Nach intensiven Gefechten in der syrischen Stadt Aleppo ist in den frühen Morgenstunden des Sonntags ein bedeutender Schritt zur Deeskalation erfolgt: Die letzten kurdischen Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben die Stadt verlassen. Der Abzug erfolgte im Rahmen eines international vermittelten Waffenstillstands, der nach tagelangen schweren Auseinandersetzungen zwischen der syrischen Armee und kurdischen Einheiten erzielt wurde.
Mazloum Abdi, der Oberbefehlshaber der SDF, erklärte, dass das Abkommen den sicheren Abzug der Verwundeten, der Zivilbevölkerung und der verbliebenen Kämpfer garantiere. In lokalen Medien wurden Bilder veröffentlicht, die zeigen, wie Busse die letzten SDF-Mitglieder aus dem überwiegend kurdisch bewohnten Viertel Sheikh Maqsoud bringen.
Die jüngsten Kämpfe begannen nach dem Scheitern der Verhandlungen über die Integration der kurdischen Streitkräfte in die neue syrische Regierung. Die syrische Armee hatte daraufhin die Stadtteile Sheikh Maqsoud und Ashrafieh zu militärischen Sperrzonen erklärt und massiv bombardiert. Bei den Gefechten kamen mindestens zwölf Menschen ums Leben, zehntausende wurden zur Flucht gezwungen.
Die SDF, die einen Großteil des Nordostens Syriens kontrolliert, wies Vorwürfe zurück, sie unterhalte in Aleppo eine militärische Präsenz. Sie bezeichnete das Vorgehen der Regierung als „kriminellen Versuch“, die kurdische Bevölkerung zu vertreiben.
Ein Waffenstillstand wurde bereits Anfang der Woche vorgeschlagen, stieß jedoch zunächst auf Ablehnung, da die SDF sich weigerte, Sheikh Maqsoud aufzugeben. Erst unter internationalem Druck – vor allem durch die Vermittlung der USA – konnte nun eine Einigung erzielt werden. Ein weiterer Beweggrund für die rasche Einigung war offenbar die Sorge vor einer Einmischung der Türkei, die sowohl die syrische Regierung als auch den Abzug der Kurden unterstützt, da sie die kurdische Miliz als Terrororganisation einstuft.
Der US-Sondergesandte Tom Barrack äußerte sich auf der Plattform X und rief alle Beteiligten zur Mäßigung auf. Gleichzeitig sicherte er dem neuen syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa Unterstützung beim Wiederaufbau und der Stabilisierung des Landes zu.
Mit dem Abzug der kurdischen Kräfte endet vorerst ein weiteres Kapitel des syrischen Bürgerkriegs – doch die fragile Waffenruhe bleibt von politischen Spannungen überschattet.