 1.000 Autofahrten pro Tag aus der Innenstadt heraushalten. Besonders betroffen sind Tagestouristen, die bislang direkt mit dem Auto ins Zentrum fahren.
Der Salzburger Gemeinderat hatte die Maßnahme am 20. Mai beschlossen. Sie gilt zunächst vom 1. Juli bis Ende August – also genau in jener Zeit, in der Salzburg traditionell besonders viele Besucher empfängt.
Vorbild für die neue Regelung sind italienische Städte wie Rom, Florenz oder Pisa. Dort existieren bereits seit Jahren sogenannte „Zona a traffico limitato“-Zonen, in denen der Autoverkehr in historischen Innenstädten stark eingeschränkt wird.
In Salzburg betrifft das Durchfahrtsverbot große Teile der Altstadt. Dazu gehören insbesondere die sogenannten „Kais“ entlang der Salzach, die Staatsbrücke sowie das Neutor. Kontrolliert werden die Zufahrten unter anderem am Müllner Hügel, an der Imbergstraße und im Bereich Schwarzstraße/Makartplatz.
Die Stadt verfolgt damit mehrere Ziele gleichzeitig: weniger Staus, bessere Luftqualität, mehr Sicherheit für Fußgänger und eine Entlastung der historischen Innenstadt vom Massentourismus.
Allerdings sorgt die neue Regelung bereits jetzt für Diskussionen – insbesondere bei Urlaubern und Pendlern aus dem benachbarten Bayern. Denn Salzburg ist für viele deutsche Touristen ein beliebtes Tagesausflugsziel.
Die Stadt betont jedoch, dass nicht alle Autofahrer betroffen sind. Zahlreiche Ausnahmen wurden ausdrücklich vorgesehen. Weiterhin freie Zufahrt erhalten unter anderem:
- Bewohner der betroffenen Zone
- Beschäftigte mit Arbeitsplatz im Innenstadtbereich
- Lieferverkehr
- Taxis und Mietwagen
- Menschen mit Behinderung
- Hotelgäste und Ferienwohnungsbesucher mit Buchungsbestätigung
- Fahrzeuge bestimmter regionaler Kennzeichen
Besonders interessant für deutsche Besucher: Auch mehrere Kennzeichen aus Bayern bleiben von dem Verbot ausgenommen. Dazu zählen unter anderem Fahrzeuge aus dem Berchtesgadener Land, Bad Reichenhall sowie Laufen.
Damit versucht Salzburg offenbar, die engen wirtschaftlichen und touristischen Verbindungen zur Grenzregion zu berücksichtigen.
Die Einhaltung des Durchfahrtsverbots soll zunächst durch Polizeikontrollen überwacht werden. Perspektivisch plant die Stadt auch technische Überwachungssysteme und Videoerfassung, ähnlich wie in italienischen Innenstädten.
Wie hoch mögliche Strafen bei Verstößen ausfallen werden, ist derzeit noch offen. Nach österreichischem Recht gibt es – anders als in Deutschland – keinen festen Bußgeldkatalog. Die genaue Höhe möglicher Geldstrafen wird im Einzelfall von den zuständigen Behörden festgelegt.
Um Besuchern dennoch die Anreise mit dem Auto zu ermöglichen, setzt Salzburg verstärkt auf sogenannte Park-&-Ride-Lösungen. Rund um die Stadt stehen mehrere große Parkplätze zur Verfügung. Dort können Besucher ihr Auto abstellen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiterfahren.
Besonders attraktiv soll dabei das Kombiangebot sein: Für 7,50 Euro pro Tag erhalten Besucher nicht nur einen Parkplatz, sondern auch ein ÖPNV-Ticket für bis zu fünf gemeinsam reisende Personen innerhalb der Tarifzone Salzburg.
Die größten Park-&-Ride-Anlagen befinden sich unter anderem an der Messe Salzburg mit rund 3.000 Stellplätzen.
Die Maßnahme zeigt, wie stark europäische Touristenstädte inzwischen gegen Verkehrsüberlastung und Massentourismus vorgehen. Immer mehr Städte versuchen, historische Zentren autofrei oder zumindest deutlich verkehrsärmer zu gestalten.
Für viele Urlauber bedeutet das künftig mehr Planung bei der Anreise. Gleichzeitig hoffen die Verantwortlichen, dass Salzburg dadurch lebenswerter, ruhiger und touristisch attraktiver wird.
Ob sich das neue Durchfahrtsverbot bewährt oder zu zusätzlichem Ärger bei Besuchern führt, dürfte sich bereits im kommenden Sommer zeigen.