Der Krieg im Nahen Osten wirkt sich zunehmend auf die Landwirtschaft in Deutschland aus. Besonders stark spüren die Folgen derzeit viele Betriebe in Schleswig-Holstein. Dort sorgen stark gestiegene Preise für Stickstoffdünger bei Landwirten für große Sorgen. Hintergrund ist die enge Verbindung zwischen der Düngerproduktion und dem globalen Energiemarkt – und damit auch zum Konflikt mit dem Iran.
Düngerpreise steigen deutlich
Für Landwirte wie Jan Henning Ufen aus Karolinenkoog im Kreis Dithmarschen sind die Preissteigerungen bereits spürbar. Der Landwirt bewirtschaftet rund 300 Hektar Ackerland und baut dort unter anderem Weißkohl, Rotkohl, Winterweizen und Zuckerrüben an.
Damit seine Pflanzen ausreichend Nährstoffe erhalten, bringt Ufen regelmäßig Stickstoffdünger auf seine Felder aus. Rund 200 Kilogramm Stickstoff pro Hektar benötigt er jährlich, um stabile Erträge zu sichern.
Doch der Einkauf des Düngers wird immer teurer. Während der Preis für Harnstoff – einen der wichtigsten Stickstoffdünger – im vergangenen Jahr meist unter 550 Euro pro Tonne lag, ist er laut aktuellen Daten der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein inzwischen auf etwa 680 Euro pro Tonne gestiegen.
Energiepreise treiben Kosten
Der Grund für den Preisanstieg liegt vor allem in der Herstellung von Stickstoffdünger. Dieser wird überwiegend aus Erdgas produziert. Steigen die Energiepreise oder kommt es zu Lieferproblemen, wirkt sich das unmittelbar auf die Kosten für Düngemittel aus.
Ein großer Teil des weltweit geförderten Erdgases stammt aus Staaten rund um den Persischen Golf. Der Krieg im Nahen Osten und die damit verbundenen Risiken für Energieexporte sorgen daher für Unsicherheit auf den Märkten.
Bauernverband warnt vor weiteren Preissteigerungen
Der Bauernverband Schleswig-Holstein befürchtet, dass sich die Situation weiter verschärfen könnte. Besonders kritisch sehen Landwirte mögliche Störungen im internationalen Transport.
Kristin Schultz vom Kreisbauernverband Dithmarschen verweist auf die strategisch wichtige Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Energieexporte weltweit. Sollte diese Route blockiert oder gefährdet sein, könnten Lieferketten erheblich beeinträchtigt werden.
„Viele Düngemittel stammen aus dem Nahen und Mittleren Osten. Wenn dort Produktion oder Transport gestört werden, steigen die Preise“, erklärt Schultz.
Die Landwirte fordern deshalb politische Unterstützung. Diskutiert wird unter anderem eine steuerliche Entlastung, etwa bei der CO₂-Abgabe auf Energie.
Betriebe versuchen, früh einzukaufen
Viele Landwirte versuchen, sich frühzeitig mit Dünger einzudecken, um Preissteigerungen abzufedern. Auch Jan Henning Ufen hat bereits etwa die Hälfte seines Jahresbedarfs im vergangenen Jahr gekauft.
Doch spätestens im Frühjahr müssen viele Betriebe nachkaufen – und dann gelten die aktuellen, deutlich höheren Marktpreise.
Experten sehen langfristige Alternativen
Wirtschaftsexperten beobachten die Entwicklung ebenfalls mit Sorge. Hendrik Mahlkow vom Kiel Institut für Weltwirtschaft weist darauf hin, dass 30 bis 40 Prozent der weltweiten Düngemittelexporte aus dem Nahen Osten stammen.
Kurzfristig haben Landwirte kaum Möglichkeiten, auf Stickstoffdünger zu verzichten. Die Nährstoffe sind entscheidend für hohe Erträge bei Getreide, Gemüse oder Zuckerrüben.
Langfristig könnten jedoch alternative Anbaumethoden helfen, die Abhängigkeit zu verringern. Eine Möglichkeit ist der verstärkte Anbau von Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Linsen. Diese Pflanzen können Stickstoff aus der Luft binden und den Boden auf natürliche Weise anreichern.
Auswirkungen auf Lebensmittelpreise möglich
Steigende Düngerpreise treffen Landwirte besonders hart, weil sie einen wichtigen Teil der Produktionskosten ausmachen. Wenn sich die Situation weiter zuspitzt, könnten die höheren Kosten langfristig auch Verbraucher erreichen.
Denn teurer Dünger bedeutet häufig auch höhere Kosten für die landwirtschaftliche Produktion – und damit möglicherweise steigende Preise für Lebensmittel.
Für viele Bauern in Schleswig-Holstein bleibt deshalb vorerst nur die Hoffnung, dass sich die geopolitische Lage stabilisiert und die Märkte wieder beruhigen. Bis dahin bleibt der Blick auf die Düngerpreise für viele Betriebe ein tägliches Sorgenbarometer.