Ein 91-jähriger Rentner aus Ansbach hat Trickbetrüger mit bemerkenswerter Gelassenheit und einer Portion Humor ausgetrickst – und damit letztlich dafür gesorgt, dass ein mutmaßlicher Abholer von der Polizei festgenommen werden konnte. Der Fall zeigt eindrucksvoll, wie die bekannte Betrugsmasche funktioniert – und wie sie manchmal spektakulär scheitert.
Anruf angeblicher Polizisten
Alles beginnt mit mehreren Anrufen auf dem Festnetztelefon von Hermann Ruth. Zunächst ignoriert der Senior das Klingeln, doch schließlich hebt er ab. Bereits nach wenigen Sekunden wird ihm klar, dass es sich um Betrüger handelt.
Die Anrufer geben sich als Polizeibeamte aus und erzählen eine typische Geschichte: In der Nachbarschaft habe es einen Einbruch gegeben. Bei den festgenommenen Tätern sei angeblich eine Liste mit weiteren potenziellen Einbruchszielen gefunden worden – darunter auch Ruths Adresse.
Um seine Wertgegenstände zu schützen, so die angeblichen Polizisten, müsse man diese kurzfristig in „polizeilichen Gewahrsam“ nehmen. Ein Beamter würde die Wertsachen deshalb bald abholen.
Rentner spielt das Spiel mit
Der Senior durchschaut die Masche sofort – entscheidet sich aber, die Betrüger hinzuhalten.
Er stellt sich absichtlich unwissend und erzählt den Anrufern, er besitze eine besonders wertvolle Sammlung von Goldmünzen. Die Betrüger gehen darauf ein und stellen mehrere Kontrollfragen. Ruhig und überlegt beantwortet der Rentner alles, um Zeit zu gewinnen.
Während des Gesprächs beendet Ruth kurzzeitig den Anruf und verständigt über sein Mobiltelefon die echte Polizei.
Erfahrung mit Betrügern
Für den 91-Jährigen ist es nicht das erste Mal, dass er mit Trickbetrügern zu tun hat. Bereits vor rund zwei Jahren versuchten Kriminelle, ihn zu einer Überweisung zu bewegen.
Damals reagierte Ruth ähnlich besonnen: Er notierte sich die Kontodaten der Täter, informierte die Polizei – und die Betrüger konnten später festgenommen werden.
Die ungewöhnliche Ausrede
Während der Senior mit der Polizei spricht, melden sich die Betrüger erneut am Telefon. Nun werden sie deutlich drängender. Sie kündigen an, dass ein Mann vorbeikommen werde, um die angeblichen Goldmünzen abzuholen.
Kurze Zeit später steht tatsächlich ein junger Mann vor dem Haus. Durch das Milchglas der Haustür erkennt Ruth nur eine Silhouette. Um Zeit zu gewinnen, greift er zu einer ungewöhnlichen Ausrede.
Er erklärt am Telefon, er könne gerade nicht öffnen – wegen akuter Darmprobleme müsse er erst dringend auf die Toilette. Um die Geschichte glaubwürdig wirken zu lassen, betätigt er sogar die Toilettenspülung.
Der Trick funktioniert. Während der Abholer wartet, trifft bereits die echte Polizei ein.
Festnahme nach kurzer Flucht
Eine Streife des Polizeipräsidium Mittelfranken überrascht den mutmaßlichen Abholer vor Ort. Der junge Mann versucht zunächst zu fliehen, wird jedoch nach wenigen hundert Metern eingeholt und festgenommen.
Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 17-Jährigen. Die Ermittlungen zu möglichen Hintermännern laufen weiterhin.
Polizei rät dennoch zur Vorsicht
So spektakulär der Ausgang des Falls auch ist – die Polizei betont, dass Bürger solche Situationen nicht selbst austricksen sollten.
Experten raten stattdessen zu einer einfacheren und sichereren Reaktion: Sobald der Verdacht auf einen Betrugsversuch besteht, sollte man sofort auflegen und die Polizei informieren.
Der Fall des 91-jährigen Ansbachers zeigt jedoch eindrucksvoll, dass Wachsamkeit und ein kühler Kopf entscheidend sein können. Mit Humor, Erfahrung und einer spontanen Ausrede sorgte der Senior letztlich dafür, dass aus einer Betrugsmasche eine Festnahme wurde.