Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein klares Bild: Der Strategie Welt Select ist kein aggressiver Wachstumsfonds, sondern ein eher vorsichtig gesteuerter, global ausgerichteter Mischfonds, der in einem unsicheren Marktumfeld bewusst auf Risikobegrenzung gesetzt hat. Das hat 2025 zwar zu einer positiven Wertentwicklung von 2,91 % geführt, zugleich aber auch das Renditepotenzial sichtbar begrenzt.
Der Fonds verfolgte im Berichtsjahr eine breit diversifizierte Allokation über Aktien, Anleihen, Edelmetalle/Rohstoffe, Liquidität und Derivate. Auffällig ist, dass die Bruttoaktienquote nur zwischen 36,95 % und 46,28 % lag und zum Jahresende 44,29 % betrug. Zusätzlich wurde die Nettoaktienquote durch Optionen und Futures zeitweise deutlich abgesichert, weil das Management die Aktienmärkte weiterhin als überbewertet einschätzte. Für Anleger bedeutet das: Das Management hat 2025 bewusst auf Kapitalschutz und geringere Schwankungen gesetzt, statt voll an Aktienmarktchancen teilzunehmen.
Diese defensive Haltung spiegelt sich auch in der Vermögensstruktur wider. Zum Jahresende entfielen rund 44,3 % auf Aktien, 30,3 % auf Anleihen, 7,9 % auf Edelmetall-/Rohstoffzertifikate, 7,75 % auf Investmentfonds und 17,6 % auf Bankguthaben. Das ist eine für einen chancenorientierten Mischfonds relativ vorsichtige Aufstellung. Besonders der hohe Liquiditätsanteil und die signifikante Absicherung über Derivate sprechen dafür, dass das Fondsmanagement eher von einem fragilen Marktumfeld ausging.
Positiv ist, dass das Aktienportfolio qualitativ solide wirkt. Es enthält viele bekannte, international etablierte Unternehmen wie Nestlé, Johnson & Johnson, Nike, Danaher, Thermo Fisher, LVMH, Christian Dior oder Merck. Diese Titel stehen eher für Qualität, Marktstellung und Liquidität als für spekulatives Wachstum. Auch auf der Rentenseite ist die Struktur überwiegend konservativ: Hier dominieren Unternehmensanleihen guter Namen mit eher überschaubaren Laufzeiten, etwa von BMW, IBM, Mercedes-Benz, L’Oréal, Porsche Automobil Holding oder Bertelsmann, ergänzt um kurzlaufende Bundeswertpapiere. Das reduziert Zins- und Bonitätsrisiken gegenüber langlaufenden oder schwächeren Schuldnern.
Ein weiterer Stabilitätsbaustein waren die Edelmetallpositionen. Mit Xetra-Gold und einem Silber-ETC hielt der Fonds zum Jahresende rund 7,85 % in diesem Segment. Für Anleger ist das grundsätzlich sinnvoll, weil Gold und Silber in angespannten Marktphasen oft als Diversifikator dienen. Allerdings erzeugen solche Positionen keine laufenden Erträge und können die Gesamtperformance in Seitwärtsphasen bremsen.
Die Kehrseite der defensiven Steuerung wird bei der Ertragsqualität sichtbar. Der Fonds erwirtschaftete im Geschäftsjahr zwar ein realisiertes Ergebnis von 1,11 Mio. EUR, doch der ordentliche Nettoertrag lag nur bei rund 40.685 EUR. Der größte Beitrag kam also nicht aus stabilen laufenden Erträgen, sondern aus Veräußerungsgeschäften, vor allem aus dem Optionsgeschäft. Der Bericht sagt ausdrücklich, dass die realisierten Gewinne und Verluste im Wesentlichen aus verkauften Optionen resultierten. Das ist wichtig: Ein Teil der Fondsrendite wurde nicht klassisch durch Dividenden und Zinsen erzielt, sondern durch taktische Derivatestrategien. Das kann in einzelnen Jahren funktionieren, macht die Ertragsbasis aber weniger einfach und für Anleger schwerer planbar.
