Ein ehemaliger Angehöriger der US-Marine ist wegen schwerer Spionagevergehen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Ein Bundesrichter im kalifornischen San Diego verhängte am Montag eine Strafe von mehr als 16 Jahren Gefängnis gegen den 25-jährigen Jinchao Wei. Er hatte vertrauliche technische Informationen über US-Kriegsschiffe an einen chinesischen Geheimdienstmitarbeiter weitergegeben.
Nach Angaben der US-Staatsanwaltschaft wurde Wei im August von einer Jury in sechs Anklagepunkten schuldig gesprochen, darunter Spionage. Das Strafmaß beläuft sich auf 200 Monate Haft. Für die Weitergabe sensibler Daten erhielt Wei insgesamt mehr als 12.000 US-Dollar.
Wei diente als Maschinist auf dem amphibischen Angriffsschiff USS Essex, einem zentralen Bestandteil der US-Marine im Pazifik. Er gehörte zu zwei in Kalifornien stationierten Matrosen, die im August 2023 wegen der Weitergabe militärischer Informationen an China angeklagt wurden. Der zweite Beschuldigte, Wenheng Zhao, bekannte sich schuldig und wurde bereits 2024 zu etwas mehr als zwei Jahren Haft verurteilt.
Laut Gerichtsunterlagen wurde Wei im Jahr 2022 über soziale Medien kontaktiert. Der Anwerber gab sich als Marine-Enthusiast aus, der für ein staatliches chinesisches Schiffbauunternehmen arbeite. Tatsächlich handelte es sich um einen chinesischen Geheimdienstoffizier. Obwohl Wei einem Freund gegenüber selbst äußerte, der Kontakt sei „äußerst verdächtig“ und offensichtlich Spionage, setzte er die Kommunikation fort und wechselte sogar zu einem verschlüsselten Messengerdienst, den er für sicherer hielt.
Über einen Zeitraum von rund 18 Monaten übermittelte Wei Fotos und Videos der USS Essex, informierte über Standorte anderer US-Navy-Schiffe und machte detaillierte Angaben zu Verteidigungs- und Waffensystemen. Besonders schwer wiegt der Verkauf von rund 60 technischen und operativen Handbüchern, darunter Dokumente zur Waffensteuerung, zu Flugdecks und Aufzügen. Diese Unterlagen enthielten ausdrücklich Hinweise auf Exportkontrollen und sensible Einsatzdetails.
Die USS Essex ist laut Angaben der US-Marine in der Lage, mehr als 2.000 Marinesoldaten bei Luft- und amphibischen Einsätzen zu transportieren und zu unterstützen. Entsprechend hoch wird der entstandene Schaden für die nationale Sicherheit eingeschätzt.
In einem Schreiben an das Gericht entschuldigte sich Wei vor der Urteilsverkündung. Er erklärte, Einsamkeit und Introvertiertheit hätten sein Urteilsvermögen getrübt, und er bedaure zutiefst, vertrauliche Informationen an jemanden weitergegeben zu haben, den er fälschlicherweise als Freund betrachtete.
Der Fall unterstreicht erneut die seit Jahren wachsende Sorge der US-Behörden vor chinesischer Spionage, insbesondere innerhalb der Streitkräfte.