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MehrWerte Fonds : Solider 2024/25-Jahreslauf – aber Rendite stark „bewertungsgetrieben“ und Kosten spürbar

geralt (CC0), Pixabay

1) Was der Fonds aus Anlegersicht „ist“

Der MehrWerte Fonds wird als defensiver Mischfonds mit Renten-Schwerpunkt positioniert: mindestens 51 % müssen in Schuldverschreibungen/Rentenfonds/Renten-ETFs liegen; Aktien (direkt + über Fonds/ETFs) bis 30 %. Derivate sind erlaubt, v. a. zur Absicherung/Portfoliosteuerung. Zusätzlich bewirbt der Fonds ESG-Merkmale (Artikel-8-Produkt), allerdings ohne verbindliche PAI-Berücksichtigung auf Fondsebene (wichtig für Anleger, die „Impact/PAI-Verbindlichkeit“ erwarten).

2) Performance: +5,18 % – aber: Treiber überwiegend unrealisierte Effekte

Für den Zeitraum 01.11.2024–31.10.2025 weist der Bericht eine Wertentwicklung von +5,18 % (BVI-Methode, ohne Ausgabeaufschlag) aus.

Ein Blick in die Ergebnisrechnung zeigt jedoch die Qualität der Rendite:

Ordentlicher Nettoertrag: +0,90 € je Anteil (Zinsen/Dividenden minus laufende Kosten) – das ist die „tragfähige“ Ertragsbasis.

Realisierte Ergebnisse aus Verkäufen: −0,78 € je Anteil (realisierte Gewinne 1,42 minus realisierte Verluste 2,20) – also netto negativ.

Unrealisierte Ergebnisse: +4,51 € je Anteil – der Löwenanteil der Jahresrendite kam aus Kurs-/Bewertungsanstiegen, nicht aus vereinnahmten Erträgen oder realisierten Gewinnen.

Implikation für Anleger: Die +5,18 % wirken gut, sind aber stark abhängig von Marktbewegungen (Spreads/Zinsen/Aktienkurse). Das ist nicht „falsch“, aber weniger robust als eine Rendite, die überwiegend aus laufenden Kupons/Dividenden und realisierten Gewinnen stammt.

3) Portfolio & Umbau: deutlich mehr Fondsanteile, mehr „Nicht-IG“ nur über Fonds

Die Vermögensstruktur hat sich spürbar verschoben (Stichtag 31.10.2025 vs. 31.10.2024):

Anleihen (direkt): 41,65 % (vorher 66,58 %) – Rückgang der Einzelanleihenquote.

Investmentanteile: 44,33 % (vorher 21,76 %) – massiver Ausbau; laut Bericht v. a. Rentenfonds (u. a. Nachranganleihen).

Aktien (direkt): 6,58 %; Aktien gesamt inkl. Fonds: ~23,8 % (unter dem 30 %-Limit).

Bankguthaben: 7,60 % – erhöhtes Liquiditätspolster.

Wichtig ist der Risikohinweis der Manager selbst: Anleihen unterhalb Investment Grade wurden „deutlich ausgebaut“, aber ausschließlich über Fonds. Das erhöht Diversifikation, kann aber die Kredit-/Spread-Sensitivität steigern (besonders bei Hybrid-/Nachranganleihen und High-Yield-Bausteinen).

Was mir als Anleger positiv auffällt

Mehr Diversifikation durch Fonds/ETFs statt vieler Einzeltitel-Wetten.

Einzelanleihen wirken eher IG-fokussiert (im Bericht so beschrieben).

Aktienquote bleibt moderat; keine aggressive Hebelstrategie.

Was ich kritisch sehe

Die Risikosteigerung (Subordinated/High Yield) ist „verpackt“ in Zielfonds: Das kann Risikotransparenz verwässern, und in Stressphasen korrelieren viele Credit-Segmente stärker als erwartet.

Mit 44 % Zielfonds entsteht zusätzlich Kosten-Layering (Fondskosten der Zielfonds + Fondskosten des Dachfonds).

4) Einzelpositionen: defensiver Aktienmix, Unternehmensanleihen mittel bis längere Duration

Aktien direkt sind europäisch, eher „Quality/Dividend/Defensive“ (z. B. Allianz, Sanofi, Vinci, Veolia, Siemens, Fresenius, UniCredit). Kein Tech-Klumpen, kein EM-Klumpen.