Kritisch zu bewerten ist auch die Kostenstruktur. Die TER von 1,76 % ist für einen Fonds mit moderater Jahresrendite relativ hoch. Wenn ein Fonds 2025 nur 2,91 % zulegt, frisst eine Kostenquote in dieser Größenordnung einen erheblichen Teil des Bruttoertrags auf. Für kostenbewusste Anleger ist das ein wesentlicher Punkt. Hinzu kommen Transaktionskosten von 40.050,33 EUR und ein sehr hohes Transaktionsvolumen von 262,86 Mio. EUR bezogen auf ein Fondsvermögen von nur rund 21,85 Mio. EUR. Das deutet auf eine sehr aktive Steuerung hin. Aktivität kann Mehrwert schaffen, sie erhöht aber auch Komplexität und indirekte Kostenbelastung.
Ein weiteres Signal, das Anleger ernst nehmen sollten, ist der Netto-Mittelabfluss von rund 2,61 Mio. EUR. Es wurden deutlich mehr Anteile zurückgegeben als neu verkauft. Das kann verschiedene Gründe haben, etwa Anlegerunzufriedenheit, Umschichtungen oder allgemeine Marktstimmung. Es ist nicht automatisch negativ, zeigt aber, dass der Fonds 2025 nicht von starkem Anlegerzuspruch geprägt war.
Bei der Risikobetrachtung fällt auf, dass der Fonds insgesamt eher kontrolliert aufgestellt war. Währungsrisiken waren laut Bericht gering, da überwiegend in Euro investiert wurde und US-Dollar-Risiken abgesichert waren. Die Liquiditätsrisiken werden als überschaubar beschrieben, weil vor allem liquide Standardwerte gehalten wurden. Das größte Risiko bleibt eindeutig das Marktpreisrisiko. Gerade weil der Fonds Aktien, Anleihen und Rohstoffe kombiniert, ist er zwar breiter gestreut, aber nicht immun gegen allgemeine Marktverwerfungen. Die Gesellschaft verweist selbst auf geopolitische Krisen, Rohstoffpreisentwicklungen, Zollpolitik und geldpolitische Unsicherheit als Belastungsfaktoren.
Die langfristige Entwicklung wirkt gemischt. Der Anteilwert stieg von 25,81 EUR auf 26,56 EUR im Jahr 2025. Verglichen mit 2023 lag der Anteilwert Ende 2025 aber nur leicht höher, während 2024 ein Rückgang beim Fondsvermögen und auch 2025 erneut ein sinkendes Fondsvolumen zu sehen war. Das spricht nicht für eine starke Wachstumsstory, sondern eher für einen Fonds, der seinen Wert in schwierigen Phasen einigermaßen stabil halten will.
Unterm Strich ist der Strategie Welt Select aus Anlegersicht ein Fonds für Investoren, die breite Streuung, aktive Steuerung und Risikodämpfung schätzen und dafür bereit sind, auf einen Teil möglicher Aktienmarktgewinne zu verzichten. Weniger geeignet ist er für Anleger, die eine dynamische, aktiennahe Rendite oder eine besonders kosteneffiziente Lösung suchen. Die zentrale Stärke des Fonds liegt in seiner defensiven, taktischen Steuerung. Seine zentrale Schwäche liegt in der Kombination aus begrenzter Rendite, relativ hoher Kostenquote und starker Abhängigkeit von Managemententscheidungen im Derivateeinsatz.
Fazit aus Anlegersicht:
2025 hat der Fonds gezeigt, dass er in einem unsicheren Umfeld Stabilität liefern kann. Die Rendite war positiv, aber nicht stark. Wer einen eher vorsichtigen Mischfonds mit aktiver Absicherung sucht, kann hier ein passendes Konzept sehen. Wer dagegen langfristig möglichst viel Marktrendite mitnehmen will, dürfte die defensive Ausrichtung und die Kosten als Nachteil empfinden.