Der Führerschein ist in Deutschland für viele junge Menschen zu einer finanziellen Hürde geworden. Durchschnittlich rund 3.400 Euro müssen Fahrschüler inzwischen bezahlen – deutlich mehr als in vielen europäischen Nachbarländern. Die Bundesregierung prüft deshalb eine Reform der Fahrausbildung, die den Erwerb der Fahrerlaubnis günstiger machen soll. Dabei orientiert sich Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) unter anderem am österreichischen Modell.
Österreich als Vorbild
In Österreich kostet der Führerschein im Durchschnitt etwa 2.000 Euro und ist damit deutlich günstiger als in Deutschland. Ein Grund dafür ist ein spezielles Ausbildungssystem, bei dem Fahrschüler einen Teil ihrer praktischen Fahrpraxis gemeinsam mit Angehörigen absolvieren dürfen.
Konkret sieht das sogenannte „1.000-Kilometer-Laienfahrtmodell“ vor, dass Fahrschüler nach einer Einweisung durch eine Fahrschule mit Eltern oder anderen erfahrenen Begleitpersonen üben können. Erst nach dieser Praxisphase folgen weitere Fahrstunden mit einem professionellen Fahrlehrer sowie die praktische Prüfung.
Bundesverkehrsminister Schnieder möchte ein ähnliches Modell auch in Deutschland testen. Geplant ist ein zunächst auf fünf Jahre begrenztes Pilotprojekt, das wissenschaftlich begleitet werden soll.
Fahrpraxis mit Eltern könnte Kosten senken
Nach vorsichtigen Berechnungen könnten Übungsfahrten mit den Eltern in Deutschland etwa fünf klassische Fahrstunden ersetzen. Bei durchschnittlichen Kosten von rund 70 Euro pro Fahrstunde würde sich dadurch eine Ersparnis von ungefähr 350 Euro ergeben.
Verkehrsexperten sehen darin einen möglichen Weg, den Führerschein wieder für mehr junge Menschen erschwinglich zu machen. Der Automobilclub ADAC unterstützt die Idee grundsätzlich. Begleitetes Fahren könne Fahranfängern zusätzliche Praxis vermitteln und ihre Sicherheit im Straßenverkehr verbessern.
Fahrlehrer sehen Risiken
Kritischer äußern sich dagegen Vertreter der Fahrschulbranche. Sie warnen davor, dass Eltern keine professionellen Fahrlehrer seien und möglicherweise falsche Fahrgewohnheiten vermitteln könnten.
Auch die Verkehrssituation in Deutschland wird als komplexer eingeschätzt als in Österreich. Gerade in dicht besiedelten Regionen mit hohem Verkehrsaufkommen könne eine professionelle Ausbildung besonders wichtig sein.
In Österreich selbst gilt das Modell allerdings seit Jahren als erfolgreich. Branchenvertreter berichten dort nicht von erhöhten Unfallzahlen durch Übungsfahrten mit Angehörigen.
Streit um Pflicht-Sonderfahrten
Noch stärker umstritten ist ein weiterer Reformvorschlag: die Reduzierung der sogenannten Sonderfahrten. Derzeit sind in Deutschland zwölf Pflichtstunden vorgeschrieben – fünf Überlandfahrten, vier Autobahnfahrten und drei Nachtfahrten.
Nach den Plänen des Verkehrsministeriums könnte diese Zahl auf drei Pflichtstunden reduziert werden. Bei durchschnittlichen Kosten von etwa 80 Euro pro Sonderfahrt würde das eine zusätzliche Ersparnis von mehr als 700 Euro bedeuten.
Während der ADAC eine moderate Reduzierung für vertretbar hält, warnen Fahrlehrerverbände vor Sicherheitsrisiken. Gerade Autobahn- oder Nachtfahrten seien wichtige Erfahrungen für Fahranfänger.
Theorieunterricht künftig auch online
Ein weiterer Bestandteil der geplanten Reform betrifft den Theorieunterricht. Bisher findet dieser meist in den Räumen der Fahrschulen statt. Gerade in Großstädten verursachen hohe Mieten zusätzliche Kosten.
Künftig könnten Fahrschulen den Theorieunterricht auch digital anbieten – etwa über Onlinekurse oder spezielle Apps. Dadurch könnten Kosten eingespart werden, die im Idealfall an die Fahrschüler weitergegeben werden.
Reform soll Ende März diskutiert werden
Die Vorschläge werden derzeit innerhalb der Verkehrsministerkonferenz vorbereitet. Ende März wollen Bund und Länder über mögliche Änderungen beraten.
Für viele junge Menschen wäre eine Reform dringend nötig. Steigende Preise für Fahrschulen, Fahrzeuge, Kraftstoff und Versicherungen haben den Führerschein in den vergangenen Jahren deutlich verteuert. Ob das geplante Reformpaket tatsächlich zu spürbaren Entlastungen führt, wird sich jedoch erst nach den politischen Verhandlungen zeigen.