Anleihen direkt sind überwiegend Unternehmensanleihen, Laufzeitband:

1–<3 Jahre: 10,88 %

3–<5 Jahre: 25,09 %

5–<10 Jahre: 0,98 %

≥10 Jahre: 4,69 %

Damit liegt ein Schwerpunkt im 3–5-Jahres-Bereich, plus ein spürbarer Long-End-Block. Anleger sollten also mit Zinsänderungsrisiko rechnen (wenn Renditen steigen, fallen Anleihekurse – und umgekehrt).

5) Währung & Geopolitik: USD-Risiko klein, aber nicht null

Der USD-Anteil ist gering: Investmentanteile in USD ~2,14 %, zusätzlich ein vernachlässigbarer USD-Cashbestand. Das Management erwähnt ausdrücklich eine USD-Schwäche ggü. EUR in 2025 und setzt auf „Substanz“/Risikosteuerung. Für EUR-Anleger ist das Währungsrisiko hier eher Nebenkriegsschauplatz, aber vorhanden.

6) Ausschüttung: 2,20 € je Anteil – teilweise „aus Substanz“

Es wurde eine Endausschüttung von 2,20 € je Anteil ausgewiesen. Bezogen auf den Anteilwert 96,42 € entspricht das grob ~2,28 % Ausschüttungsrendite.

Auffällig: In der Verwendungsrechnung kommt ein Teil der Ausschüttungsfähigkeit aus einer „Zuführung aus dem Sondervermögen“ (explizit: wegen realisierter Verluste und angenommener maximaler Ausschüttung). Das ist der klassische Punkt, den Anleger sauber einordnen sollten:

Ausschüttung ist nicht gleich Ertrag.

Wenn zur Ausschüttung Substanz herangezogen wird, ist das für Einkommens-Anleger kurzfristig angenehm, langfristig aber nur nachhaltig, wenn die Performance das kompensiert.

7) Kosten: laufend okay – mit Performance Fee wird’s teuer

Gesamtkostenquote (ohne Transaktionskosten): 1,28 %

Erfolgsabhängige Vergütung: 0,51 % (separat ausgewiesen)

Transaktionskosten: 20.259 € (im Verhältnis zum Fondsvolumen eher klein)

Als Anleger würde ich das so lesen: In Jahren mit Performance Fee kann die Gesamtkostenbelastung in Richtung ~1,8 % gehen (zumindest „ökonomisch“, je nach Definition/Einbezug). Für einen überwiegend rentenlastigen Mischfonds ist das nicht niedrig – und es kommt noch der indirekte Kostenblock der Zielfonds hinzu (nicht 1:1 in der genannten Quote abgebildet).

Warum das wichtig ist: Gerade bei Renten/kurzer bis mittlerer Duration frisst eine Kostenquote nahe 1,5–2 % p. a. einen großen Teil der erwartbaren Rendite auf, wenn das Zinsniveau/Spreads nicht helfen.

8) Risikosteuerung & Derivate: eher konservativ umgesetzt

Derivate-Exposure: 0 (zum Stichtag); Hebelwirkung Ø 0,98 – das wirkt nicht nach „Hebel-Renditejagd“.

VaR (99 %, 1 Tag, historisch): Ø 0,79 %, max 1,06 % – für einen Renten-/Mischfonds plausibel moderat.

Es gab verkaufte Call-Optionen auf Siemens (kleiner Umfang). Das ist typisch für „Zusatzprämie“, kann aber in starken Rally-Phasen Upside begrenzen.

9) Kurzfazit: Für wen passt das – und welche Fragen würde ich vor Kauf stellen?

Passt tendenziell für Anleger, die

einen defensiv bis moderat offensiven Mischfonds suchen (Rentenfokus, Aktien <30 %),

Wert auf breitere Streuung und ein Management-Overlay legen,

Ausschüttung mögen, aber Kursschwankungen akzeptieren.

Weniger passend, wenn

Sie sehr kostensensitiv sind (Kosten + Zielfondslayer + mögliche Performance Fee),

Sie eine sehr „saubere“ Investment-Grade-Rentenstrategie ohne Subordinated/High-Yield-Schwerpunkt erwarten,

Sie Artikel-8 mit verbindlicher PAI-Steuerung auf Fondsebene gleichsetzen (ist hier ausdrücklich nicht verbindlich).

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