Die enercity Windpark Fischbeck GmbH betreibt seit 2014 Windenergieanlagen in Wust-Fischbeck und ist Teil des enercity-Konzerns. Der nun veröffentlichte Jahresabschluss für 2024 zeigt ein vertrautes Bild klassischer Projektgesellschaften im Bereich Erneuerbare Energien: hohe Sachwerte, solide Stromerlöse – aber praktisch kein bilanzielles Eigenkapital.
Stabile Substanz, aber sinkende Bilanzsumme
Die Bilanzsumme ist von rund 16,9 Millionen Euro auf 13,1 Millionen Euro gesunken. Hauptgrund ist der kontinuierliche Abschreibungsverlauf der Windenergieanlagen, die linear über 20 Jahre abgeschrieben werden. Das Anlagevermögen verringerte sich entsprechend von 12,6 Millionen auf 11,3 Millionen Euro.
Das ist grundsätzlich kein Warnsignal, sondern Ausdruck des regulären Werteverzehrs bei einem Windpark, der bereits seit zehn Jahren am Netz ist. Für Anleger bedeutet das: Die technische Halbzeit der ursprünglichen Nutzungsdauer ist erreicht – perspektivisch rückt die Frage von Repowering oder Rückbau näher.
Liquidität deutlich gesunken
Auffällig ist jedoch der deutliche Rückgang der liquiden Mittel. Der Kassenbestand fiel von rund 3,26 Millionen Euro auf nur noch 550.000 Euro. Gleichzeitig gingen auch die Gesamtverbindlichkeiten deutlich zurück – von 16,3 Millionen Euro auf 12,6 Millionen Euro.
Der Liquiditätsabbau dürfte im Wesentlichen der Tilgung von Finanzverbindlichkeiten gedient haben. Positiv ist: Die Bankverbindlichkeiten sanken von 7,3 Millionen Euro auf 5,9 Millionen Euro. Das spricht für einen planmäßigen Schuldenabbau.
Aus Anlegersicht ist das ambivalent: Einerseits sinkt die Verschuldung, andererseits reduziert sich der kurzfristige Liquiditätspuffer erheblich.
Eigenkapital faktisch nicht vorhanden
Kritisch bleibt die Eigenkapitalsituation. Das gezeichnete Kapital beträgt unverändert 25.000 Euro – darüber hinaus ist kein bilanzielles Eigenkapital ausgewiesen. Die Gesellschaft arbeitet damit strukturell mit einer extrem niedrigen Eigenkapitalquote.
Für eine reine Projektgesellschaft innerhalb eines Konzerns ist das nicht ungewöhnlich. Gleichwohl bedeutet es: Verluste würden unmittelbar die Substanz berühren. Ein Risikopuffer ist bilanziell kaum vorhanden.
Hohe Konzernverflechtung
Die Gesellschaft ist eng in den Konzern eingebunden. Sie unterliegt einem Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag mit der enercity Erneuerbare GmbH. Zudem bestehen Cash-Pool-Vereinbarungen, Darlehen, Managementverträge und technische Betriebsführungsverträge innerhalb des Konzerns.
Stromerlöse in Höhe von rund 5,9 Millionen Euro stammen aus der Einspeisung, insbesondere über Verträge mit der enercity AG.
Für Anleger hat das zwei Seiten:
Positiv
Die Einbindung in einen größeren Konzern reduziert das operative Einzelrisiko. Zahlungsströme und Managementleistungen sind konzernintern abgesichert.
Kritisch
Die wirtschaftliche Eigenständigkeit ist begrenzt. Ergebnis und Liquidität hängen stark von konzerninternen Finanzierungs- und Verrechnungsstrukturen ab. Minderheitsinvestoren hätten hier wenig Einfluss.
Langfristige Verpflichtungen nicht zu unterschätzen
Neben den bilanzierten Schulden bestehen sonstige finanzielle Verpflichtungen von rund 5,4 Millionen Euro aus Management-, Miet-, Pacht- und Serviceverträgen. Diese sind nicht in der Bilanz enthalten, belasten aber künftige Zahlungsströme.
Zudem bestehen Rückbauverpflichtungen, für die Rückstellungen gebildet wurden. Die Pachtdauer wurde mit 25 Jahren unterstellt – damit rückt das Thema Rückbau oder Anschlussnutzung mittelfristig näher.
Restlaufzeiten der Schulden
Von den 12,6 Millionen Euro Verbindlichkeiten sind 5,4 Millionen Euro kurzfristig fällig, 7,15 Millionen Euro haben eine Laufzeit über ein Jahr. Davon entfallen 2,75 Millionen Euro auf Laufzeiten von mehr als fünf Jahren.
Das spricht für eine grundsätzlich strukturierte, langfristige Finanzierung – allerdings bei weiterhin hoher Fremdkapitalquote.
Fazit aus Anlegersicht
Die enercity Windpark Fischbeck GmbH präsentiert sich als klassische, stark fremdfinanzierte Betreibergesellschaft eines etablierten Windparks.
Stärken
Planmäßiger Schuldenabbau
Stabile Stromerlöse
Konzernrückhalt
Transparente Bewertungsmethoden
Schwachpunkte
Extrem niedrige Eigenkapitalbasis
Deutlich gesunkene Liquidität
Hohe konzerninterne Verflechtungen
Langfristige Rückbau- und Serviceverpflichtungen
Für einen Konzerninvestor stellt die Struktur kein ungewöhnliches Risiko dar. Für externe Kapitalgeber oder potenzielle Projektinvestoren wäre jedoch entscheidend, wie sich Ertragslage und Cashflow im Detail entwickeln – Informationen, die aufgrund der Offenlegungserleichterungen nicht öffentlich einsehbar sind.
Insgesamt wirkt das Unternehmen operativ stabil, bilanziell jedoch stark hebelfinanziert. Solange die Windenergieanlagen planmäßig produzieren und die EEG-Rahmenbedingungen stabil bleiben, erscheint das Geschäftsmodell tragfähig. Der Spielraum für unerwartete Belastungen ist jedoch begrenzt.