In dem ostindischen Bundesstaat Jharkhand sorgt ein wilder Elefant seit Tagen für Angst und Entsetzen. Mindestens 20 Menschen sind innerhalb von nur neun Tagen ums Leben gekommen, nachdem das Tier wiederholt Dörfer und Felder im Bezirk West Singhbhum angegriffen hat. Die Behörden bestätigten, dass sich die Vorfälle zwischen dem 1. und 9. Januar in den Waldgebieten von Chaibasa und Kolhan ereigneten, die Teil eines der größten Sal-Waldgebiete Asiens sind. Der Elefant konnte bislang nicht eingefangen werden.
Nach Angaben der Forstbehörden handelt es sich um eine bislang beispiellose Situation. „Zum ersten Mal wird eine so hohe Zahl von Todesfällen mit einem einzelnen männlichen Elefanten in Verbindung gebracht“, erklärte der zuständige Forstbeamte Kuldeep Meena. Mehr als 100 Forstmitarbeiter sind an einer großangelegten Such- und Rettungsaktion beteiligt. Das gesamte Gebiet wurde in Alarmbereitschaft versetzt, um weitere Opfer zu verhindern.
Die meisten Angriffe ereigneten sich nachts. In ländlichen Regionen Indiens ist es üblich, dass Bewohner ihre Reisvorräte auf den Feldern oder in Scheunen bewachen. Diese Praxis brachte viele Menschen in direkten Kontakt mit dem Elefanten. Zu den Opfern zählt auch der 34-jährige Mangal Singh Hembram, der nahe seines Hauses angegriffen wurde. Besonders tragisch ist das Schicksal von Kundra Bahoda und seinen beiden Kindern im Alter von sechs und acht Jahren, die bei einem nächtlichen Angriff ums Leben kamen. Seine Ehefrau Pundi Bahoda überlebte schwer verletzt mit ihrer zweijährigen Tochter.
Experten sehen die Ursache der Eskalation im langjährigen Mensch-Tier-Konflikt der Region. Schrumpfende Waldflächen, fragmentierte Lebensräume und zunehmende menschliche Aktivitäten entlang traditioneller Elefantenkorridore zwingen die Tiere immer näher an Siedlungen heran. Erste Einschätzungen deuten darauf hin, dass sich der Elefant möglicherweise in der Paarungsphase befindet, in der männliche Tiere aufgrund erhöhter Testosteronwerte besonders aggressiv reagieren. Diese Phase dauert in der Regel zwei bis drei Wochen.
Um die Bevölkerung zu schützen, setzen die Behörden auf nächtliche Warnsysteme mit Trommeln und raten dringend davon ab, nachts das Haus zu verlassen oder im Freien zu schlafen. Zudem wurde finanzielle Entschädigung für die Familien der Opfer angekündigt. Langfristig, so betonen Fachleute, brauche es jedoch nachhaltige Lösungen: den Schutz von Elefantenkorridoren, bessere Frühwarnsysteme und ein ausgewogenes Zusammenleben von Mensch und Tier.